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Nach mir die Nacht Kriminalroman von Whitmer, Benjamin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.08.2016
  • Verlag: Polar Verlag
eBook (ePUB)
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Nach mir die Nacht

'Wenn's einen anderen Weg für mich gegeben hätte, wäre ich ihn gegangen', gesteht Junior in 'Nach mir die Nacht' Patterson Wells. 'Wenn es doch nur einen einzigen anderen Weg gegeben hätte.' Zwei Sätze für ein ganzes Leben. Zwei Sätze, die fast alle Menschen im San-Luis- Valley nahe Denver hätten sagen können. Patterson Wells kommt nicht über den tragischen Verlust seines Sohns hinweg, dessen Tod ein Arzt verschuldet hat und dem er Briefe schreibt, um ihn zu vergessen. Er teilt die Einsamkeit zwischen Bars, Schlägereien und ein paar Stunden Schlaf mit Junior, der von den Erinnerungen an seine Mutter verfolgt wird, die von seinem Vater durch Schläge in den Tod getrieben wurde. So scheinen Gewalt und Drogen die einzige Zuflucht zu sein, ein Leben zu führen, das keine Antworten kennt, nur leere Wahrheiten und Fragen. Benjamin Whitmer ist der Autor von 'Cry Father' und 'Pike', der für das Jahr 2013 Grand Prix de Littérature Policière und das New York Times Critics' Choice Buch vorgeschlagen wurde. Er ist in Upstate New York geboren und im Gebiet von Southern Ohio in einer 'Zürück aufs Land Kommune' aufgewachsen. Seitdem hat er sich in einer Fabrik als Vakuum-Verkäufer, als Büchsenmacher, Hausbesetzer, College-Professor, Tellerwäscher und technischer Redakteur durchs Leben geschlagen. Er lebt mit seinen Kindern in Colorado.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 23.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783945133385
    Verlag: Polar Verlag
    Originaltitel: Cry Father
    Größe: 500 kBytes
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Nach mir die Nacht

1. Flaschen

Als Patterson Wells durch die Haustür tritt, ist Chase gerade mit einem Haufen Crystal Meth beschäftigt, einem Haufen so groß wie sein eingefallener Schädel.

"Setz dich, Arschloch", sagt Chase. Er selbst hockt wie ein Vogel auf der Couch, die Augen so glasig, als hätte er sich die Scheiße direkt in die Tränenkanäle geschossen. Vorsichtig lässt Patterson sich auf dem einzigen anderen Sitzplatz im Raum nieder, einem weißen Ledersessel, der zur Seite sackt wie ein Haufen Schmutzwäsche. Chase zieht eine Line und lädt Patterson mit einem Wink ein, sich zu bedienen.

Es ist zwar erst zwei Wochen her, dass Patterson ihn zuletzt sah, doch Chase hat gute zehn Kilo abgenommen, und Patterson ist sich ziemlich sicher, dass er noch immer dasselbe versiffte Unterhemd anhat, in dem er von der Baustelle gerollt ist.

"Hast du auch irgendwas anderes?", fragt er.

"Was denn?", erwidert Chase.

Patterson reibt sich die Augen. Er hat eine lange Fahrt hinter sich. "'n Bier wär nicht schlecht."

"Ich hab Limo, wenn du willst." Auf dem Couchtisch stehen zig Plastikflaschen. Mindestens eine ist dick aufgebläht, und unter dem Deckel sickert eine Flüssigkeit hervor, die so gar nicht nach Limo aussieht. "Aber lass mich erst nachsehn", sagt er. "In manche hab ich reingepisst."

"Geht auch ohne", meint Patterson.

"Ich wette, hier drin stinkt's auch schon nach Pisse." Chase schnuppert. "Sag schon, stinkt's?"

Patterson betrachtet die Flaschen und nickt. Seine Augen tränen von dem Gestank. Schließlich schüttelt er den Kopf. "Gehn wir noch angeln?", fragt er.

Chase zündet sich eine Zigarette an und schmeißt das Streichholz in Richtung Couchtisch, wo ein schwerer Glasaschenbecher bereits vor Kippenstummeln überquillt. Nach dem ersten Zug klappt er hustend und kichernd zusammen. Rauch strömt ihm aus Mund und Nase. "Meine Scheißhaut juckt", sprudelt es aus ihm hervor, während er die roten Striemen an seinen Armen kratzt.

"Na dann." Patterson klopft sich auf die Knie und steht auf.

"Warte." Chase hört schlagartig auf zu lachen. "Geh noch nicht. Ich hab noch was anderes." Er zieht eine Flasche Evan Williams hinter einem Couchkissen hervor und wirft sie Patterson zu. "Die hab ich immer in petto, falls ich zu hart runterkomm." Erneut rasselt ein Lachen in seinen Lungen. "Meistens hab ich aber mehr Bock, wieder high zu werden."

Patterson nimmt einen Schluck von dem Bourbon und setzt sich wieder. "Seit wann dealst du Meth?"

Chases Augen treten hervor, das linke weiter als das rechte. "Bist du etwa 'n Bullenschwein?"

"Nein, ich bin kein Bullenschwein", sagt Patterson. "Aber als ich dich vor zwei Wochen gesehn hab, warst du noch kein Meth-König."

"Meine Alte hat das organisiert", sagt Chase. "Verdammt, mich juckt's vielleicht! Ich komm heim, find ein Meth-Labor in meiner Küche, und sie fickt aufm Fußboden so 'n dreckigen Rocker. Der liegt jetzt übrigens hinterm Haus."

Patterson schraubt den Deckel fest auf die Bourbonflasche.

"Leck mich am Arsch." Chases Lachen platzt aus ihm heraus wie eine Maschinengewehrsalve, seine Wangenknochen bohren sich fast durch die gelbe Haut. "Glaubst du echt, dass ich irgendeinem Wichser die Kehle durchschneide und ihn dann in meinem Hinterhof begrabe? Und dann dir davon erzähle? Leck mich am Arsch."

Patterson steht auf. "Klo?"

Chase nickt in Richtung Küche, wo ein Flur zu sehen ist. "Erste Tür."

- - -

Patterson pisst in die Kloschüssel. Er lehnt an der Wand, sein Blick ist verschwommen. Vor Müdigkeit schmerzt ihm der Nacken und die Knie knicken ein. Nach dem Pissen nimmt er seine abgewetzte Avrilla-Baseballkappe ab und dreht den Wasserhahn auf, um sich das Gesicht zu waschen. Sein Spiegelbild sieht abgezehrt aus, verbraucht, als hätte er sein eigenes Meth-Gelage hinter sich. Und da schießt ihm der Gedanke durch den Kopf, vielleicht ein oder zwei Nasen zu nehmen

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