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Mauerriss Kriminalroman von Bührig, Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2014
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Mauerriss

1989: Die DDR hat abgewirtschaftet. Korrupte Funktionäre bereichern sich durch staatlichen Kunstraub und Enteignung privater Antiquitäten. Wahlfälschungen bringen das Fass zum Überlaufen. Wie soll es weitergehen? Das Regime will den realen Sozialismus reformieren, die Gegner fordern die Wiedervereinigung unter kapitalistischen Vorzeichen. Doch der junge Schriftsteller Christian träumt von einem dritten Weg, vom demokratischen Sozialismus. Und auch privat muss er eine Entscheidung treffen ... sich zwischen Beata und Dorisa entscheiden. Wem wird er folgen?

Abitur in Hannover. Studium an der TU Berlin/Elektrotechnik und an der Hochschule für Musik Berlin/Diplom-Tonmeister. Mehrere Jahre als Tonmeister in Musikstudios und als Musikproduzent tätig. Dann Aufbaustudium an der Musikhochschule Lübeck/Musik für das Lehramt an Gymnasien. Unterricht in Musik und Physik. Als Leiter der Schulchöre verantwortlich für eine überregional beachtete Chorarbeit. Zeitweise bildete er als Studienleiter Musikreferendare aus. In Büchern und Fachzeitschriften Publikationen zur Musikpädagogik sowie Chorarrangements. Promotion an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Seit 2010 Autor von Kriminal- und anderen Romanen. Mitglied im Verband Schriftsteller in SH, im Lübecker Autorenkreis und im Syndikat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 273
    Erscheinungsdatum: 02.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839245286
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 8102 kBytes
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Mauerriss

Vorspiel

(In der Nacht zum 14. Dezember 1979, Westflügel des Gothaer Museums Schloss Friedenstein, DDR)

"In Deckung!", rief der längste von den Dreien und nahm Reißaus. Den anderen beiden war dieser Befehl so vertraut, dass sie, ohne eine Sekunde zu zögern, zur Seite sprangen. Krachend fiel der Wurfanker auf den Rasen und hinterließ eine hässliche Narbe. Die Zinke hatte keinen Halt finden können und war an der regennassen Dachrinne abgeglitten.

"Idiot!", schnauzte der Lange den Kleinen an. "So wird das nie was mit dir."

Und der Dicke konnte es sich nicht verkneifen, hinzuzufügen: "Damit kannst du im Staatszirkus keine Karriere machen."

"Schnauze!", kommandierte der Lange. "Jetzt keine politischen Anspielungen!" Er buddelte den Wurfanker wieder frei, rollte das Kletterseil sorgfältig in großen Schleifen auf, sodass es sich nicht verheddern konnte, und trat ein paar Schritte zurück. "Ich werd' das mal machen. Passt auf und haltet die Steigeisen bereit!" Er musterte den Dachvorsprung. "Da oben links, wo der Blitzableiter sich abzweigt, da wird es gehen. Außerdem sind wir da ganz dicht am Oberlicht dran."

Wie ein geübter Diskuswerfer schwang er Anker samt Seilschlingen ein paar Mal hin und her, bis er das Bündel mit einem entschiedenen Ruck nach oben warf. Der Wurfanker verfing sich sofort an der Schelle des Blitzableiters.

"Na also, geht doch!", prahlte der Lange. "Hat die Pionierausbildung mal zu was Gutem genutzt." Dann prüfte er mit einem kurzen Ruck, ob das Kletterseil die Belastung aushielt.

"Alles OK!" Dem Dicken befahl er, das Sicherungsseil zu nehmen. Die beiden anderen schnallten sich Steigeisen unter die Stiefel. Der Kleine musste als Erster rauf, weil er angeblich das geringere Gewicht hatte. In Wahrheit wollte der Lange die eigene Haut retten und schickte den Kameraden vor, um zu sehen, ob das Seil wirklich halten würde. Wenn nicht, hätte der Kampf um das sozialistische Vaterland wieder einmal ein Opfer mehr gekostet. Hauptsache, er war es nicht.

Der Kleine streifte sich seine Arbeitshandschuhe über, klinkte sich den Karabinerhaken des Sicherungsseils an die Gürtelschnalle, befestigte eine zweite Kralle am Hosenbund und kletterte geschickt die Regenrinne hoch. Der Dicke führte es von unten nach. Oben angelangt, klammerte sich der Kleine an der Regenrinne fest und hangelte sich am Blitzableiter hoch, der von dort schräg bis zur Dachspitze führte. Alles hielt. Gute deutsche Wertarbeit, Genosse Dachdecker, ging es dem Kletterkünstler durch den Kopf.

Schnell erreichte er das Oberlicht. Mit einem kräftigen Tritt zerbrach er die Fensterscheibe. Der Klimaschreiber registrierte sofort einen Temperaturabfall. Um zwei Uhr nachts. Die restlichen Splitter entfernte der Mann mit seinen durch die Handschuhe geschützten Fingern. Dann hakte er die Reservekralle in den Fensterrahmen und führte das Sicherungsseil durch eine Öse. Das alles war für ihn Routine, das war Bestandteil der Pionierausbildung, um in ein feindliches Haus einzudringen.

Doch dieses Mal war es kein feindliches Haus, sondern im Gegenteil ein Kulturerbe des Arbeiter- und Bauernstaates. Aber darüber machte sich der Kleine keine Gedanken. Schließlich hatte er seine Befehle. Und die kamen von allerhöchster Stelle. Geheime Kommandosache. Zum Wohle der Werktätigen, wie man ihm mit geheimnisvoll bedeutsamer Miene erklärte.

Ohne Skrupel schwang er sich in den Raum hinein, schraubte seinen Karabinerhaken los und ließ ihn samt Leine nach unten gleiten: "Der Nächste bitte!"

Für den Langen war es nun ein leichtes, seinem Kump

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