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Prager Requiem von Hetzner, Michael (eBook)

  • Verlag: ACABUS Verlag
eBook (PDF)
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Prager Requiem

Prag, Frühjahr 1996. Eine Mordserie erschüttert die Goldene Stadt. Der Täter mordet immer an Jahrestagen von Heiligen und liebt grausame Inszenierungen. Der ermittelnde Major Svátek und seine Assistentin Eva Krásná stehen vor einem Rätsel. Welche Rolle spielt der reiche Geschäftsmann Jan Fajn, der als Spätberufener kurz vor seiner Priesterweihe steht? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden seiner Pflegetochter und den Morden? Der Fall nimmt eine dramatische Wendung, als Eva entführt wird. Svátek muss nun schnell und unkonventionell handeln, um das Geheimnis des Prager Requiems zu lüften. Spannend und mitreißend schreibt Michael Hetzner über die Abgründe der Goldenen Stadt.

Michael Hetzner, Jahrgang 1955, studierte Deutsch, Musikerziehung und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg; anschließend Germanistik und Pädagogik an der Uni Stuttgart. Promotion zu Dr. phil und Dr. paed. Veröffentlichungen: Gestörtes Glück im Innenraum. Über Ehe und Familie bei Wilhelm Busch (1991); Identiät im Umbruch. Wilhelm Buschs autobiographische Skizzen im Vorfeld der Moderne (1994), Ästhetische Textstruktur und Identität. Autobiographisch-literarische Texte als Interpretationsmuster von Bildungs- und Transformationsprozessen (1996), Aufsätze zur Alltagskommunikation, Literaturwissenschaft und Pädagogik. Hinzu kommen Veröffentlichungen von Gedichten, Erzählungen, einem Sachbuch und einem Rundfunktext. Er arbeitet heute als Manager bei einer großen deutschen Bank. Seine Hobbys sind: Lesen, Schreiben, Malen und Spazieren gehen. Vor ungefähr 20 Jahren begann er mit dem Schreiben von Kurzgeschichten und Kurzkrimis. Nach der Samtenen Revolution 1989 besann er sich auf seine tschechischen Wurzeln und lebt heute einen Teil des Jahres still und friedlich in Bukovà, einem böhmischen Dorf. Ein Dorfteich, 18 Häuser und eine herrliche Natur sind alles, was er braucht. Und die Kneipe im Kulturhaus. Was also lag näher, als diese beiden Leidenschaften zu verbinden und einen Prag-Krimi zu schreiben? So entstand 'Prager Requiem'.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 260
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862820955
    Verlag: ACABUS Verlag
    Größe: 3092 kBytes
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Prager Requiem

Leseprobe aus Teil 1, Requiem aeternam:

Professor Wolf kam mit raschem Schritt zur Tür herein. Wie ein Gutsbesitzer, der das Gesinde grüßt, nickte der hochgewachsene Mann den in der Pathologie versammelten Ermittlern flüchtig zu. Er trug einen makellos weißen Kittel mit goldenen Knöpfen, dazu ein goldenes Schild mit seinem Professoren- sowie den beiden Doktortiteln. Mit geübten Griffen zog er das weiße Leintuch von der Leiche und dozierte: 'Der Tote wurde eindeutig in der Nacht vom 23. auf den 24. April ermordet, und zwar zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen.' Bei diesen Worten hielt er den Zeigefinger der rechten Hand steil nach oben und blickte die Beamten an, als stehe er im Hörsaal der Universität. Baloun sah den Mediziner, einen der besten seines Fachs, mit leichtem Spott an. So sehr Baloun der Kompetenz des Professors seinen Tribut zollte, so wenig respektierte er dessen Überheblichkeit.
'Es kann aber sein', warf Baloun ein, 'dass der Mörder sein Opfer bereits einen Tag oder zumindest einige Stunden vorher in seine Gewalt gebracht hat. Immerhin weist das Opfer Spuren von schwerer Folter auf.'
'Das, meine Herren', entgegnete der Professor, 'müssen Sie herausfinden. Auf jeden Fall ist das Opfer einen langen und qualvollen Tod gestorben. Doch die exakt sechzig Schrauben, die wir hier sehen', der Professor wies auf die Spax, die sauber aufgereiht neben der Leiche lagen, 'führten nicht zum Tod. Das war, wenn ich so sagen darf, eine kleine Beigabe des Mörders, nachdem der Exitus letalis bereits eingetreten war.'
Nach einem selbstgefälligen Blick in die Runde fuhr er fort. 'Das Opfer wurde nach und nach erstickt. Der Körper wurde immer wieder hochgezogen und dann in das Altöl herabgelassen, wodurch ein akuter Sauerstoffmangel eintrat, wie sich an der stark aufgeblähten Ballonlunge erkennen lässt.' Der Professor, der sich Balouns Vorbehalten gegenüber seinem Auftreten sehr wohl bewusst war, sah diesen scharf an und lächelte süffisant. 'Neben dieser Lungenblähung', fuhr er dann fort, 'finden sich klassische Erstickungsblutungen an der Pleura visceralis. Außerdem lassen sich im Magen Reste von Altöl nachweisen. Dazu kommen avitale Magenschleimhautrisse. Des Weiteren ist die rechte Herzhälfte dilatiert.'
'Heute, scheint mir, höre ich an einem einzigen Tag mehr Fremdwörter als sonst im ganzen Jahr', ließ sich Baloun vernehmen.
Der Professor hielt inne, und sein Gesicht wurde rot wie das eines schreienden Säuglings. Dann besann er sich, holte tief Luft und dozierte weiter. 'Darüber hinaus gibt es noch andere Erstickungsanzeichen. Doch das können Sie alles in meinem Bericht nachlesen. Für ihren geschätzten Kollegen', der Zeigefinger des Professors wies wie der Schnabel eines Geiers auf Baloun, 'wäre vielleicht mein Handbuch der forensischen Pathologie zu empfehlen. Es ist soeben in der dreiundzwanzigsten Auflage erschienen und gilt seit vielen Jahren als Standardwerk. Das meint wenigstens die Fachpresse. Auf jeden Fall wurde es in zwölf Sprachen übersetzt, und wegen einer Lizenzausgabe für China und Burkina Faso stehe ich gerade in Verhandlungen.'
'Wurde der Arme eigentlich gesotten als er noch lebte, oder als er schon tot war?', fragte Baloun ungerührt.
'Diese Ausdrucksweise, geschätzter Herr Baloun, befremdet mich ein wenig. Sie sind zwar kein Mann der Wissenschaft, aber auch als Kriminalist sollten Sie sich einer exakten Sprache befleißigen.' Sein scharfer Blick sezierte Baloun, als habe er einen Studenten vor sich, dem er so eben ein 'Durchgefallen' erteilte. 'Gesotten, ... das heißt erhitzt, wurde der Körper, als das Opfer noch lebte. Die Brandblasen sind eindeutig vital entstanden. Der Körper dürfte einer Temperatur von fünfzig bis fünfundsechzig Grad ausgesetzt worden sein, da er sich im Stadium bullosum befand.'
[...]

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