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NACHTWILD Thriller von Phillips, Gin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.03.2018
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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NACHTWILD

Dunkler als die Nacht. Wilder als ein Tier. Näher als du glaubst.

Es ist ein herrlicher Tag und Joan besucht mit ihrem vierjährigen Sohn Lincoln den Zoo - da hört sie plötzlich Schüsse. Am Ausgang sieht sie Tote auf dem Boden liegen. Sie weiß nicht, ob die Polizei unterwegs ist, ob der oder die Täter noch in der Nähe sind. Als weitere Schüsse fallen, flüchtet sie mit Lincoln in ein leer stehendes Gehege. Das Leben ihres Sohnes hängt jetzt allein von ihr ab und davon, ob sie einen Weg finden wird, sie beide zu retten. Jedes Geräusch, jede Bewegung kann tödlich sein. Sie muss Entscheidungen treffen und Dinge tun, die sie nie für möglich gehalten hätte.

Gin Phillips, geboren in Montgomery, Alabama, studierte politischen Journalismus und arbeitete als Freelancer für verschiedene Magazine. Nach Stationen in Irland, Thailand, New York und Washington, D.C., lebt sie heute mit Mann, Kindern und Hund in Birmingham, Alabama.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 29.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423433822
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Originaltitel: Fierce Kingdom
    Größe: 586kBytes
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NACHTWILD

16 . 55 Uhr

Joan hat es lange so ausgehalten, auf den bloßen Fußballen hockend, den Rocksaum auf der Erde. Jetzt lässt die Kraft in ihren Oberschenkeln nach, sie stützt sich mit der Hand ab und lässt sich in den Sand nieder.

Etwas bohrt sich in ihr Bein. Sie greift darunter und zieht einen kleinen Plastikspeer hervor - nicht länger als ein Finger -, was sie nicht überrascht, da sie ständig winzige Waffen an unerwarteten Stellen findet.

"Hast du einen Speer verloren?", fragt sie. "Oder ist das ein Zepter?"

Lincoln antwortet nicht, nimmt aber das Stückchen Plastik aus ihrer offenen Hand. Anscheinend hat er nur darauf gewartet, dass ihr Schoß verfügbar wird - er lässt sich bequem auf ihren Oberschenkeln nieder, an ihm ist kein Körnchen Sand. Er ist sehr reinlich; er hatte auch nie Spaß an Fingerfarben.

"Willst du eine Nase, Mommy?"

"Ich habe eine Nase."

"Willst du noch eine?"

"Wer will das nicht?"

Er streicht sich die dunklen Locken aus der Stirn, sie müssen mal wieder geschnitten werden. Blätter segeln herab. Unter dem Holzdach, das auf runden, unbearbeiteten Balken ruht, ist es kühl, draußen aber tanzen Sonnenlicht und Schatten auf dem grauen Schotter, bewegen sich im Wind, der durch die Bäume fährt.

"Woher bekommst du eigentlich diese Extra-Nasen?", fragt sie.

"Aus dem Nasenladen."

Joan lacht, stützt sich mit den Händen ab, gibt sich dem Gefühl des klebrigen Sandes hin. Sie entfernt ein paar feuchte Sandkörner, die sich unter ihren Fingernägeln festgesetzt haben. Die Dinosaurier-Entdeckungsgrube ist immer feucht und kalt, hierher dringt keine Sonne, aber es ist vielleicht ihr liebster Ort im Zoo - er liegt fernab der breiten Wege, weit hinter Karussell und Streichelscheune und den Volieren, inmitten des mit Unkraut überwucherten Gebietes, das einfach nur als WALDLAND gekennzeichnet ist. Hier gibt es bloß Bäume und Felsen, Schotterwege und ein paar einsame Tiere: einen Geier, in dessen Gehege aus unerfindlichen Gründen ein Pick-up vor sich hin rostet. Eine Eule, die mürrisch auf ein aufgehängtes Kauspielzeug starrt. Wilde Truthähne, die immer nur reglos dasitzen; sie ist sich gar nicht sicher, ob sie überhaupt Beine haben. Joan stellt sich einen grausamen Jägerscherz vor, einen Hals, an dem von einem schweißfleckigen Band Truthahnfüße baumeln.

Ihr gefällt die planlose Fremdheit dieser Wälder, wo ab und zu der halbherzige Versuch gemacht wird, eine Attraktion zu präsentieren. Eine Seilrutsche hängt zwischen den Bäumen, aber sie sieht nie jemanden rutschen. Sie erinnert sich, dass es vor zwei Jahren animierte Dinosaurier und irgendwann auch einen Gruselpfad gab. Sie bemerkt Spuren von Attraktionen aus fernerer Zeit: große Felsblöcke, die echt aussehen, es aber wohl nicht sind, dazu Zäune aus halben Baumstämmen und eine Pionierhütte. Alles ohne erkennbaren Zweck. Leere Betongruben, die vielleicht einmal Wasserstellen für irgendwelche großen Säugetiere gewesen sind. Hier und da der Versuch eines Naturlehrpfads mit willkürlicher Beschilderung, die einen eher verwirrt als leitet - ein Baum trägt die Aufschrift SASSAFRAS , während die zwanzig Bäume drumherum namenlos bleiben.

"Ich erzähl dir mal was", sagt Lincoln und legt die Hand auf ihr Knie. "Weißt du, was Odin gebrauchen könnte?"

Sie weiß es tatsächlich, da sie in letzter Zeit eine Menge über nordische Götter gelernt hat.

"Einen Augenladen?"

"Genau. Dann müsste er nicht mehr die Augenklappe tragen."

"Außer, sie gefällt ihm."

"Außer das", stimmt Lincoln zu.

Im Sand liegen kleine Plastikhelden und -schurken verstreut - Thor und Loki, Captain America, Green Lantern und Iron Man. In letzter Zeit dreht sich alles um Superhelden. In dieser Sandgrube lauern nachgebaute Skelette - hinter Joan ragt die Wirbelsäule eines ausgestorbenen Geschö

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