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Nebel über der Themse Ein Inspektor-Pitt-Roman von Perry, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.04.2014
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Nebel über der Themse

An einem stürmischen Morgen wird in der Themse die Leiche eines Mannes in Frauenkleidern entdeckt. Die Ermittlungen führen Oberinspektor Pitt ins Zentrum der Londoner Boheme, zum Theater und in Ateliers, in denen mit der neuen Kunst der Fotografie experimentiert wird. Die Engländerin Anne Perry, 1938 in London geboren, verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Neuseeland und auf den Bahamas. Schon früh begann sie zu schreiben. Ihre historischen Kriminalromane zeichnen ein lebendiges Bild des spätviktorianischen Englands und begeistern ein Millionenpublikum. Anne Perry lebt und schreibt in Schottland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Erscheinungsdatum: 21.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641140380
    Verlag: Heyne
    Größe: 960 kBytes
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Nebel über der Themse

Kapitel eins

DUNSTSCHLEIER STIEGEN TRÄGE vom silbergrauen Wasser der Themse auf, das im ersten Sonnenlicht schimmerte. Im Hintergrund zeichneten sich vor dem perlmuttfarbenen Himmel die düsteren roten Bogen der Brücke ab, die zum südlich der Themse liegenden Stadtteil Lambeth hinüberführte. Sofern schon Schleppzüge mit dem Tidenstrom zum Londoner Hafen unterwegs waren, verbarg sie der Septembernebel.

Schutzlos dem Wind ausgesetzt stand Oberinspektor Thomas Pitt auf der obersten Stufe der nassen Steintreppe und sah auf den unten angebundenen Kahn hinab, der mit dem sachten Wellenschlag gegen den Fähranleger von Horseferry stieß. Er war eineinhalb Stunden zuvor einem Streifenbeamten aufgefallen, der ihn im Wasser hatte treiben sehen. Doch nicht dem Kahn galt die Aufmerksamkeit des Leiters der Polizeiwache von Bow Street, sondern dem, was darin lag und auf ihn wie eine groteske Parodie von Millais' Gemälde der ertrunkenen Ophelia wirkte.

Der Streifenbeamte wandte den Blick ab und sah Pitt viel sagend an.

"Ich habe gedacht, wir sollten Ihnen das besser melden, Sir."

Pitt sah auf die Leiche im Kahn, deren Handgelenke ebenso wie die Fußgelenke an die Bordwände gekettet waren. Die Knie waren leicht gespreizt und der Kopf wie in Ekstase nach hinten geworfen. Das lange grüne Gewand, in das sie gehüllt war, sah aus wie ein Kleid, war aber so zerfetzt und verheddert, dass sich unmöglich hätte sagen lassen, wie es ursprünglich ausgesehen hatte. Obwohl auch die Körperhaltung wie die einer Frau wirkte, handelte es sich unverkennbar um einen Mann. Er war blond, dürfte um die Mitte dreißig sein, hatte ein angenehm geschnittenes Gesicht und trug einen sauber gestutzten Schnurrbart.

"Warum denn?", fragte Pitt. "Was hat das mit der Bow Street zu tun? Das hier gehört doch gar nicht zu meinem Revier."

Mit schmatzendem Geräusch schlug das Wasser an die Stufen des Anlegers, vielleicht die Wellen eines vorüberfahrenden Bootes, das man im Nebel nicht sehen konnte.

Voller Unbehagen trat der Polizist von einem Fuß auf den anderen. "Die Sache könnte Kreise ziehen, Mr. Pitt." Er vermied es nach wie vor, zu dem Kahn und dem Mann darin hinzusehen. "Vielleicht gibt es einen Skandal. Deshalb habe ich gedacht, es wäre das Beste, wenn Sie das von Anfang an in die Hand nehmen würden."

Äußerst vorsichtig, um nicht auf den nassen Stufen auszugleiten, ging Pitt zu dem Kahn hinab. Schwermütig dröhnte ein Nebelhorn über das Wasser, und von irgendeinem Schleppkahn hörte man den Warnruf eines Mannes. Die Antwort wurde vom Nebel verschluckt. Erneut sah Pitt auf den Mann im Kahn. Aus diesem Winkel ließ sich unmöglich erkennen, auf welche Weise er ums Leben gekommen war. Weder eine Wunde noch eine Waffe waren zu sehen, doch sofern er einem Schlaganfall oder Herzinfarkt erlegen war, hatte jemand anschließend mit Bedacht dies groteske Bild gestellt. Seine Angehörigen, wer auch immer sie sein mochten, würden ab heute in einem Albtraum leben, und womöglich würde das Leben dieser Menschen ab sofort nie mehr sein wie zuvor.

"Ich nehme an, dass Sie nach dem Polizeiarzt geschickt haben?", erkundigte sich Pitt.

"Gewiss, Sir. Er müsste eigentlich jeden Augenblick hier sein." Der Mann schluckte und trat von einem Fuß auf den anderen, wobei die Sohlen seiner Stiefel auf den Steinen scharrten. "Mr. Pitt – Sir."

"Ja?" Pitt hielt nach wie vor den Blick auf den Kahn gerichtet, dessen Bug gegen die Stufen stieß und mit den Wellen ein wenig auf und ab tanzte.

"Ich habe Sie nicht nur gerufen, weil das so me

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