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Nacht über den Deichen von Nygaard, Hannes (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.03.2017
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Nacht über den Deichen

Entlang der Küste steigt die Zahl der Haus- und Wohnungseinbrüche sprunghaft an. Eine ganze Region fürchtet sich vor der Dunkelheit. Vor allem die wachsende Brutalität der Täter erschüttert die Menschen. Als bei einem Einbruch eines der Opfer vergewaltigt wird, sinnen die aufgebrachten Bürger auf Lynchjustiz. Zeit für Große Jäger, das Heft des Handelns zu übernehmen. Hannes Nygaard ist das Pseudonym von Rainer Dissars-Nygaard. 1949 in Hamburg geboren, hat er sein halbes Leben in Schleswig-Holstein verbracht. Er studierte Betriebswirtschaft und war viele Jahre als Unternehmensberater tätig. Hannes Nygaard lebt auf der Insel Nordstrand.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 23.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960411963
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3048 kBytes
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Nacht über den Deichen

EINS

Die Natur kämpfte mit sich selbst. War es noch Sommer? Oder schon Herbst? Der Hochsommer war vorbei. Morgens war es schon empfindlich frisch, doch tagsüber hatte die Sonne genügend Kraft, um einen Hauch Sommer vorzugaukeln. An geschützten Stellen konnten auch die frühen Abendstunden noch im Freien genutzt werden. Die Pflasterung und die roten Backsteine des Hauses strahlten noch Wärme ab. An manchen Stellen in der Nachbarschaft wurde gegrillt, Menschen saßen auf den Terrassen und genossen die friedliche Stille eines idyllischen Fleckchens Erde.

Schobüll war 2007 nach Husum eingemeindet worden. Rund vier Kilometer über die Nordseestraße trennen den Ort vom Zentrum der Kreisstadt. Hier befindet sich der einzige Abschnitt der schleswig-holsteinischen Westküste, an dem die Geest bis an die Nordsee reicht und der nicht durch einen Deich geschützt werden muss. Der Ortsname geht auf das dänische Skobøl zurück und bedeutet Walddorf. In der waldärmsten Region Deutschlands ist es ein besonderes Privileg, in einem solchen Ort wohnen und leben zu dürfen. Auf großen und zugewachsenen Grundstücken stehen eindrucksvolle Häuser. Hinter vorgehaltener Hand wird Schobüll auch "das Blankenese von Husum" genannt.

Auf einem der Grundstücke stand Hildegard Lüttschwagers Haus, zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von ihrem Großvater erbaut, der mit Überseehandel den Grundstock zu einem kleinen Vermögen gemacht hatte. Ihr Vater hatte das Unternehmen fortgeführt und versucht, es über schlechte Zeiten hinwegzuretten. Ganz war es ihm nicht gelungen. Wenigstens Haus und Grundstück konnten dank ihres Ehemanns erhalten bleiben. Arne Lüttschwager war der Betreiber der alteingesessenen Husumer Marktapotheke, die in einem historischen Gebäude direkt neben der Zeitung seit Generationen die Bevölkerung mit Arzneimitteln versorgte.

Hildegard Lüttschwager seufzte. Leider konnte Arne diesen Abend nicht mit ihr genießen. Die Schmerzen im Rücken waren unerträglich geworden, und ein Bandscheibenvorfall hatte den Aufenthalt in der Neurochirurgie des Husumer Klinikums unumgänglich gemacht. In der vergangenen Woche war er operiert worden. Sie besuchte ihn täglich. Heute hatte Arne sich bei bester Laune gezeigt. Ein Grund für Hildegard Lüttschwager, sich zufrieden auf die Terrasse zu setzen, den Herbstabend zu genießen und kein schlechtes Gewissen zu empfinden, als sie sich das zweite Glas Wein einschenkte. Als die Sonne hinter den hohen Bäumen abtauchte, wurde es schlagartig kühl. Sie kramte ihre Sachen zusammen und trug sie ins geräumige Wohnzimmer, verstaute die Auflagen in der dafür vorgesehenen Box und schloss die Tür.

Sie bereitete sich ein leichtes Abendessen aus einer Scheibe Vollkornbrot mit Quark und einer zweiten Scheibe mit Tomaten und Zwiebeln zu, die in mundgerechte Häppchen geschnitten wurden. Arne mochte es nicht, dass beim Essen ferngesehen wurde. Wenn sie allein war, war es ihr zu langweilig, am Esstisch zu hocken. Sie achtete kaum auf das Programm. Es diente nur der Berieselung. Komisch, dachte sie. Manchmal diskutierten sie darüber, was man gemeinsam ansehen wollte. Wenn Arne nicht anwesend war, vermisste sie ihn und konnte die Freiheit, selbst entscheiden zu können, nur bedingt genießen.

Hildegard Lüttschwager leerte das Glas. Sie kämpfte mit sich, ob sie sich ein drittes Glas Rotwein gönnen sollte. Am nächsten Tag standen keine Termine an. Und ins Krankenhaus würde sie erst am Nachmittag gehen. Mit einem Seufzer auf den Lippen stand sie auf und füllte das Glas noch einmal voll.

Eine angenehme Leichtigkeit breitete sich in ihr aus, als sie auch dieses Glas genossen hatte. Sie spürte die wohltuende Müdigkeit in sich aufkommen, schaltete den Fernseher ab, räumte das Geschirr in die Küche und blieb auf dem Rückweg für einen kurzen Moment in der Diele stehen. Arne fehlte ihr. In wenigen Tagen würde er aus dem Krankenhaus entlassen werden. Es würden hektische Tage für

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