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Mad Dog Boogie von Bronski, Max (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.01.2016
  • Verlag: Verlag Antje Kunstmann
eBook (ePUB)
12,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Mad Dog Boogie

Alex Dunbar, ein genialer Gitarrist, hat sich und seine Musik in den wilden Siebzigern durch psychedelische Drogen befeuert und ist bei einem legendären Fest im Umland von München auf einem Trip hängengeblieben. Seitdem leidet er nicht nur unter einer Drogenpsychose, er trägt auch schwer an einer Schuld, denn auf dem Fest ist seine Geliebte bestialisch erschlagen worden. Angeblich von ihm. Doch Alex kann sich nicht wirklich erinnern und befindet sich seit Jahren in therapeutischer Behandlung auf Gut Betzing in der bayrischen Provinz. Erst als er unglücklicherweise einen Schlag auf den Kopf bekommt und mit einem Schädel-Hirn-Trauma im Krankenhaus liegt, kehrt die Erinnerung zurück. Mit Ben, einem jungen Punk, der an Tourette leidet, und Willi, einem Koloss mit dem Gemüt eines Kindes, bildet der verwirrte Althippie mit regenbogenfarbenem Pillbox-Hut ein bizarres Trio, das sich auf eine turbulente Reise in die Vergangenheit begibt und mit Hilfe von Dunbars Therapeuten versucht, aus verrätselten Träumen und realen Erinnerungsszenen die Wahrheit herauszuschälen: War Alex Dunbar der Mörder?

Max Bronski (Franz-Maria Sonner) wurde 1953 in Tutzing geboren und ist Autor von Kriminalromanen. Seine legendäre Reihe um den Münchner Antiquitätenhändler Gossec ist schon lange Kult. Zuletzt erschien von Bronski 'Der Tod bin ich' (2013). Sein neuer Roman 'Mad Dog Boogie' wird im Januar 2016 veröffentlicht. Der Autor lebt in München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 20.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783956140754
    Verlag: Verlag Antje Kunstmann
    Größe: 576kBytes
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Mad Dog Boogie

Das Telefon nebenan war leise gestellt, aber meine Patientin erschrak dennoch, als sie es schnarren hörte. Vergeblich versuchte ich, sie zu beschwichtigen. Sie war auffällig geworden, weil sie fremde Personen mit Anrufen belästigt hatte. Klackend schaltete sich der Anrufbeantworter ein.

- Er ist weg! Bitte melde dich sofort.

Es war Mollys Stimme. Ich hatte vergessen, den Ton abzudrehen, und verwünschte diese alten Apparaturen, an denen jede Funktion gesondert eingestellt werden musste.

- Ich sollte wohl besser gehen, sagte die Frau auf meiner Behandlungsliege.

- Im Moment gibt es nichts Wichtigeres für mich, als unser Gespräch fortzusetzen.

Sie erhob sich und griff nach ihrer Jacke.

- Für wie blöd halten Sie mich?

Ich hatte bei ihr die Medikamentendosis stark herabgesetzt, um endlich an die Person heranzukommen. Wahrscheinlich musste ich mich nun wieder einmal vom Kollegen Pfister abbürsten lassen. Schon im Vorgriff darauf wallte Ärger in mir auf. Neuerdings vergaß ich ständig seinen Vornamen. Das war nicht schwer zu deuten, ich bestrafte ihn. Schließlich war er einmal mein Schüler und später ein gleichgestellter Kollege. Jetzt konnte er mir den Hahn meiner spärlichen Verdienste zudrehen. Ich steckte das Krankenblatt zurück in die Mappe und kickte die ausfahrbare Metallschublade mit dem Fuß zurück. Missmutig griff ich nach dem Hörer.

- Er ist weg, sagst du?

- Ja, wie ich herausbekommen habe, seit heute früh. Er hat sich mit dem Taxi Richtung München fahren lassen. Was machen wir jetzt?

- Was sollen wir schon tun? Alex lässt sich freiwillig behandeln. Wenn er verschwindet, geht das auf seine Verantwortung. Du kannst niemand gegen seinen Willen festhalten.

- Mag sein. Aber der Punkt ist, dass er sich noch in einem hilflosen Zustand befindet. Weder körperlich noch geistig genesen.

- Aber ...

- Okay, ich sehe schon, ich muss die Sache alleine in die Hand nehmen.

Molly legte abrupt auf. Wütend blickte ich um mich.

Alex stolperte durch den Wald. Bis hierher war er von einer Art Songline geführt worden, die ihn damals begleitet hatte, als er still im Auto saß und zum Fenster hinaussah. Deutlich hörte er das Spiel zweier Flöten, deren Melodien sich ineinanderschlangen, kreuzten und wieder voneinander entfernten. Hinter ihren verschnörkelten Wendungen, die ähnlich dem zitternden Ausschlag einer Kompassnadel nirgendwohin zu deuten schienen, stand jedoch eine schlichte Weise von der Art eines Kinderlieds, die eine klare Richtung anzeigte. Aber nun hatte er sich offensichtlich verlaufen. Die intuitive Gewissheit, nur dieser inneren Klangwelt folgen zu müssen, um alles richtig zu machen, fiel von ihm ab. Er fühlte sich schwach und setzte sich auf einen Baumstumpf. Einer seiner Bettnachbarn in der Burg hatte stets behauptet, er könne über Wasser laufen. Alex schlug die Hände vor das Gesicht, er glaubte sich geheilt und war eben doch nur ein Irrer geblieben.

Er steckte sich ein Stück Schokolade in den Mund. Vielleicht war es das Beste, in Gut Betzing anzurufen und darum zu bitten, dass man ihn zurückhole. Wind kam auf, und hinten am Saum des Waldes bog sich das Gebüsch unter einer heftigen Böe. Der kurze Eindruck genügte, um ihn aufspringen zu lassen. Auf der Wiese dahinter lag das Haus, er hatte es doch gefunden!

Er hob beide Hände wie zum Gebet und ging langsam darauf zu. In der Vorstellung, die er sich zuvor gemacht hatte, würde nun etwas wie jähe Klarheit und unmissverständliche Wahrheit über ihn kommen.

Die Ersatzbefriedigung hat den schlechten Ruf, der ihr normalerweise angehängt wird, nicht verdient. Sie hat sich in vielen Lebenslagen bewährt, vor allem dann, wenn man wie ich nun einen Stimmungsaufheller brauchte. Ich stand in der Konditorei Brandinger und belohnte mich dort mit einem Stück Ananasbombe und einem Stück Schokokuchen, der so gehaltvoll war, dass die Schokolade noch auf dem Heimwe

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