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Möwenschrei Nordsee-Krimi von Ohlandt, Nina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.02.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Möwenschrei

Auf der idyllischen Nordseeinsel Sylt spielen sich plötzlich schreckliche Dinge ab. Gerade als der Flensburger Hauptkommissar John Benthien den Urlaub in seinem verwitterten Kapitänshaus auf der Insel verbringt, verunglücken ganz in dessen Nähe zwei Jungen tödlich. An einem düsteren Oktobermorgen stürzen sie bei einem Ausflug mit dem Bollerwagen einen Hang hinunter und werden aus dem Wagen geschleudert. War es ein Unfall, oder war es Mord? Eine Augenzeugin glaubt, etwas gesehen zu haben, das nicht auf einen Unfall hindeutet...

Benthien beginnt zu ermitteln. Wie sich herausstellt, waren die Zwillinge Feriengäste in der Pension Astarte. Dort, in dem uralten Friesenhaus, erwartet den Kommissar Schreckliches: Eine Frau wurde brutal erstickt. Noch hat Benthien keine Ahnung, dass dies nicht der letzte Todesfall bleiben wird, der die kleine Pension heimsucht. Ein neuer, spannender Fall für Kommissar John Benthien, der den Inselmorden auf den Grund geht.

Weitere Nordsee-Krimis von Nina Ohlandt: 'Küstenmorde', 'Ist so kalt der Winter' und 'Nebeltod'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 507
    Erscheinungsdatum: 12.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838759340
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: John Benthien Bd.2
    Größe: 667kBytes
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Möwenschrei

Kapitel 1

Es war unwirklich, mystisch, geheimnisvoll, das Bild, das vor Wiebkes Augen stand. Wie ein bösartiger Scherenschnitt aus dem Biedermeier, der plötzlich in Bewegung geraten war: eine Düne, ein Haus, ein Vorplatz, ein Bollerwagen. Ein Stillleben im Nebel, friedlich und anheimelnd, bis plötzlich der Bollerwagen kopfüber den steilen Hang hinunterstürzte und zwei kleine Körper herauskatapultiert wurden. Für Sekunden sah Wiebke sie durch die Luft wirbeln, als ginge es darum, eine besonders kunstvolle Figur zu üben, vielleicht für einen Wettbewerb. Dann waren die kleinen Körper in Dunst und Heidekraut verschwunden, es herrschte Stille, und alles sah aus wie zuvor. Nur der Bollerwagen mit den Kindern fehlte.

Oben verschwand ein Schatten um die Hausecke.

Wiebke merkte erst jetzt, dass ihr Wagen plötzlich mitten auf der Straße stand und sie den Motor abgewürgt hatte. Ihre Hände zitterten so, dass sie das Lenkrad fest umklammern musste, Schweiß trat auf ihre Stirn. Sie öffnete das Fenster, um mehr Luft zu bekommen, saubere Nordseeluft, die der beständige Oktoberwind aus Westen heranschaufelte. Es war noch früh am Tag an diesem herbstlichen Sonntagmorgen. Nach einer langen Nacht auf der Intensivstation der Nordseeklinik hatte sie nur noch nach Hause und ins Bett gewollt. Und dann das!

Auf der Straße nach List war kaum Verkehr. Der Tag hatte neblig begonnen; die Dünen auf der Ostseite, gekrönt von Ferienhäusern mit Reetdächern, wirkten fantastisch und unwirklich gegen den düsteren Himmel. Soweit sie wusste, war das Haus, vor dem der Bollerwagen gestanden hatte, eine kleine Familienpension, benannt nach einer altorientalischen Göttin, doch der Name fiel ihr jetzt nicht ein. Nach der überstürzten Talfahrt des Bollerwagens herrschten wieder Stille und Bewegungslosigkeit ringsumher; kein Vogel sang, keine Möwe schrie, kein Mensch ließ sich zu dieser frühen Morgenstunde blicken. Wiebke fragte sich kurz, ob sie das alles eben geträumt hatte. Ihr rasender Herzschlag sprach dagegen.

Was sollte sie tun? Sie tastete nach dem Handy in ihrer Tasche, zog aber die Hand zurück. Sollte sie nicht besser erst einmal nachsehen? Ihr Herz tat einen Satz, als unvermittelt der Linienbus Westerland-List empört hupend an ihr vorbeidonnerte. Sie konnte von Glück sagen, dass er sie nicht über den Haufen gefahren hatte.

Mit bebenden Händen startete Wiebke den Motor, der stotternd ansprang. Langsam rollte sie bis vor die Düne, dicht am Straßenrand. Sie stieg aus, merkte, dass ihre Knie zitterten, und suchte Halt am Wagendach. Nichts rührte sich. Das lang gestreckte Haus oben auf der Düne mit dem tiefgezogenen Reetdach ruhte unbeleuchtet auf dem Dünenrücken wie ein solides, aber verlassenes Kreuzfahrtschiff.

Unsicher blickte Wiebke um sich. Vor ihr lag der steile Hang, bedeckt mit Buschwerk und struppigem braunem Heidekraut. Zwei Trampelpfade führten wie eine Kerbe mitten in die Dünen. Die Nachbarhäuser, bis auf eines, waren ein Stück entfernt; im Osten lag das Wattenmeer, im Westen die Landstraße, und nördlich der Pension, die "Astarte" hieß - inzwischen konnte Wiebke das Namensschild erkennen -, wurde das Land etwas flacher, der Abstand zum nächsten bewohnten Haus war groß. Auf dem Dachfirst saß eine Möwe und beobachtete sie mit wissenden Augen. Was sollte sie tun? Die Düne hinaufklettern und die Bewohner oben fragen, ob ihnen gerade zwei kleine Kinder abhandengekommen waren?

Wiebke entschied sich dafür, die Stelle aufzusuchen, wo der Bollerwagen liegen musste. Sie hastete durch das Heidekraut, das sich anfühlte wie ein alter Reisigbesen. Der Tau durchnässte ihre Schuhe und den Saum der Jeans. Ihr Ziel war ein ausgedehntes Gehölz aus Wacholderbüschen, Stechginster, Schlehen, Gräsern und niedrigen Krüppelkiefern. Als sie sich bis zum ersten zarten Bäumchen vorgearbeitet hatte, einem Windflüchter, bemerkte sie, dass das Gestrüpp weitläufiger

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