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Maestra Roman von Hilton, L. S. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.03.2016
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Maestra

Judith Rashleigh arbeitet für ein renommiertes Londoner Auktionshaus. Deshalb hält sie es zunächst für ein Versehen, dass ein von ihr als Fälschung entlarvtes Meisterwerk zur Versteigerung steht. Als sie den Galeristen auf den Fehler hinweist, feuert er sie kurzerhand und raubt ihr jede Hoffnung auf eine Zukunft in der Kunstwelt. Doch gelingt es Judith, sich weiterhin in den elitären Kreisen zu bewegen und die Hintergründe des millionenschweren Kunstbetrugs aufzudecken, ohne dabei ihre wahre Identität preiszugeben. Ein riskantes Spiel, an dem die junge Britin aber immer mehr Gefallen findet - und zwar so sehr, dass sie den Spieß schließlich umdreht und sich das nimmt, was ihr zusteht. Selbst wenn sie dafür über Leichen gehen muss.

L.S. Hilton wuchs in Nordengland auf, studierte Englische Literatur in Oxford und anschließend Kunstgeschichte in Paris und Florenz. Danach zog es sie nach Key West, New York, Paris und Mailand, wo sie als Journalistin, Kunstkritikerin und Rundfunksprecherin arbeitete. Vor Kurzem ist sie nach England zurückgekehrt. Sie lebt mit ihrer Tochter in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 10.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492975018
    Verlag: Piper
    Serie: Maestra 1
    Größe: 1349 kBytes
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Maestra

3. Kapitel

Mein Bewerbungsgespräch im Gstaad Club bestand darin, dass Olly, der riesige, übellaunige finnische Besitzer, Restaurantchef und Rausschmeißer in einer Person, mich gründlich von oben bis unten musterte - ich hatte mir auf der Toilette im Ritz schnell noch eine hautfarbene Spitzenbluse übergestreift.

"Kannst du trinken?", fragte er dann.

"Hey, das Mädel ist aus Liverpool", kicherte Mercedes, und damit war die Sache abgemacht.

Während der nächsten acht Wochen arbeitete ich donnerstag- und freitagabends also im Club. Nicht unbedingt zu Zeiten, die die meisten Leute in meinem Alter angenehm fänden, aber After-Work-Drinks mit dem Team gehörten nicht unbedingt zu meinem Arbeitsalltag. Der Name des Clubs - ebenso wie alles andere dort - war ein verfehlter Versuch, dem Etablissement Klasse zu verleihen. Das einzig Echte an diesem Club war die wirklich gepfefferte Gewinnspanne, die man hier auf den Champagner draufschlug. In der Tat war es nicht viel anders als im Annabel's, dem ehemaligen Nachtclub ein paar Blöcke weiter, am Berkeley Square. Dasselbe versnobte Publikum, dieselben mittelmäßigen Bilder an den gelben Wänden, dieselbe Sammlung tragischer, schmerbäuchiger älterer Herren, dieselben herumlungernden Scharen von Mädchen, die man vielleicht nicht gerade Nutten nennen sollte, die aber immer einen kleinen Zuschuss zu ihrer Miete gebrauchen konnten. Mein Job war einfach. Eine halbe Stunde bevor der Club seine Türen öffnete, versammelten sich ungefähr zehn Mädchen zu einem kleinen Aufwärmdrink, ausgeschenkt von Carlo, dem Barkeeper. Er trug eine tadellos gebügelte, aber immer leicht streng riechende weiße Jacke. Der Rest des Personals bestand aus einer uralten Babuschka, die an der Garderobe stand, und Olly. Um Punkt neun Uhr sperrte er die Tür auf und machte jedes Mal denselben feierlichen Witz: "Los, Mädels, runter mit den Höschen!"

Danach saßen wir eine Stunde lang plaudernd herum, blätterten in Klatschzeitschriften oder schrieben SMS, bis die Kunden eintrafen, fast immer allein. Der Hintergedanke war der, dass sie sich das Mädchen aussuchten, das ihnen gefiel, und es mitnahmen, damit es sich mit ihnen in einen der mit rosa Samt ausgekleideten Alkoven setzte. Das nannte man ziemlich offenherzig "gebucht werden". Wenn man gebucht war, lautete das Ziel, den Kunden dazu zu bringen, so viele überteuerte Flaschen Champagner wie möglich zu ordern. Wir bekamen kein Gehalt, nur zehn Prozent Beteiligung an jeder Flasche und dazu das Trinkgeld, das der Gast daließ. An meinem ersten Abend taumelte ich vom Tisch weg, als wir gerade mal bei der dritten Flasche waren, und musste die Babuschka bitten, mir die Haare zu halten, während ich mir den Finger in den Hals steckte.

"Dummes Mädchen", sagte sie mit grimmiger Genugtuung. " Du sollst das Zeug doch nicht trinken."

Ich lernte dazu. Carlo servierte den Champagner in riesigen goldfischglasgroßen Gläsern, die wir in den Sektkübel mit dem Eis oder in die Blumentöpfe leeren konnten, wenn der Gast einmal den Tisch verließ. Eine andere Strategie sah so aus, dass man ihn überredete, auch "eine Freundin" auf ein Gläschen einzuladen. Die Mädchen trugen Pumps - niemals offene Sandalen -, weil ein anderer Trick darin bestand, ihn den Champagner aus dem Schuh schlürfen zu lassen. Man glaubt ja gar nicht, wie viel Champagner in einen Louboutin in Größe 39 passt. Und wenn alles nichts half, kippten wir das Zeug auch einfach mal auf den Boden.

Zu Anfang wollte es mir wie ein Wunder scheinen, dass das Lokal sich überhaupt halten konnte. Es hatte schon etwas extrem Edwardianisches, dieses ganze unbeholfene Flirten und der völlig überzogene Preis allein für unsere Gesellschaft. Warum sollte sich irgendein Mann so etwas antun, wenn er sich doch alles, was er wollte, mit der entsprechenden App bestellen konnte? Es war so unfassbar altmodisch. Aber im Laufe der Zeit wurde mir kla

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