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Morden im hohen Norden Krimis

  • Erscheinungsdatum: 24.04.2008
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Morden im hohen Norden

Deutschlands Norden leuchtet blutrot Die besten Geschichten von den 25 besten deutschsprachigen Krimiautoren. Maeve Carels - Thea Dorn - Virginia Doyle - Horst Eckert - Jürgen Ehlers - Kai Engelke - Anke Gebert - Nina George - Doris Gercke - Peter Gerdes - Gunter Gerlach - Frank Göhre - Bernhard Jaumann - H.P. Karr - Jürgen Kehrer - Michael Koglin - Carmen Korn - Ralf Kramp - Sandra Lüpkes - Michael Molsner - Ingrid Noll - Petra Oelker - Maj Sjöwall/Jürgen Alberts - Regula Venske - Gabriele Wolff Die Autoren haben ihre Lieblingsgeschichte aus ihrem Fundus selbst ausgewählt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 303
    Erscheinungsdatum: 24.04.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783894804084
    Verlag: Heyne
    Größe: 462 kBytes
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Morden im hohen Norden

Gabriel saß an seinem Mahagonischreibtisch. Seine Mutter hasste den Gedanken, dass das Holz einen Kratzer bekommen könnte. Gabriel war eher besorgt um das Mikroskop und den Computer. Außer ihm selbst hatte seit Jahren kein Junge dieses Zimmer betreten - nicht, seit sie begriffen hatten, dass er auf seinem Rechner weder Moorhühner schoss noch mit Lara Croft spielte.
Aus dem Wohnzimmer hörte er die Stimmen seines Vaters und des amerikanischen Geschäftspartners. Vor einer Stunde war Gabriel in Anzug und Krawatte zum Begrüßungskomitee gestoßen, um sein: 'Nice to meet you, Sir' aufzusagen. Und dann war es passiert, das Magische. Ganz beiläufig hatte der Businessman mit der Aura eines leutseligen Mr. President den Football hinter seinem Rücken hervorgeholt. Gabriels Mutter hatte mit gequälter Stimme 'oh' gesagt und hastig angefügt, das sei aber 'very friendly'.
Gabriel hatte nie zuvor einen Football in der Hand gehabt. Aber da er eine Schwäche für amerikanische Filme hatte, wusste er, worum es ging. Er liebte den Moment, wenn sich aus dem Knäuel kämpfender Spieler einer hochrappelte, sich freilief und mit dem Lederei im Arm dem Heldenruhm entgegensprintete.
Er drehte und wendete den Ball in den Händen. Dann legte er ihn so vorsichtig ins Regal, als wäre es eine Bombe.
Gabriel gewöhnte sich an, mit dem Ball unter dem Arm hinauszugehen - nicht vorn, sondern durch den Garten in den Wald.
Normalerweise ging Gabriel langsam, die Augen auf den Boden und die Gedanken auf ein Problem gerichtet. Jetzt lernte er, mit einem Arm etwas festzuklammern, mit dem anderen das Gleichgewicht zu halten und dabei Geschwindigkeit zu entwickeln, während er nicht den Boden, sondern imaginäre Gegner im Auge behielt. Seine schlimmsten Widersacher waren Baumwurzeln und Kaninchenlöcher. Er musste eine Art Radar in den Sohlen entwickeln.
Darüber hinaus unterschieden sich die folgenden Schultage nicht von früheren. Er wurde jeden Morgen in den Rücken gestoßen, stolperte in die Klasse und wich Volker aus, der ihm ein Bein stellte. Wenn Gabriel seinen Tisch vor dem Lehrerpult erreicht hatte, stapelte er seine Hausaufgabenhefte am Rand, damit jeder sich zum Abschreiben daran bedienen konnte. Das Arrangement hatte den Nachteil, dass seine Hefte zerfleddert aussahen. Der Vorteil lag darin, mittags nicht mit blutender Nase nach Hause zu kommen.
Erst zwei Wochen später geschah etwas Ungewöhnliches: Volker wollte sich Gabriel aus Rache für eine spöttische Bemerkung auf dem Weg zum Bus packen - und griff daneben. Normalerweise pflegte Gabriel sich zitternd an die nächste Wand zu drücken. Diesmal rannte er dem besten Sportler der Schule mit der Tasche im Arm davon.
Das Problem war somit auf den nächsten Morgen verschoben und Zuspätkommen die einzige Möglichkeit, Volker auszuweichen. Gabriel schaffte es, den Bus zu verpassen, genoss einen friedlichen Spaziergang und erreichte die Schule eine halbe Stunde nach Beginn des Deutschunterrichts. Er klopfte kurz an und trat ein. 'Entschuldigen Sie bitte, Herr
Herschenbroich', murmelte er, als er sich hastig auf seinen Platz setzte. 'Mir war heute Morgen nicht gut.'

Der Lehrer war nach dem Pausengong knapp zur Tür hinaus, als Volker zum Angriff überging. Gabriel hatte gerade das Lehrbuch einpacken wollen. Aus einem Reflex heraus schleuderte er es Volker mit Wucht entgegen.
Es entwickelte eine andere Flugbahn als der Football, aber Volker blieb stehen, als wäre er gegen eine Wand gelaufen. Er presste die Hände an die Brust und schnappte mit schmerzverzerrtem Gesicht nach Luft.
Gabriel hob das Buch auf, packte es in seine Tasche, holte seine Pausenlektüre heraus und ging nach draußen. Aber er konnte sich nicht aufs Lesen konzentrieren.
Er hatte genug amerikanische Filme gesehen, um die festgeschriebenen Rollen zu kennen: die Sportskanone und der mit der Brille. Entweder waren sie beide gute Kerle, dann wurden sie Freunde. Oder der Sportler war ein böser Kerl, dan

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