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London Boulevard Kriminalroman von Bruen, Ken (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.12.2010
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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London Boulevard

Kaum zehn Minuten aus dem Knast, bricht Mitchell auch schon einem Punk den Arm. Als Geldeintreiber ist man nicht gerade zimperlich. Doch Mitchell will sein Leben ändern: legale Geldquelle, nette Frau, Kinder vielleicht. Als ihm die Diva Lillian Palmer einen Job auf ihrem Anwesen in Notting Hill anbietet, sieht er seine Chance gekommen - und Lillian könnte glatt die richtige Frau sein. Alles prima, wären da nicht Lillians zwielichtiger Butler Jordan und Tommy Logan, ein Geldhai, der seine eigenen Pläne für Mitchell hat ... Gnadenlos, schnell und wenn es sein muss außerordentlich brutal - ein Typ wie Mitchell scheint wie geboren für ein Dasein zwischen Drogendealern und Geldeintreibern. Als sich ihm die Chance bietet, ein neues Leben anzufangen, holt seine Vergangenheit ihn ein. Und Mitchell muss zurückschlagen.

Ken Bruen, 1951 im irischen Galway geboren, promovierte am Trinity College in Dublin über die "Metaphysik im urbanen Umfeld", unterrichtete Englisch in Singapur, Japan, Südamerika und Saudi-Arabien, arbeitete als Wachmann im World Trade Center, saß in Rio sechs Monate im Knast und war ein halbes Jahr lang mit einer griechischen Millionärstochter verheiratet. Seine mehr als dreißig Romane sind in über sechs Sprachen übersetzt worden. Conny Lösch lebt als Literaturkritikerin und Übersetzerin in Berlin. Sie hat u.a. Bücher von Don Winslow, Annie Sprinkle, Ishmael Beah, Jon Savage, Warren Ellis und Beth Ditto ins Deutsche übertragen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 262
    Erscheinungsdatum: 08.12.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518744802
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: London Boulevard
    Größe: 1651 kBytes
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London Boulevard

ERSTER TEIL

Vorhang auf

I m Gefängnis habe ich gelernt: Kompulsiv ist, wenn man etwas immer wieder macht. Obsessiv, wenn man immer wieder an etwas denkt.

Natürlich habe ich auch noch ein paar andere Sachen gelernt. Die sind aber weniger eindeutig.

Nicht so klar definierbar.

Am Tag meiner Entlassung bat mich der Gefängnisdirektor zu sich.

Er saß über den Schreibtisch gebeugt und ließ mich warten. Studierte mit gesenktem Kopf Unterlagen, ein Vorbild an Beflissenheit. Da war eine kahle Stelle, wie bei Prinz Charles. Sie gab mir ein gutes Gefühl. Also konzentrierte ich mich darauf. Endlich sah er hoch und sagte:

"Mitchell?"

"Ja, Sir?"

Ich kannte das Spiel. Von der Freiheit trennte mich nur noch eine Zigarettenlänge. Da wurde ich nicht leichtsinnig. Dem Akzent nach kam er irgendwo aus dem Norden. Klang jetzt zwar geschliffen, aber nach wie vor quollen Yorkshire Pudding und der ganze Scheiß durch sämtliche Ritzen. Er fragte:

"Sie waren jetzt wie lange bei uns?"

Als ob er's nicht wüsste. Ich meinte:

"Drei Jahre, Sir."

Er hmmmte, als wollte er's nicht so richtig glauben. Durchblätterte meine Akte und sagte:

"Die vorzeitige Entlassung auf Bewährung haben Sie abgelehnt."

"Ich wollte meine Schuld in vollem Umfang absitzen, Sir."

Der Schließer hinter mir schnaubte verächtlich. Zum ersten Mal sah mich der Gefängnisdirektor jetzt direkt an. Fixierte mich. Dann:

"Sagt Ihnen der Begriff Rückfallkriminalität etwas?"

"Sir?"

"Wiederholungstäter, die aufgrund einer Art Obsession immer wieder im Gefängnis landen."

Ich lächelte müde, sagte:

"Ich glaube, Sie verwechseln obsessiv mit kompulsiv", und erklärte ihm den Unterschied.

Er stempelte meine Papiere ab, sagte:

"Sie kommen wieder."

Ich wollte erwidern: "Nur als Wiederholung im Nachmittagsprogramm", hatte aber den Eindruck, dass er die Anspielung auf Arnie und den Terminator nicht kapieren würde. Am Tor meinte der Schließer:

"Keine gute Idee, dem blöd zu kommen."

Ich hob die rechte Hand und sagte:

"Was habe ich sonst zu bieten?"

Ich stand draußen vor dem Gefängnis, wartete. Ich sah mich nicht um. Wenn das abergläubisch ist, kann ich's auch nicht ändern. Beim Rumstehen, da auf der Caledonian Road, fragte ich mich, ob ich wie ein Sträfling aussah, ein entlassener Sträfling.

Verschlagen.

Ja, und zwielichtig. Das auch.

Ich war fünfundvierzig Jahre alt. Bei genau einsachtzig Körpergröße brachte ich 82 Kilo auf die Waage. Aber 1a durchtrainiert. Ich hatte im Fitnessraum rangeklotzt und einiges gestemmt. Hatte meinen Schweinehund besiegt und Endorphine freigesetzt. Ein natürliches Rauschgefühl. Scheiße, kann man so was im Bau überhaupt brauchen? Schwitzen bis du nicht mehr kannst und trotzdem weitermachen. Mein Haar war weiß, aber noch dicht. Meine Augen sind dunkel, wie meine Seele. Meine Nase fies gebrochen, was mein großzügiger Mund aber fast wieder wettmacht.

Großzügig!

Ich liebe diese Beschreibung. Eine Frau hatte mir das gesagt, als ich noch in meinen Zwanzigern war. Die Frau habe ich verloren, an dem Adjektiv aber festgehalten. Man muss retten, was zu retten ist.

Ein Transporter fuhr vor, hupte. Die Tür ging auf und Norton stieg aus. Wir standen einen Augenblick rum. War er mein Freund?

Ich weiß es nicht, aber er war da. Er tauchte auf, das reicht zum Freund. Ich sagte:

"Hey."

Er

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