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Nacht ohne Gesicht Roman von Airth, Rennie (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.05.2015
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Nacht ohne Gesicht

England im Sommer 1921: Dunkle Schatten ziehen über einem idyllischen Dorf in Surrey auf, als im Herrenhaus Colonel Fletchers vier Leichen gefunden werden. Die Polizei glaubt zunächst an einen Raubmord, doch Inspektor John Madden von Scotland Yard ist anderer Ansicht. Denn er hat dem Schrecken des Ersten Weltkriegs ins Gesicht gesehen, und diese Tat trägt Züge jenes Wahnsinns, den er aus den Schützengräben kennt. Madden ist überzeugt, dass der Täter erneut zuschlagen wird - und er soll Recht behalten ...

Rennie Airth wurde in Südafrika geboren und arbeitete einige Zeit als Auslandskorrespondent für Reuters. Er hatte in England bereits zwei Romane veröffentlicht, bevor ihm mit "Nacht ohne Gesicht", dem Auftakt der Serie um den Ermittler John Madden, der internationale Durchbruch gelang.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 06.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641152246
    Verlag: Goldmann
    Größe: 2108 kBytes
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Nacht ohne Gesicht

1

Zu Billys Verwunderung war das Dorf völlig ausgestorben. Nicht eine einzige Menschenseele war ihnen vom Bahnhof bis hierher begegnet, und obwohl das schöne Wetter die Leute normalerweise in Scharen vor die Tür lockte, lagen die Gärten verlassen da.

Der schönste Sommer seit dem Krieg!

Wochenlang hatte nun ununterbrochen die Sonne geschienen, aber ein Ende der Hitzewelle war noch immer nicht in Sicht. Also blieb den Zeitungen nichts anderes übrig, als immer wieder diesen Satz zu drucken: Der schönste Sommer seit dem Krieg.

Aber hier in Highfield lag der Sonnenschein wie ein Fluch über den leeren Gärten. Nur die zwischen die moosigen Friedhofsmauern gepferchten Grabsteine legten stummes Zeugnis von der Gegenwart des Menschen ab.

"Sie sind alle beim Haus", sagte Boyce, als wollte er die unheimliche Szenerie erklären. Er war Inspektor bei der Polizei in Surrey, ein dünner, grauhaariger Mann mit ängstlichem Blick. "Es hat sich heute Morgen ziemlich schnell herumgesprochen."

Boyce hatte Inspektor Madden und Billy Styles am Bahnhof abgeholt, und zwar in nichts Geringerem als einem Rolls-Royce mit Chauffeur! Billy hätte gern gewusst, wem der Wagen gehörte, wagte aber nicht zu fragen. Ihm war durchaus bewusst, dass er mit weniger als drei Monaten Erfahrung bei der Kriminalpolizei von Glück reden konnte, überhaupt mit von der Partie zu sein. Nur weil Feiertag war und jetzt im August viele seiner Kollegen ihren Urlaub genommen hatten, war er einem Fall von solcher Brisanz zugeteilt worden. Als an jenem Montagmorgen der Anruf aus Guildford kam, hatten bei Scotland Yard nur sehr wenige Dienst gehabt, und ehe er sich versah, hatte sich Billy auch schon neben Madden in einem Taxi wiedergefunden, auf dem Weg zur Waterloo Station.

Er warf dem Inspektor, der neben ihm saß und aus dem Wagenfenster schaute, einen verstohlenen Blick zu. Unter den niedrigen Dienstgraden bei Scotland Yard galt Madden als komischer Kauz. Dies hier war ihr erster gemeinsamer Fall, aber Billy hatte ihn das eine oder andere Mal auf den Fluren von Scotland Yard gesehen. Ein groß gewachsener, verbissener Mann mit Narben auf der Stirn, der auf Billy eher den Eindruck eines Mönchs als den eines Polizisten machte. Ein erster Eindruck, der sich mit jedem Blick, den ihm der Inspektor zuwarf, zu bestätigen schien. Maddens tief in den Höhlen liegende Augen schienen einen aus einer anderen Welt anzustarren.

Er hatte viel durchgemacht - einer der Sergeants hatte es Billy erzählt. Eigentlich hatte Madden den Dienst vor Jahren quittiert, nachdem seine Frau und seine kleine Tochter an Grippe gestorben waren, beide binnen einer Woche. Als Sohn eines Farmers hatte er ursprünglich vorgehabt, aufs Land zurückzukehren, doch dann kam der Krieg. Nach dem Krieg war er schließlich doch wieder in seinen alten Job bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Von Grund auf verändert, wie man sagte. Zwei Jahre in den Schützengräben hatten aus ihm einen anderen Menschen gemacht.

Schon bald hatten sie die letzten Häuser hinter sich gelassen und fuhren wieder aus dem Dorf hinaus. Nachdem er um die eine Kurve gebogen war, trat der Chauffeur auf die Bremse. Vor ihnen blockierte eine Menschenmenge die schmale Landstraße und gaffte durch ein schmiedeeisernes Tor. Anscheinend hatten sich ganze Familien hier eingefunden, die Männer mit Hosenträgern über kurzärmeligen Hemden, die Frauen in Küchenschürzen, das Haar unter Kopftüchern hochgesteckt. Manche hatten Taschentücher gezückt. Kinder standen Händchen haltend da oder spielten am staubigen Straßenrand. Weiter unten an der Straße ließen zwei Mädchen in farbigen Kitteln einen Reifen laufen.

"Jetzt schauen Sie sich das an", sagte Boyce müde. "Wir haben die Leute gebeten, nicht herzukommen, aber das war wohl zu viel verlangt."

Als der Chauffeur auf die Hupe drückte, teilte sich die Menge und ließ sie durch. Billy konnte s

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