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Maigret und die junge Tote von Simenon, Georges (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.10.2018
  • Verlag: Kampa Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Maigret und die junge Tote

Sie trägt ein verschlissenes Abendkleid, sie ist jung, hübsch - und tot. Auf einem Platz in Montmarte wird die Leiche einer Frau gefunden. Niemand scheint sie zu kennen oder zu vermissen. Der immerzu schlecht gelaunte Inspektor Lognon geht von einem klassischen Prostituiertenmord aus, während Maigret spürt, dass die Dinge ganz anders liegen. Voller Mitgefühl für ihr Schicksal, will er mehr über die Vergangenheit der jungen Frau erfahren, die in Paris ein neues Leben beginnen wollte. Maigret ist überzeugt, dass er so den Mörder finden wird. Maigrets 45. Fall spielt im Pariser Vergnügungsviertel Montmarte. GEORGES SIMENON, geboren am 13. Februar 1903 im belgischen Liège, ist der 'meistgelesene, meistübersetzte, meistverfilmte, mit einem Wort: der erfolgreichste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts' (Die Zeit). Seine erstaunliche literarische Produktivität (75 Maigret-Romane, 117 weitere Romane und über 150 Erzählungen), seine Rastlosigkeit und seine Umtriebigkeit bestimmten sein Leben: Um einen Roman zu schreiben, brauchte er selten länger als zehn Tage, er bereiste die halbe Welt, war zweimal verheiratet und unterhielt Verhältnisse mit unzähligen Frauen. 1929 schuf er seine bekannteste Figur, die ihn reich und weltberühmt machte: Kommissar Maigret. Aber Simenon war nicht zufrieden, er sehnte sich nach dem 'großen' Roman ohne jedes Verbrechen, der die Leser nur durch psychologische Spannung in seinen Bann ziehen sollte. Seine Romane ohne Maigret erschienen ab 1931. Sie waren zwar weniger erfolgreich als die Krimis mit dem Pfeife rauchenden Kommissar, vergrößerten aber sein literarisches Ansehen. Simenon wurde von Kritikern und Schriftstellerkollegen bewundert und war immer wieder für den Literaturnobelpreis im Gespräch. 1972 brach er bei seinem 193. Roman die Arbeit ab und ließ die Berufsbezeichnung 'Schriftsteller' aus seinem Pass streichen. Von Simenons Romanen wurden über 500 Millionen Exemplare verkauft, und sie werden bis heute weltweit gelesen. In seinem Leben wie in seinen Büchern war Simenon immer auf der Suche nach dem, 'was bei allen Menschen gleich ist', was sie in ihrem Innersten ausmacht, und was sich nie ändert. Das macht seine Bücher bis heute so zeitlos.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 210
    Erscheinungsdatum: 04.10.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783311700135
    Verlag: Kampa Verlag
    Originaltitel: Maigret et la jeune morte
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Maigret und die junge Tote

2 Wo Griesgram eine alte Bekannte wiedertrifft
und Lapointe einen merkwürdigen Auftrag erhält

I nspektor Lognon wartete am Straßenrand, Rue de La Rochefoucauld, und schon von weitem wirkte er so, als krümmten sich seine Schultern unter der Last des Schicksals. Stets trug er mausgraue Anzüge, die noch nie gebügelt worden waren, und sein Mantel war ebenso grau, sein Hut von einem hässlichen Braun. Dass er an diesem Morgen eine gallig grüne Gesichtsfarbe hatte, lag weder daran, dass er kein Auge zugemacht hatte, noch an seinem Schnupfen. So sah er jeden Tag aus, und selbst wenn er geschlafen hatte, bot er den gleichen elenden Anblick.

Maigret hatte ihm am Telefon gesagt, dass er ihn abholen würde, aber nicht, dass er draußen warten sollte. Lognon tat so, als stünde er schon seit Stunden so da. Nicht nur, dass man ihm seinen Fall wegschnappte, nein, man stahl ihm seine Zeit und ließ ihn nach einer schlaflosen Nacht auf der Straße versauern.

Maigret öffnete Lognon die Wagentür und warf einen Blick auf die Fassade des Kommissariats, dessen verblichene Fahne müde herunterhing. In diesem Gebäude hatte er seinerzeit angefangen, nicht als Inspektor, sondern als Sekretär des Kommissars.

Lognon nahm wortlos Platz, verkniff es sich, danach zu fragen, wohin es ging. Der Fahrer, der seine Anweisungen hatte, bog nach links ab und steuerte auf die Rue de Douai zu.

Mit Lognon zu reden war immer heikel, weil er, ganz gleich, was man sagte, in allem eine Demütigung sah.

"Haben Sie die Zeitung gelesen?"

"Ich hatte keine Zeit dazu."

Maigret hatte gerade eine gekauft und zog sie aus der Tasche. Das Foto der Unbekannten prangte auf der ersten Seite, aber man sah nur den Kopf mit dem geschwollenen Auge und den geschwollenen Lippen. Sie musste trotzdem gut zu erkennen sein.

"Ich hoffe, dass am Quai jetzt die ersten Anrufe eingehen", fuhr der Kommissar fort.

Und Lognon dachte:

Anders gesagt: Ich habe also die Nacht für nichts und wieder nichts damit zugebracht, von einer Bar zur nächsten, von einem Taxifahrer zum anderen zu gehen. Dabei genügt es, das Foto in der Zeitung zu veröffentlichen und auf Anrufe zu warten.

Er lachte nicht höhnisch auf. Was schwer zu erklären war. Sein Gesicht nahm einen düsteren, resignierten Ausdruck an, als hätte er sich entschlossen, ein lebender Vorwurf an die grausame und schlecht organisierte Menschheit zu sein.

Er stellte keine Fragen. Er war nur ein einfaches Rädchen im Polizeiapparat, und einem Rädchen gibt man keine Erklärungen.

Die Rue de Douai war menschenleer. Nur eine Concierge stand auf ihrer Türschwelle. Das Auto hielt vor einem malvenfarbenen Geschäft mit einem Namenszug in Schreibschrift: Mademoiselle Irène. Darunter in kleineren Buchstaben: Haute Couture .

Im staubigen Schaufenster hingen nur zwei Kleider, ein weißes mit Pailletten und ein Straßenkleid aus schwarzer Seide. Maigret stieg aus, gab Griesgram ein Zeichen, ihm zu folgen, bat den Fahrer zu warten und griff nach dem in Packpapier eingeschlagenen Paket, das ihm die Gerichtsmedizin geschickt hatte.

Als er die Tür öffnen wollte, stellte er fest, dass sie verschlossen war und der Griff fehlte. Es war kurz nach halb zehn. Der Kommissar drückte sein Gesicht gegen die Scheibe, sah Licht in einem Zimmer hinter dem Laden und klopfte.

Mehrere Minuten vergingen, als ob niemand da wäre, der sein Lärmen hörte, und neben ihm stand Lognon, reglos, ohne die Zähne auseinanderzubringen. Er rauchte nicht, seit Jahren rauchte er nicht mehr, seitdem seine Frau krank geworden war und behauptete, der Rauch würde ihr die Luft zum Atmen nehmen.

Endlich tauchte hinten ein Schatten auf. Eine junge Frau in einem Morgenmantel, den sie über der Brust zusammenhielt, blickte die beiden an. Sie verschwand, wohl um jemandem Bescheid zu geben, kehrte zurück, durchquerte den mit Kleidern

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