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Lieutnant Gustl von Schnitzler, Arthur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2011
  • Verlag: HörGut! Verlag
eBook (ePUB)
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Lieutnant Gustl

Im Jahre 1900 erschienen, 24 Jahre vor 'Fräulein Else', gilt 'Lieutnant Gustl' als erste konsequente Einführung des Inneren Monologs in die deutschsprachige Literatur. Nur einige wenige Dialogsätze durchbrechen den beständigen Flow von Gustl innerem Monolog. Da mischt sich Existenzielles mit gänzliche Nebensächlichem und Banalem und es bleibt dem Leser überlassen den Gedankenstrom für sich zu ordnen und zu interpretieren. Wie später in 'Fräulein Else' widmet sich Arthur Schnitzler auch hier der Auseinandersetzung ds Individuums mit den Normen der ihn umgebenden Gesellschaft. Allerdings handelt es sich Beim 'Lieutnant Gustl' nur am Rande um das großbürgerliche Millieu Wiens, im Vorderung stehen die strikten Regeln des Militärapparats und insbesondere der spezielle militärische Begriff von Ehre. Durch die Führung der Geschichte bezieht Schnitzler zuletzt aber trotz der offenen Form des inneren Monologs eindeutig Stellung. Neben dem kompletten Text, ein Glossar und eine Kurzbiografie Schnitzlers enthalten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 33
    Erscheinungsdatum: 01.10.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783938230978
    Verlag: HörGut! Verlag
    Größe: 97 kBytes
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Lieutnant Gustl

Lieutnant Gustl (S. 3-4)

Wie lange wird denn das noch dauern? Ich muss auf die Uhr schauen ... schickt sich wahrscheinlich nicht in einem so ernsten Konzert. Aber wer siehts denn? Wenns einer sieht, so passt er gerade so wenig auf, wie ich, und vor dem brauch ich mich nicht zu genieren ... Erst viertel auf zehn? ...

Mir kommt vor, ich sitz schon drei Stunden in dem Konzert. Ich bins halt nicht gewohnt ... Was ist es denn eigentlich? Ich muss das Programm anschauen ... Ja, richtig: Oratorium!1 Ich hab gemeint: Messe. Solche Sachen gehören doch nur in die Kirche! Die Kirche hat auch das Gute, dass man jeden Augenblick fortgehen kann. – Wenn ich wenigstens einen Ecksitz hätt! – Also Geduld, Geduld! Auch Oratorien nehmen ein End! Vielleicht ist es sehr schön, und ich bin nur nicht in der Laune. Woher sollt mir auch die Laune kommen? Wenn ich denke, dass ich hergekommen bin, um mich zu zerstreuen ... Hätt ich die Karte lieber dem Benedek geschenkt, dem machen solche Sachen Spaß; er spielt ja selber Violine.

Aber da wär der Kopetzky beleidigt gewesen. Es war ja sehr lieb von ihm, wenigstens gut gemeint. Ein braver Kerl, der Kopetzky! Der einzige, auf den man sich verlassen kann ... Seine Schwester singt ja mit unter denen da oben. Mindestens hundert Jungfrauen, alle schwarz gekleidet; wie soll ich sie da herausfinden? Weil sie mitsingt, hat er auch das Billett gehabt, der Kopetzky ... Warum ist er denn nicht selber gegangen? – Sie singen übrigens sehr schön.

Es ist sehr erhebend – sicher! Bravo! Bravo! ... Ja, applaudieren wir mit. Der neben mir klatscht wie verrückt. Obs ihm wirklich so gut gefällt? – Das Mädel drüben in der Loge ist sehr hübsch. Sieht sie mich an oder den Herrn dort mit dem blonden Vollbart? ... Ah, ein Solo! Wer ist das? Alt: Fräulein Walker, Sopran: Fräulein Michalek3 ... das ist wahrscheinlich Sopran ... Lang war ich schon nicht in der Oper. In der Oper unterhalt ich mich immer, auch wenns langweilig ist. Übermorgen könnt ich eigentlich wieder hineingehn, zur "Traviata". Ja, übermorgen bin ich vielleicht schon eine tote Leiche!

Ah, Unsinn, das glaub ich selber nicht! Warten S nur, Herr Doktor, Ihnen wirds vergehn, solche Bemerkungen zu machen! Das Nasenspitzel hau ich Ihnen herunter ... Wenn ich die in der Loge nur genau sehen könnt! Ich möcht mir den Operngucker5 von dem Herrn neben mir ausleihn, aber der frisst mich ja auf, wenig ich ihn in seiner Andacht stör ... In welcher Gegend die Schwester vom Kopetzky steht? Ob ich sie erkennen möcht? Ich hab sie ja nur zwei- oder dreimal gesehen, das letztemal im Offizierskasino6 ... Ob das lauter anständige Mädeln sind, alle hundert?

O jeh! ... "Unter Mitwirkung des Singvereins"! – Singverein ... komisch! Ich hab mir darunter eigentlich immer so was Ähnliches vorgestellt, wie die Wiener Tanzsängerinnen, das heißt, ich hab schon gewusst, dass es was anderes ist! ... Schöne Erinnerungen! Damals beim "Grünen Tor"7 ... Wie hat sie nur geheißen? Und dann hat sie mir einmal eine Ansichtskarte aus Belgrad geschickt ... Auch eine schöne Gegend! – Der Kopetzky hats gut, der sitzt jetzt längst im Wirtshaus und raucht seine Virginia8! ... Was guckt mich denn der Kerl dort immer an? Mir scheint, der merkt, dass ich mich langweil und nicht herghör ...

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