text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Leo Berlin - Tod in Blau von Goga, Susanne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.01.2016
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
9,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Leo Berlin - Tod in Blau

Zwei spannende Kriminalfälle im eBundle Leo Berlin: 1922. Kriminalkommissar Leo Wechsler bekommt es in seinem ersten Fall mit einem mysteriösen Mord zu tun: Ein Wunderheiler wurde mit einer Buddhafigur aus Jade erschlagen. Wie sich herausstellt, war der Heiler kein unbeschriebenes Blatt - er hat seine wohlhabende Klientel mit Kokain versorgt. Als wenig später eine Prostituierte ermordet wird, vermutet Leo einen unmittelbaren Zusammenhang. Tod in Blau: Leo Wechslers zweiter Fall: Es ist das Jahr 1922. Arnold Wegner malt seine Zeit in starken Kontrasten - Armut und Luxus, Krieg und Vergnügungssucht, Krankheit und Irrsinn. Seine radikalen Bilder, in denen er sich provokant mit der Gesellschaft und der jüngsten Vergangenheit, dem Ersten Weltkrieg, auseinandersetzt, erregen sowohl Bewunderung als auch Abscheu. Als der Maler tot in seinem Atelier gefunden wird, führt eine erste Spur Kommissar Leo Wechsler zur rechtsextremen Asgard-Gesellschaft, in der viele ehemalige Offiziere verkehren. Susanne Goga lebt als Autorin und Übersetzerin in Mönchengladbach. Sie ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Außer ihrer Krimireihe um Leo Wechsler hat sie mehrere historische Romane veröffentlicht und wurde mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Erscheinungsdatum: 22.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423429337
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 3039 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Leo Berlin - Tod in Blau

1

"Herr Kommissar, wollen Sie nicht allmählich nach Hause gehen?", fragte Ursula Meinelt, die Stenotypistin, und legte Leo Wechsler einige Blätter auf den Schreibtisch. "Ihre Kinder warten sicher schon."

Leo blickte kurz von seinen Akten hoch, ein wenig misstrauisch, als wollte er prüfen, ob Fräulein Meinelt nicht einfach Lust auf Feierabend hatte.

"Schauen Sie mich nicht an wie ein Polizist", sagte sie forsch.

"Ich bin Polizist", entgegnete Leo trocken. "Sie erinnern mich jeden Tag daran. Und wenn man einen Mitarbeiter wie von Malchow hat, kann man die Arbeit gleich allein machen."

Sie hob beschwichtigend die Hand. "Ich weiß, aber ... wenn Sie ehrlich sind, ist es auch nicht leicht, mit Ihnen auszukommen."

Er sah sie überrascht an. "Wieso? Sie kommen doch auch mit mir aus."

"Darüber wundere ich mich jeden Tag."

"So frech heute?", fragte er grinsend. "Wissen Sie, warum ich mit Ihnen auskomme?"

"Weil ich nicht der Sohn eines pommerschen Gutsbesitzers bin, der nur aus Spaß zur Polizei gegangen ist und eigentlich sein Leben mit Forellenfischen auf dem elterlichen Anwesen zubringen könnte", lautete die schlagfertige Antwort.

"Genau", sagte Leo Wechsler. "Mit Ihrer Beobachtungsgabe sollten Sie Detektivin werden."

"Um in Warenhäusern Frauen aufzulauern, die drei Schichten Unterwäsche tragen? Nein danke, da sitze ich lieber vor meiner Schreibmaschine und tippe Ihre Berichte", sagte sie lächelnd und griff in ihre Rocktasche. "Nehmen Sie die mit, wenn Sie nach Hause gehen." Sie hielt ihm zwei Zuckerstangen hin.

Er öffnete den Mund, schloss ihn wieder und steckte die Süßigkeiten ein. Beinahe hätte er gesagt, die kann ich selber kaufen. Verdammt, warum glaubte er ständig, dass alle ihn mitleidig anschauten und sich nur für die Tatsache interessierten, dass Kommissar Wechsler verwitweter Vater von zwei Kindern war?

Energisch schlug er den Aktenordner zu und schob ihn zur äußersten Ecke des Schreibtischs. "Sie haben Recht, ich mache Schluss für heute. Und danke für die Zuckerstangen. Wer weiß, wie viel die demnächst kosten." Er zog sein Portemonnaie heraus. "Sehen Sie sich das mal an. Geht kaum noch zu bei den vielen Scheinen. Letztens habe ich gesehen, wie bei Wertheim jemand mit einem Zehntausendmarkschein bezahlt hat."

Ursula Meinelt betrachtete die Geldscheine in Leos Hand und schüttelte den Kopf. "Ich verstehe nicht, wohin das noch führen soll. Wie kommt es, dass unser Geld immer weniger wert ist?"

"Weil man im Krieg so viel davon gedruckt hat, als wäre es Spielgeld", antwortete Leo und hängte sich den leichten Sommermantel über den Arm. "Und jetzt sitzen wir in der Achterbahn und wissen nicht, wohin sie fährt. Schönen Abend noch."

Mit diesen Worten verließ er das Büro.

Als er draußen auf dem Alexanderplatz vor dem Präsidium stand, das im Polizeijargon gern "Fabrik" genannt wurde, atmete er erst einmal auf. Es war halb sieben und taghell, der längste Tag des Jahres nicht mehr fern. Er beschloss, ein Stück Unter den Linden entlangzugehen, bevor er die Elektrische nach Moabit nahm.

Menschen in sommerlicher Kleidung schlenderten über den Boulevard. Von einem Zeitungskiosk sprang ihn das Wort "Blausäure" an. Leo blieb kurz stehen und las die ersten Zeilen.

"Am gestrigen Pfingstsonntag verübten bisher Unbekannte ein Blausäure-Attentat auf den Politiker Philipp Scheidemann (SPD). Er soll dem Vernehmen nach schwere Verletzungen erlitten haben."

Leo Wechsler schüttelte den Kopf. Manchmal kam es ihm vor, als wäre die Welt verrückt geworden. Als hätte sie acht Jahre zuvor den Verstand verloren und ihn nie wiedergefunden. Zuerst der lange Krieg, dann Revolution und Straßenkämpfe, Hunger, Unsicherheit und ... Er zuckte zusammen, als ihn die Erinnerung an Dorotheas Tod überfiel. Sie war im Januar 1919 gestorben, die Spanische Grippe war schon beinahe abgeflaut. Als hätte die tückische

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen