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Ostseerache Kriminalroman von Almstädt, Eva (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.03.2018
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Ostseerache

In einem beschaulichen Dorf an der Ostsee wird eine junge Frau auf grausame Weise ermordet. Die Dorfbewohner verdächtigen Flora, die als Jugendliche eine Mitschuld am Tod eines Nachbarjungen gehabt haben soll und die nun wieder in ihr Elternhaus zurückgekehrt ist. Die Mordkommission Lübeck ermittelt. Auch Kommissarin Pia Korittki, die gerade ihre Hochzeit plant, sieht einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen und rollt den früheren Todesfall wieder auf. Schon bald muss sie fürchten, dass es nicht bei diesen zwei Morden bleiben wird...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 414
    Erscheinungsdatum: 29.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732555758
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Pia Korittki .13
    Größe: 1355kBytes
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Ostseerache

1. Kapitel

Nicole Mohr sammelte die Notenhefte ein. Sie ordnete und stapelte sie akkurat, bis die anderen Frauen aus dem Chor endlich gegangen waren. "Hannes?" Sie legte die Hefte auf dem Flügel ab. "Ich muss dir was sagen."

"Mach dir bloß keine Gedanken wegen deines Solos." Hannes Schöttler schloss den Schrank mit den Notenständern. Er kam, nein, tänzelte beinahe auf sie zu. "Du wirst fantastisch sein, Nicole."

"Das ist es nicht." Sie roch die Lakritzpastillen, die er dauernd lutschte, und trat einen Schritt zurück. "Ich höre auf zu singen. Heute war das letzte Mal."

"Was redest du da? Wir brauchen dich!"

"Tut mir leid, Hannes. Es war eine schöne Zeit im Chor. Aber es geht nicht mehr. Vielen Dank für alles."

Er schüttelte langsam den Kopf. "Das meinst du nicht so, Nicole."

"Doch. Es ist mein voller Ernst."

"Wieso? Wo es doch gerade ... wo ich ... Also, ich bin einigermaßen sprachlos." Seine Mundwinkel zogen sich nach unten. Er blinzelte und knetete die großen Hände.

Nicole hatte damit gerechnet, dass Hannes enttäuscht sein würde. Im Chor war es längst so eine Art Running Gag, dass er sie anbetete. Sie hatte ihm bestimmt nie irgendwelche Hoffnungen gemacht. Doch seit ihrer Trennung von Falk benahm er sich immer merkwürdiger. "Meine Stimme wird euch sicher nicht fehlen." Sie versuchte ein aufmunterndes Lächeln, doch sie fühlte sich allmählich beklommen, so wie er sie ansah. Aber diese Umgebung passte nicht mehr zu ihr. Der Gemeindesaal mit dem verschrammten Fußboden, den schlaffen gelbbraunen Vorhängen. Die Einrichtung war so zweckmäßig, dass es schon wehtat. Sogar das Licht aus den Siebzigerjahrelampen sah milchig und schal aus. Es überzog alles wie mit einem klebrigen Film des ewig Gestrigen. Ein Ort für Verlierer.

"Wir haben in fünf Wochen unser Konzert, Nicole. Dafür proben wir. Ich meine, was denkst du dir? Muss es ausgerechnet jetzt sein?" Hannes' Blick hinter den Brillengläsern war nun starr auf sie gerichtet.

"Brigitte singt das Solo doch viel besser als ich."

"Nicki, wir brauchen dich! Überleg es dir noch einmal", drängte er sie.

"Nein, Hannes. Mein Entschluss steht fest." Sie griff nach Jacke und Tasche, die über einem der Stapelstühle aus hellem Eichenholz hingen.

"Du weißt nicht, was du da sagst!" In Hannes' Mundwinkeln hatten sich Speichelblasen gebildet. "Du kommst wieder. Auf jeden Fall!" Er rang offensichtlich um Fassung. Und sie hatte gedacht, sie könnte hier einfach so hinausspazieren. Als wäre sie nicht ein Teil dieses Dorfes, der Gemeinde, dieses Chors. Das war ja, wie sich aus einem Sumpf zu befreien. Die Trennung von Falk, ihrem Mann, war nur der erste Schritt gewesen. Das erkannte Nicole jetzt. Sie wollte generell ein anderes Leben, ihren Anteil an Aufregung, Luxus und Spaß. Und das Gemeindehaus von Niensühn verkörperte alles, wovon sie sich losmachen musste.

Das Gesicht des Chorleiters wurde ausdruckslos. "Also gut, Nicole. Reisende soll man nicht aufhalten."

"Tut mir wirklich leid." Nicole schulterte ihre Umhängetasche und ging in Richtung Tür. Hannes, der hilfsbereite, stets freundliche und fügsame Ehemann der Pastorin, streckte den Arm aus, als wollte er sie festhalten. Nicole sah ihn fragend an. Er zog die Hand zurück und ließ sie vorbeigehen. Seine Fingerspitzen streiften jedoch noch ihre Schulter. Die Absätze ihrer Stiefeletten klopften leise auf dem Parkettboden, als sie eilig davonging.

"Das wirst du noch bereuen."

Im Korridor runzelte Nicole die Stirn. Hatte er das wirklich gesagt? Die geflüsterten Worte waren mit dem Einschnappen der Tür zusammengefallen. Das hatte Hannes doch nicht wirklich gesagt? Oder zumindest nicht so gemeint? Das musste sie sich eingebildet haben. Eine Folge ihres schlechten Gewissens. Als sie die Außentür öffnete, riss eine Windböe ihr diese fast aus der Hand. Nicole atmete auf. Endlich frische Luft!

Nicole nahm den Schirm au

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