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Mörderkind Kriminalroman von Löhnig, Inge (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.12.2014
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Mörderkind

Sie liefen ihr nach und schrien: "Mörderkind, Mörderkind!" Ihr Leben lang war sie für alle nur das Mörderkind. Fionas Kindheit war ein Alptraum. Und nun ist ihr Vater tot. Seine letzten Worte galten ihr: "Ich bin kein Mörder." Widerstrebend macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Beginnt nachzuforschen, befragt ihre Familie. Und stößt auf ungeheuerliche Geheimnisse und eine Intrige, deren tödliches Gift bis heute wirkt ... Schon als Kind verfügte Inge Löhnig über so viel Fantasie, dass ihre Geschichten noch heute in der Familie legendär sind. Neben dem Beruf als Grafik-Designerin war Schreiben lange ein Hobby. Erst mit dem Erscheinen der Reihe um den Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort wurde daraus die neue Profession. Die Kriminal-Romane von Inge Löhnig sind ebenso regelmäßig auf der Bestsellerliste zu finden, wie die spannenden Familien-Romane, die sie unter dem Pseudonym Ellen Sandberg veröffentlicht. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 464
    Erscheinungsdatum: 05.12.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843709385
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2292 kBytes
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Mörderkind

1

Was für ein beschissener Tag. Viel zu kalt für Oktober, und obendrein regnete es seit dem frühen Morgen. Fiona fuhr die Auerfeldstraße entlang und wischte sich eine nasse Haarsträhne aus dem Gesicht, die sich unter dem Radhelm gelöst hatte. Das Funkgerät an ihrem Schultergurt trat krächzend in Aktion. Frank, der Dispatcher, meldete sich. "Hallo, Fi. Wo bist du?"

Sie betätigte die Sprechtaste. Ein Lieferwagen schoss aus einer Einfahrt. Instinktiv riss sie den Lenker herum und schaffte es auszuweichen. Das Hinterrad rutschte weg. Sie fing den Sturz mit einem Bein gerade noch ab. "Arschloch!"

"Nette Begrüßung."

"Nicht du." Ihr Herz raste. Adrenalin bis in die Haarspitzen. "So ein Penner! Er hat ja eine komfortable Knautschzone. Und nach ihm die Sintflut." Sie atmete durch. Ging schon wieder.

"Alles okay mit dir?"

"Aber sicher. Bin in der Auerfeld."

"Passt. Abholung Metz drei. Hinterhof. Schreinerwerkstatt. Geht in die Schön siebzehn. Übernimmst du?"

"Klar. Muss vorher aber noch die Sachen bei dem Steuerberater abliefern. Dauert drei Minuten."

"Geht in Ordnung."

Der Lieferwagen bog in eine Seitenstraße. Fiona sandte ihm einen giftigen Blick hinterher. Dem Fahrer hätte sie eigentlich gerne was erzählt. Sie trat in die Pedale, schlängelte sich zwischen zwei Wagenkolonnen hindurch und fuhr bei Dunkelorange über die Kreuzung an der Rosenheimer Straße.

Als Fahrradkurier arbeitete sie erst seit drei Wochen. Der bisherige Höhepunkt in ihrer Laufbahn schlecht bezahlter Jobs. Unter anderem als Tierpflegerin, Animateurin und Klettercoach. Es war an der Zeit, herausfinden, was sie mit ihrem Leben anfangen wollte. Wobei sie es eigentlich wusste. Tief in ihr gab es diese Stimme, die sich immer wieder Gehör verschaffen wollte. Film. Das war es. Oder Videokunst, vielleicht auch Malerei. Doch sobald diese vorlaute Stimme sich in ihr rührte und sie drängte, endlich den Vorbereitungskurs für die Kunstakademie zu besuchen oder sich mal die Aufnahmekriterien der Filmhochschule anzusehen, gab Fiona ihr was aufs Maul. Es ging nicht. Alle Stacheln stellten sich auf. Niemals würde sie in seine Fußstapfen treten. Niemals! Mit ihm hatte sie nichts gemein.

Also versuchte sie es immer wieder mit etwas anderem. Ihre abgebrochenen Studiengänge häuften sich. Jura war ihr zu trocken gewesen und außerdem zu nah an dem Päckchen, das sie mit sich herumschleppte. Kunstgeschichte zu theoretisch und diese Tourismuskiste zu kommerziell. Ewig von mies bezahlten Jobs zu leben - wobei leben grandios übertrieben war -, war jedenfalls nicht der Plan. Der heutige Tag bestätigte sie wieder einmal in dem Vorsatz, endlich eine vernünftige Ausbildung zu machen. Es war schon beinahe Mittag, und sie hatte erst ein paar mickrige Aufträge gehabt. Eine Kurzstrecke für fünf Euro. Eine Abholung im sechsten Stock eines Bürogebäudes, dessen Lift ausgefallen war. Ihr war nichts anderes übriggeblieben, als die Treppen nach oben zu spurten. Gratis Fitnesstraining. Als ob es ihr daran mangelte. Und nun die Zustellung für den Steuerberater.

Stau in der Orleansstraße. Fiona wich auf den Gehweg aus, wechselte nach hundert Metern auf die Spur für Busse und Taxen, was wütendes Gehupe zur Folge hatte. Von wem auch immer. Sie sah sich nicht um und bog auf den Orleansplatz ein. Der Regen ließ nach. Das Kopfsteinpflaster glänzte. Aus den Kastanien entlang der Wörthstraße segelten die ersten gelben Blätter. Ein paar Wochen noch, und alles würde kalt und grau und matschig sein. Die ganze Stadt ein Spiegel ihres Lebens. Wenn man mal von den ersten Jahren absah, in denen es Sommer gewesen war. Was dachte sie denn da? Fi verscheuchte diese Gedanken. Man musste das Leben nehmen, wie es kam, und durfte sich nichts gefallen lassen. Das war der Trick.

Ein schwarzer Porsche überholte sie mit drei Millimetern Abstand, großzügig geschätzt, und rauschte dabei durch eine Pfütz

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