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Rilkerätsel Ein Wiener Kaffeehauskrimi von Bauer, Hermann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Rilkerätsel

Kaum von einem langjährigen Auslandsaufenthalt in Deutschland zurückgekehrt, wo er den deutschen Rilke-Lyrik-Preis gewonnen hat, engagiert sich René Kreil für eine Fußgängerzone im Zentrum Floridsdorfs. Durch sein provokantes Vorgehen macht er sich schnell Feinde. Als er nach einem Fernsehinterview erstochen in seinem Arbeitszimmer aufgefunden wird, ist der Kreis der Verdächtigen deshalb enorm. Die Polizei ermittelt, aber Oberkellner Leopold ist ihr wie immer einen Schritt voraus ...

Hermann Bauer wurde 1954 in Wien geboren. 1961 kam er nach Floridsdorf, wo er 30 wichtige Jahre seines Lebens verbrachte. Während seiner Zeit am Floridsdorfer Gymnasium begann er, sich für Billard, Tarock und das nahe gelegene Kaffeehaus, das Café Fichtl, zu interessieren. Seit 1983 unterrichtet er Deutsch und Englisch an der BHAK Wien 10. Er wirkte in 13 Aufführungen der Theatergruppe seiner Schule mit. 2008 erschien mit "Fernwehträume" sein erster Kriminalroman, dem sechs weitere Krimis um das fiktive Floridsdorfer Café Heller und seinen neugierigen Oberkellner Leopold folgten. "Rilkerätsel" ist der achte Kaffeehauskrimi des Autors.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 306
    Erscheinungsdatum: 01.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839247860
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 2751kBytes
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Rilkerätsel

Kapitel 1

Im Sturm, der um die starke Kathedrale

wie ein Verneiner stürzt der denkt und denkt,

fühlt man sich zärtlicher mit einem Male

von deinem Lächeln zu dir hingelenkt:

lächelnder Engel, fühlende Figur.

(Aus: Rilke, L'Ange du Méridien)

Als René Kreil, von der Alten Donau kommend, den Kinzerplatz überquerte, waren der Platz selbst und die mächtige Pfarrkirche St. Leopold in ein magisches Licht getaucht. Soeben war ein heftiger Regenguss, begleitet von ein paar Blitzen und Donnerschlägen, niedergegangen. Die dunklen Wolken zogen weiter, es fielen ein paar letzte Tropfen. Schon bemühte sich die Sonne wieder hervor, und am Himmel zeigten sich die Umrisse eines Regenbogens.

Kreil schüttelte den Kopf. Und das alles an einem Sonntagvormittag Anfang September um 10 Uhr, dachte er. Was das Wetter doch bisweilen für Kapriolen schlug. Er bedauerte, dass er nichts bei sich hatte, um die merkwürdige Stimmung festzuhalten: keinen Fotoapparat, keinen Notizblock, keinen Kugelschreiber. Nur in seinen Gedanken konnte er alles abspeichern und hoffen, dass er es später wieder nahezu genauso abzurufen vermochte. Die Szene erschien ihm eine Würdigung in Form eines Gedichtes wert. Denn er war ja Poet.

Kreil faszinierte das imposante neugotische Kirchengebäude mit seinem über 90 Meter hohen Turm. St. Leopold, die drittgrößte Kirche Wiens, war am Beginn des 20. Jahrhunderts noch zur Regierungszeit Kaiser Franz Josefs errichtet worden. Floridsdorf hatte man gerade der Stadt Wien eingemeindet und das Donaufeld nach der Donauregulierung trockengelegt. Schon als Kind hatte diese Kirche auf den heute 56-jährigen Kreil einen gewaltigen Eindruck gemacht. Wie oft war er mit seiner Mutter und seinem Bruder hierher gekommen, und während die Mutter auf einer Bank ein Buch gelesen hatte, waren er und sein Bruder August im Wettstreit um die Kirche gelaufen. Ganz egal, wer dabei den Kürzeren zog - es endete, ganz unpassend zu der heiligen Umgebung, immer im Streit und manchmal, wenn die Mutter nicht rechtzeitig herbeieilte, auch mit einer Rauferei. Die Mutter musste sich dann von gaffenden Passanten anhören, welch ungezogene Fratzen sie zur Welt gebracht hatte, und reagierte ihren Ärger auf ihre Weise ab: mit ein paar Watschen.

Wir haben uns schon damals nicht gut vertragen, August und ich, ging es Kreil durch den Kopf. Der gegenseitige Vorwurf hatte stets gelautet: Du kannst nicht verlieren.

Er wollte weitergehen, aber irgendwie kam er nicht von der Kirche los, die er nach langer Zeit wieder ganz aus der Nähe sah. Sie übte eine unerklärliche Anziehungskraft auf ihn aus. Ein Gefühl der inneren Unruhe bemächtigte sich seiner. Es war ihm, als blickte der steinerne Turm mit der grünen Kirchturmspitze und der Uhr mit dem römischen Ziffernblatt direkt in sein Herz, als gäbe es keine Geheimnisse zwischen ihm und diesem Gebäude, das noch immer in einem ganz unnatürlichen Licht vor ihm dastand. Er erinnerte sich. Als Kind war er natürlich nicht nur um die Kirche gelaufen, er hatte auch regelmäßig den Gottesdienst besucht, weil seine Eltern es so wollten. Nach der Firmung wurden diese Besuche rasch seltener, bis sie schließlich ganz aufhörten. Seither hatte er die Kirche St. Leopold nicht mehr betreten.

Was ist schon dabei, auf einen Sprung hineinzugehen, überlegte Kreil. Teils lenkte ihn dabei die Neugier, teils spürte er weiterhin diesen seltsamen Drang in sich. Der Gesang, der schwach herausklang, zeigte ihm an, dass gerade eine heilige Messe stattfand. Das gab seinem Herzen einen weiteren Stoß. Er stieg die Stufen zum kleinen Seiteneingang empor und betrat das Innere des Gotteshauses.

Kreil nahm seinen Hut ab und strich über das lange, gewellte, nach hinten frisierte Haar. Sofort stieg der Geruch von Weihrauch angenehm i

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