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Maria und der Patriot Polit-Thriller von Honert, Hans-Werner (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2017
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Maria und der Patriot

Maria war noch keine drei Jahre alt, als ihre Mutter 1990 Ostdeutschland verließ und in die USA ging. Fünfundzwanzig Jahre später bekommt sie ihren ersten großen Auftrag, den ihr Lebensgefährte Jack an Land zog. Für eine New Yorker Fernsehstation soll sie einen Dokumentarfilm über Detlev Karsten Rohwedder drehen, erster Chef der Treuhand, der 1991 ermordet wurde. Ihr Vater war sein Bodyguard. Als Jack bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ist Maria mit ihrem Auftrag allein. Sie will das Vermächtnis ihres Freundes erfüllen, ihre Trauer besiegen und bricht in die Vergangenheit auf. Sie muss begreifen, dass sie von Leuten benutzt wird, die großen Einfluss haben. Es beginnt ein Kampf auf Leben und Tod. Hans-Werner Honert, geboren 1950 in Leipzig, ist Filmregisseur und Produzent. Nach einem Studium am Institut für Kinematographie in Moskau war er bis 1990 Regisseur beim Deutschen Fernsehfunk, betätigte sich aber auch als Drehbuch-Autor. Von 1995 bis 2012 war er Geschäftsführer der Saxonia Media und im Rahmen dessen an der Produktion zahlreicher 'Tatort'-Filme beteiligt. Nebenher war er Gastdozent an der Universität Leipzig und Mentor an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg. Inzwischen lebt er als freier Autor, Regisseur und Produzent in Berlin und Leipzig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 23.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360501424
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 6125 kBytes
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Maria und der Patriot

GEFRORENE AUGENBLICKE

Man will es nicht glauben, aber auch in der Weltmetropole New York gibt es ganz gewöhnliche, langweilige Tage. Dieser Junitag des Jahres 2014 scheint so einer zu sein. Ein unfreundlicher Nieselregen hat die Stadt überzogen. Niemand verspürt Lust, bei diesem grau-kalten Wetter spazieren zu gehen. Deshalb bemerkt auch keiner Maria, eine Frau Mitte zwanzig, die im Central Park auf einer Bank sitzt und hinüber zu einem Teich starrt, der laut Touristenführer "Turtle Points" heißt. Der feine Regen ist überall, dringt durch die Strähnen ihres schulterlangen Haares und fällt in schweren Tropfen auf ihre hellblaue Jeans, die bereits völlig durchnässt ist. Die Frau nimmt es nicht wahr, starrt wie gebannt auf einen kleinen Jungen, der an dem Teich steht und mit einem langen Stock auf einen weißen Ball einschlägt. Der Ball ist widerspenstig. Der Junge versucht verzweifelt, ihn ans Ufer zu bugsieren, treibt ihn jedoch immer weiter auf den Teich hinaus. Hilfesuchend dreht sich der Junge um. Sein Blick trifft auf die Frau auf der Bank.

Maria sieht dem Jungen schon eine Weile zu. Sie hat beobachtet, wie der Ball ins Wasser rollte und der Junge um ihn kämpfte. Jetzt schauen sie einander an. Aber es ist, als stände zwischen ihr und dem Jungen eine unsichtbare und undurchdringliche Wand.

Das erdrückende Gefühl von Einsamkeit war vor kaum einer Stunde über sie gekommen. Maria hatte die Teller und Tassen von ihrem ersten gemeinsamen Frühstück in der neuen Wohnung in den Geschirrspüler geräumt und auf "power" gedrückt, aber es tat sich nichts. Jack hatte ihr am Abend zuvor versprochen, den Spüler anzuschließen. Nichts wollte Maria gerade weniger, als abwaschen. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass Jack es ja dann am Abend erledigen würde. Es befanden sich gerade mal zwei Tassen, drei Teller und zwei Messer in den Schüben. Es war Platz genug für das, was sich über den Tag hinweg noch so ansammeln würde.

Sie schaltete die Stereoanlage ein. Die hatte Jack natürlich als Erstes in Betrieb genommen. Sie summte "Candle in the Wind" von Elton mit. Entschlossen wandte sie sich den Umzugskisten zu, die darauf warteten, endlich geöffnet und ausgeräumt zu werden. Plötzlich klingelte das Telefon. Die Stimme der Frau am anderen Ende der Leitung klang kalt.

"Spreche ich mit Maria Schwimmer?"

"Ja, ich bin Maria Schwimmer."

Die Frau hüstelte und schwieg. Maria wartete einen Augenblick, fragte dann: "Hallo! Sind Sie noch da?"

Die Frau hüstelte wieder, es klang gekünstelt.

"Ich bin die Frau von Jack Brown!"

Maria war überrascht. Sie wusste, dass Jack verheiratet war, aber auch, dass er bereits seit Längerem von seiner Frau getrennt lebte. Nur ein Foto kannte sie von ihr. Auf dem Bild machte sie einen strengen Eindruck. Jack hatte behauptet, die Hochzeit habe einen geschäftlichen Hintergrund gehabt. Die Stimme am Telefon schien Jacks Aussage zu bestätigen, sie passte zum Gesicht auf dem Foto. Maria wollte die Situation möglichst souverän bewältigen.

"Ja, wie kann ich Ihnen helfen?"

"Uns kann keiner helfen."

Einige Augenblicke herrschte Stille. Dann hörte Maria wieder das Hüsteln, bevor die Frau weitersprach: "Jack ist tot! Ein Truck hat ihn erwischt und plattgemacht. Wahrscheinlich hat er es verdient."

Die Mitleidlosigkeit, auch wenn sie offensichtlich nur gespielt war, erschreckte Maria.

"Wo?"

"In der Sechsunddreißigsten."

Jacks Frau legte auf. Maria fühlte sich wie gelähmt, eine Weile noch presste sie den Hörer an ihr Ohr, aus dem ein monotones, gleichgültiges Tuten drang. Als sie sich wieder gefasst hatte, rief sie in Jacks Büro an. Dort erfuhr sie, dass Jack ins Presbyterian University Hospital eingeliefert worden war. Sie lief auf die Straße, sprang in ein Taxi, das sie ins Hospital brachte, stürzte dort zur Rezeption und fragte nach Jack Brown. Die Krankenschwester an der Rezeption sagte ihr, Jack Brown s

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