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Lies oder stirb! Mörderisches aus dem Bücherdschungel von Berndorf, Jacques (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.07.2014
  • Verlag: Grafit Verlag
eBook (ePUB)
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Lies oder stirb!

25 Jahre Grafit - Die Jubiläumsanthologie! Lesen, Schreiben, Bücher machen, mit Büchern handeln, über Bücher urteilen - das kann eine ganz schön emotionale und gefährliche Angelegenheit sein. Das wissen folgende Damen und Herren sehr gut, sorgen sie doch seit 25 Jahren für spannende Unterhaltung aus dem Hause Grafit: Leo P. Ard, Jacques Berndorf, Christiane Bogenstahl & Reinhard Junge, Wilfried Eggers, Lucie Flebbe, Ralph Gerstenberg, Christoph Güsken, Theo Pointner, Niklaus Schmid, Ilka Stitz, Ella Theiss, das Autorenduo Gabriella Wollenhaupt & Friedemann Grenz, Petra Würth und Jan Zweyer.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 190
    Erscheinungsdatum: 22.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894251611
    Verlag: Grafit Verlag
    Größe: 2429 kBytes
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Lies oder stirb!

RANDNOTIZ

1457 erfolgte die erste Datierung und Verlagsangabe in einem gedruckten Buch. 1671 wurde in Königsberg das erste bekannte Buchhändlerexamen abgelegt. Heute gibt es etwa 2.200 Verlage und rund 4.000 Einzelhändler, die Bücher verkaufen.

Ralph Gerstenberg

Peter Plus Pascal

Am Morgen des 28. Juli um fünf Uhr sechsunddreißig öffnete Gabor die Hintertür des Ladens in der Danziger Straße. Das Sicherheitsschloss der Firma ABUS hatte seinem Pickset nur fünfundfünfzig Sekunden standgehalten. Bevor er die Tür hinter sich zuzog, vergewisserte er sich, dass im Treppenhaus alles still war. Er atmete auf und ein – zum ersten Mal diesen Geruch aus Staub und Papier, Schimmel und Poesie. Ein kleiner Flur mit einer Garderobe, der zugleich als Lager genutzt wurde, ebenso wie die Küchennische, in der allein eine Espressomaschine sowie ein Plakat mit der Aufschrift Bücher sind Lebensmittel die Kistenstapel überragten. Gekocht wurde hier nicht, so viel stand mal fest.

Den Verkaufsraum hatte Gabor während seiner Recherche schon häufig betreten. Allerdings durch die Vordertür. Er kannte den Tisch mit der Stapelware, den Gummibaum neben der Antiquariatsecke, das Regal mit den Kinderbüchern, die alphabetisch geordneten Romane, die Drehständer mit den Krimis, die aufgereihten Biografien und Reiseführer, selbst den Bestand an Kochbüchern hatte er bereits erkundet, als er in den vergangenen Wochen ein wenig zu oft hier aufgekreuzt war, um unauffällig zu wirken, wie er befürchtete. Nur deshalb und weil er mit Peter Plus, dem Ladeninhaber, ins Gespräch kommen musste, hatte er sich einen Roman über zwei bescheuerte Teenager, die mit einem geklauten Lada Niva durch Ostdeutschland cruisten, aufschwatzen lassen, einen Stadtführer von Barcelona, wohin er Reiseabsichten zu haben vorgab, ein Kinderbuch für seine nicht vorhandene Tochter, das er auch beim dritten Durchblättern nicht verstanden hatte, sowie ein Buch über die Bepflanzung von schattigen Gärten, weil er, einer spontanen Eingebung folgend, den Anschein erweckt hatte, leider, ja, leider einen solchen zu besitzen. Letztere Behauptung bereute er umgehend, als er erfuhr, dass der gar nicht mal so opulente Bildband, den Peter Plus nicht bestellen musste, sondern von hinten, vielleicht aus der Küche, holte, neunundvierzig neunzig kostete – Geld, das Gabor nicht besaß, dessen Nichtbesitz ihn in diese Buchhandlung trieb, das er dennoch nun ausgeben musste, um weiterhin als geschätzter Kunde seine Recherchen betreiben zu können.

Das Schloss an der Ladentür war ein Witz. Gabor hatte es aufgebrochen, ausgebaut und durch ein neues ersetzt, bevor ein verpeilter Frühaufsteher oder Spätheimkehrer die Ladenfront passiert hatte. Die Gegend war ruhig geworden, seitdem sich Wohlstandserben, Parvenüs und Investoren aus aller Welt zunächst sämtliche Immobilien, die über Stuckdecken und Dielenböden verfügten, unter den Nagel gerissen hatten, danach alle anderen. Das Nachtleben war eingeschlafen. Der Berufsverkehr begann kaum vor sechs Uhr dreißig. Die Leute, die jetzt hier lebten, fuhren nicht zu Produktionsstätten, sondern in Büros oder Studios.

Gabor hatte sich seinen Thermoskannenkaffee eingeschenkt und beobachtete bei einem Klappbrot mit ungarischer Salami ein paar Hundehalter, die vor Arbeitsbeginn ihre werktagsüber in der Wohnung kasernierten Vierbeiner ausführten.

Die Morgensonne färbte bereits das Trottoir, als Gabor das Projekt, wie er es nach wie vor nannte, noch einmal infrage stellte. Bislang hatte er Urlaubsvertretungen bei

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