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Miniataurus von Bastide, Marie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.03.2015
  • Verlag: KSB Media GmbH
eBook (ePUB)
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Miniataurus

'Warum bin ich kein Trüffelschwein?' Diese Frage raubt dem Spitzenkoch Gereon Abendorf fast den Verstand. Längst gilt seine Leidenschaft nicht mehr seiner Partnerin Ariane, mit der er im bayerischen Fünf-Seen-Land einen Gorumet-Tempel betreibt, sondern den Trüffeln. Um unkontrollierten und vor allem kostenlosen Zugang zum weißen Gold der Toskana zu erlangen, würde Gereon alles tun. Als er die Biologin Sophie, die für einen Pharmakonzern an einem Medikament gegen Anosmie forscht, in seine dunklen Pläne hineinzieht, wird aus der Suche nach den Edelpilzen in den Wäldern von San Minato eine tödliche Jagd.

Ort der Handlung: Toskana, Fünf-Seen-Land

Marie Bastide geb. in Frankfurt, lebt heute mit Familie und Tieren in München. Die gelernte Philologin und Theologin gewann mit 14 ihren ersten Lyrik-Preis. Als freie Journalistin schreibt sie vor allen in den Bereichen Politik und Soziales, Reisen und Design. Neben regelmäßigen Publikationen in Fachmedien, Anthologien und im Internet und ihrer Spezialität 'Bibelkrimis' kommentiert sie in ihrem Blog www.mariebastide.wordpress.com das Leben an sich und mit einer dementen Mutter. Seit 2010 Mitglied der Sisters in Crime, seit 2012 aktives Mitglied der Autorinnenvereinigung. Ihr Motto: Ich schreibe, also bin ich. Erlebtes ist für sie nur als Geschriebenes Teil der Realität.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 12.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945195680
    Verlag: KSB Media GmbH
    Größe: 245kBytes
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Miniataurus

01 "Ich hab doch gesagt, wir müssen reservieren. Schau mal, der ganze Parkplatz ist voll." Nervös zupft die Frau im rosa Kostümchen an einer platinblonden Strähne, die sich trotz Haarspray gelöst hat und nun an langen, tiefschwarzen Wimpern klebt.

Ihr Begleiter gibt ihr einen liebevollen Klaps auf den hauteng mit Seide umspannten Hintern. "Ach was, im 'Wilden Hund' reservieren, so weit kommt es noch." Er hält seiner Partnerin die schwere Eichentür auf.

"Guten Abend und herzlich willkommen. Haben Sie reserviert?"

Der Kontrast zwischen den beiden Frauen könnte nicht größer sein. In flachen Schuhen, dunkler Hose und blauem Pulli, das schmale Gesicht mit dem spitzen Kinn von braunem Haar umflossen, steht Ariane Schubarth am Empfangspult, als sei sie exakt dafür geboren. Mit dem Wilden Hund ist es ihr ergangen wie mit Gereon: Es war Liebe auf den ersten Blick. Seit sie sich gemeinsam auf das Gastronomie-Abenteuer in Widdersberg eingelassen haben, spielt sie die Rolle der Gastgeberin, und das meist souverän. Als Kunstgutachterin ist sie mit allen Facetten der Menschen vertraut, der gemalten wie der echten.

"George Mayer", dröhnt der Mann und zupft sich den sandfarbenen Trachtenjanker zurecht. "Ihr werdet doch ein schönes Plätzchen haben, für die Mausi und mich?"

"Tut mir sehr leid, Herr Mayer", Arianes Lächeln wird nur unmerklich schmallippiger. "Aber Sie sehen ja, wir sind komplett ausgebucht."

Das stimmt. Die niedrige Gaststube summt wie ein Bienenstock. Die alten Holzbänke und Stühle sind bis auf den letzten Platz belegt, auf Damast-Tischdecken überall große Teller mit kunstvoll angerichtetem Essen. Leuchtende Kirschtomaten, goldene Quitten, glänzende Krusten um zartrosa Bratenscheiben. Im Kristall der Gläser spiegeln sich Kerzen und Lüster. Es duftet nach Kräutern, Salbei und Rosmarin, nach gegrilltem Gemüse und jungem Knoblauch. Im 'Wilden Hund' haben die Leute aus dem Fünf-Seen-Land schon immer gerne gegessen. Und das nicht nur im Sommer nach dem Kirchgang, wenn die Familien im Sonntagsstaat aus Seefeld und Herrsching den steilen Berg nach Widdersberg hinauf wanderten, um dort im Gasthaus gleich am Ortseingang einzukehren. Auch unter der Woche versammelten sich die Einheimischen am Stammtisch zum Schafkopfrennen, und im schattigen Garten saß es sich von März bis Oktober immer wunderbar unter mächtigen Kastanien. Die mit sorgfältigen Kreidelettern beschriebene Tafel vorn an der Kurve war, so hieß es, schon mehr als einem langsam vorbeifahrenden Gast zum Verhängnis geworden, der wissen wollte, welche Spezialitäten diese Woche auf dem Speiseplan standen.

Aber dann waren die Wirtsleute alt geworden, die Kinder waren in die Stadt gezogen, nach München. Der Sohn hat jetzt ein Zelt auf dem Oktoberfest, und die Tochter ist eine Studierte. Lange stand der 'Wilde Hund' leer. Dunkelheit starrte aus blinden Fenstern auf die Neugierigen oder die Fremden, die sich auf das verlassene Anwesen verirrten. Im Spätsommer häuften sich die Blätter auf dem Kies im Hof, Unkraut und Moos verdrängten das Gras aus dem Garten. Wahrscheinlich hätten die alten Mauern keinem weiteren Winter standgehalten, und statt des Gasthauses hätte dort bald erst die Abrissbirne und dann eine Seniorenresidenz gestanden. Stattdessen hatte der Investor ein Grundstück weiter unten gekauft. Und der 'Wilde Hund' war von einem Paar mittleren Alters gepachtet worden, Gereon Abendorf und Ariane Schubarth. Keiner wusste, woher sie kamen. Jedenfalls nicht aus der Gegend, weder aus Starnberg noch überhaupt aus dem Fünf-Seen-Land. Und auch, ob die beiden wirklich Münchner waren, konnten die Widdersberger nicht mit Gewissheit sagen.

Aber nach kurzer Zeit war ihnen das egal. Denn eines musste man den beiden lassen - sie hatten sich in den 'Wilden Hund' verliebt. In kürzester Zeit ließen sie das Haus renovieren, und dabei zeigten sie auch noch Gefühl für die kleinen Details wie di

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