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Mordgarten Ein Genossenschaftskrimi von Pörtner, Stephan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2015
  • Verlag: Edition Aisatore
eBook (ePUB)
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Mordgarten

Edgar Zingg ist eigentlich Hauswart. Unkonventionell und mit Leidenschaft geht er seiner Berufung nach und schaut in der Genossenschaftssiedlung Moorgarten nach dem Rechten. Doch eines Morgens ist die Idylle bedroht. Ein Toter liegt im Hof, und fortan hat Edi alle Hände voll zu tun, den Ruf der Siedlung und der Agglomerationsgemeinde zu retten und herauszufinden, wer den Mann erschlagen hat. Stephan Pörtner ist einer der beliebtesten Krimiautoren der Schweiz und bekannt dafür, dass er seine Ermittler in ungemein spannende Mordfälle verwickelt und dabei mit lakonisch präziser Gesellschaftskritik den Zuständen in der Schweiz nachspürt. in MORDGARTEN stellt er die Bewohner einer typischen Genossenschaftsseidlung vor und beschreibt die Veränderungen, die dort durch die Wohnungsnot in der nahegelegenen Grossstadt vonstatten gehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 16.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783906247038
    Verlag: Edition Aisatore
    Größe: 385 kBytes
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Mordgarten

Prolog Auf so etwas ist ja niemand vorbereitet. Wer hält es schon für möglich, irgendwann in einen Mordfall verwickelt zu werden? Ich sicher nicht. Trotzdem ist mir genau das passiert. Mein Name ist Edgar Zingg. Ich bin der Abwart der Genossenschaftssiedlung "Im Moorgarten". Wenn ich Abwart sage, dann stellen Sie sich wahrscheinlich einen Typen im blauen Übergwändli vor, der eine braune Manchesterdächlikappe oder einen schwarzen Lederhut trägt, Stumpen raucht und den ganzen Tag hässig ist. Habe ich recht? Denn so stellen sich doch die Leute in der Schweiz einen Abwart vor. Und so stellen die Kabarettisten in der Schweiz den Abwart auch dar. Seit Jahrzehnten. Ganz so, als sei die Zeit in den 1970er Jahren stehen geblieben. Wenn einer als Abwart verkleidet auf die Bühne kommt, dann weiß das Publikum gleich: Jetzt wird es lustig, jetzt kommt ein leicht beschränkter Oberspießer, über den man lachen kann. Denn dieser Typ sieht nicht nur bireweich aus, er ist natürlich total kleinlich, engstirnig und regt sich über alles auf. Da lacht das Publikum, und jeder freut sich, weil man sich einbildet, selbst nicht so spießig zu sein. In Wirklichkeit ist dieses Klischee das Einzige, worüber ich mich als Abwart aufrege. Ich entspreche ihm nämlich überhaupt nicht. Tut mir leid. Nur das mit der Dächlikappe stimmt. So eine trage ich ständig, wenn auch selten eine aus Manchesterstoff. Ich habe etwa fünfundzwanzig verschiedene Modelle im Schrank. Solche Mützen haben einfach Stil. Die trug ich schon, bevor ich Abwart wurde, und das ist mehr als dreiundzwanzig Jahre her. Davor habe ich studiert. Ich habe sogar einen Abschluss. Ich bin Historiker, lic. phil I. Abwart bin ich aus purem Zufall geworden, und hässig bin ich ganz selten, aber an jenem kühlen Morgen im Frühsommer, an dem diese schlimme Geschichte ihren Anfang nahm, war ich nah dran, es zu werden. Denn als ich von meiner Wohnung in der Nummer 20 über den Hof ging, um in mein Magazin zu gehen, das sich an der Stirnseite des Hofs befindet, sah ich, dass bei dem Festtisch vor der Nummer 28 eine zerbrochene Flasche lag. Da hört bei mir der Spaß auf. Scherben im Hof, vor allem am Morgen, wenn die Kinder in die Schule und in den Chindsgi aufbrechen, das geht gar nicht. Deshalb machte ich von der zerbrochenen Weinflasche mit meinem Handy ein Foto. Damit ich einen Beweis hatte, um dem Schuldigen später ins Gewissen reden zu können. Es gibt klare Grenzen. Wir in unserer Siedlung sind tolerant. Es wohnen die verschiedensten Leute zusammen, da kommt man nicht weit, wenn man allen alles verbieten will. Aber es gibt immer wieder Leute, die meinen, wo nicht alles verboten ist, da sei alles erlaubt. Und in der letzten Zeit hatte es hin und wieder mal Vorfälle gegeben. Und so hatte ich mir vorgenommen, mit ein paar Leuten wieder einmal ein ernstes Wort zu reden. Ich machte also das Foto und wollte ins Magazin hinübergehen, um Handschuhe, Kübel und Besen zu holen, als ich sah, dass da einer neben dem Tisch auf dem Bauch lag. Ich hatte ihn vorher nicht bemerkt, weil er zwischen Hauswand und der Festbank lag, und nun freute ich mich, den Schuldigen gefunden zu haben. "Heda, aufstehen, Gopfertami", rief ich und trat zu ihm. Er machte keinen Wank. Ich stieß ihn mit dem Fuß an. "Hallo, aufstehen, das ist hier kein Campingplatz und keine Notschlafstelle." Keine Reaktion. Ich beugte mich zu ihm hinunter. Am Hinterkopf war das schüttere graue Haar braun verklebt. Blut wahrscheinlich, dachte ich und berührte vorsichtig seinen Arm. Der Körper fühlte sich steif und kalt an. Kein Wunder. Der Mann war tot.

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