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Schwarze Brandung Sylt-Krimi von Weiß, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.03.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Schwarze Brandung

Ein stürmischer Morgen auf Sylt. Am Strand vor Westerland wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, die offensichtlich brutal ermordet wurde. Als Liv Lammers von der Mordkommission Flensburg davon hört, gefriert ihr das Blut in den Adern: Kurz zuvor hatte ihr 15-jähriger Neffe aus Sylt sie um Hilfe gebeten, weil er seine Freundin vermisst. Handelt es sich bei der Toten um Milena? Und wer hätte ihr etwas antun wollen? Liv, die vor Jahren mit ihrer Sylter Familie und ihrer alten Heimat gebrochen hat, wird mit dem Fall betraut. Zum ersten Mal seit langer Zeit fährt sie wieder auf die Insel - und ist schockiert darüber, wie sehr sie sich inzwischen verändert hat. Doch niemals hätte sie auch nur geahnt, welch grauenvolle Abgründe sich hinter der schillernden Urlaubsfassade auftun ... Sabine Weiß, Jahrgang 1968, arbeitete nach ihrem Germanistik- und Geschichtsstudium als Journalistin. Seit 2007 veröffentlicht sie erfolgreich Historische Romane, die meist im norddeutschen Raum angesiedelt sind. Schwarze Brandung ist ihr erster Kriminalroman, für den sie intensiv auf Sylt recherchierte. Sabine Weiß lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in der Nähe von Hamburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 16.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732540839
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1619 kBytes
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Schwarze Brandung

2

Flensburg, Montag, 2. Mai 2016, 6.05 Uhr

Das T-Shirt klebte an ihrem Rücken. Livs Hände waren heiß und rot, und ihr Körper schien zu vibrieren. Ein Schweißtropfen löste sich unter dem Kopfhörer und rann ihren Hals hinunter, doch sie merkte es kaum. Wie in Trance ließ sie die Sticks über Snares und Toms tanzen. Mancher Schlagzeuger mochte ein elektronisches Schlagzeug für unsexy halten, aber für sie war es perfekt. Technisch waren Sound und Spielgefühl der E-Drums ohnehin ausgereift.

Bis fünf Uhr morgens war sie in der Polizeidirektion gewesen. Gestern am späten Nachmittag waren sie in eine Kneipe in der Neustadt gerufen worden: tätliche Auseinandersetzung mit Todesfolge. Der Täter war nach der Messerstecherei geflüchtet. In einem gestohlenen Auto lieferte er sich mit ihnen eine Verfolgungsjagd bis nach Handewitt. Liv war in dem Team, das ihn schließlich festnahm. Stundenlang hatten sie die Zeugen vernommen, und inzwischen konnte die Beweislage als gesichert gelten.

Jetzt schaltete Liv ihr Metronom ein und begann auf "Klick" zu spielen, was eine fast meditative Übung war. Präzision und Kontrolle waren nach dem Auspowern beim wilden Trommeln genau das Richtige. Nachdenklich strich sie mit den Sticks über die Felle.

Erst im Winter war sie zur Bezirkskriminalinspektion K1, wie die Mordkommission in Flensburg offiziell hieß, gekommen. Im letzten Jahr hatte sie das K1-Team bei einem Fall von häuslicher Gewalt unterstützt, und nach Abschluss des Falls war sie von der K1-Leiterin Hilke Hasselbrecht eingeladen worden, sich auf eine frei werdende Stelle zu bewerben. Liv hatte der Teamgeist im K1 gefallen, und sie mochte die resolute und unkonventionelle Leiterin. Hasselbrecht hatte sich von Anfang an hinter Liv gestellt, auch als einige Kommissare kritisierten, dass sie mit ihren neunundzwanzig Jahren zu jung sei; bei der Mordkommission seien Lebenserfahrung und Menschenkenntnis gefordert. Liv spornte die Kritik nur noch mehr an. Die Berufung in die Mordkommission war eine Chance, mit der sie nie gerechnet hatte, und sie würde sie nutzen. Sie würde beweisen, dass sie der Aufgabe gewachsen war.

Als Einstimmung auf den neuen Tag spielte sie ihr Lieblings-Reggae-Stück, danach schaltete sie die E-Drums aus. Erst jetzt nahm sie das Knurren ihres Magens und die Schwere ihrer Glieder wahr. Die Nacht saß ihr in den Knochen.

Liv nahm die Kopfhörer ab und rieb sich die Ohrmuscheln. Aus dem Obergeschoss drangen Stimmen und das Klappern von Tellern zu ihr. Eilig stieg sie die schmale Kellertreppe des Kapitänshauses, in dem sie zur Miete wohnten, hoch. Jetzt freute sie sich auf Sanna und Elise.

Sie war sehr früh, bereits mit sechzehn, Mutter geworden, und die ersten Jahre waren damals hart gewesen. Als Jugendliche, die Baby, Schule und Ausbildung unter einen Hut bekommen musste, waren Müdigkeit und Zeitdruck ihre ständigen Begleiter gewesen. Ihr Perfektionismus machte ihr das Leben ebenfalls nicht gerade leicht. Und dennoch hatte sie nie daran gezweifelt, dass sie alles schaffen würde. Denn sie war nicht allein. Sie hatte Sanna, ihre Tochter, und sie hatte ihre Großmutter Elise, die damals als Einzige zu ihr gehalten und sie unterstützt hatte. Mit den beiden an ihrer Seite erschien nichts unerreichbar. Ihre Familie war ihr Kraftzentrum.

Als Liv ins Wohnzimmer trat, deckte Sanna gerade den Frühstückstisch. Durch die breite Fensterfront wirkte der Raum mit der offenen Küche hell und freundlich. An den Wänden reihten sich Kinderzeichnungen an Konzertplakate, neben dem Sofa gesellte sich Elises Strickzeug zu Livs CD-Sammlung, Sannas Mangas und ihrer gemeinsamen Büchersammlung.

Sanna drehte sich um, entdeckte ihre Mutter und umarmte sie. Die Vierzehnjährige war nur noch einen Kopf kleiner als Liv. Sie hatten beide rötlich blonde Haare, Sommersprossen und ein energisches Kinn. Als Jugendliche hatte man Liv wegen ihrer schlanken hochgewachsenen Statur Giraffe ge

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