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Schwarzwaldau (Psychokrimi) Klassiker des deutschsprachigen Kriminalromans von Holtei, Karl von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
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Schwarzwaldau (Psychokrimi)

Dieses eBook: 'Schwarzwaldau (Psychokrimi)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Der spannende Psychokrimi der mit einem doppelten Beinaheselbstmord beginnt und sich in ganz anderen Richtungen entwickelt, ist nach Arno Schmidts Urteil 'der beste deutsche Kriminalroman'. Karl von Holtei (1798-1880) war ein deutscher Schriftsteller, Schauspieler, Rezitator, Theaterregisseur und Theaterleiter.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 292
    Erscheinungsdatum: 08.11.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026870067
    Verlag: e-artnow
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Schwarzwaldau (Psychokrimi)

Zweites Kapitel

Inhaltsverzeichnis

Emil betrat seiner Gattin Gemächer, wie ein schuldbedrückter, zu reuiger Buße geneigter Mensch. Von der unfreundlichen, mürrischen Weise seines leider sonst alltäglichen Benehmens, zeigte sich heute keine Spur: stürmische Ungewitter haben oft sanfte friedliche Abende in ihrem Gefolge. Ebenso schien Agnes minder in ihren stillen schweigsamen Gram versunken, wie gewöhnlich; sie empfing den Gatten fast heiter; vor ihr lag ein offener Brief, der diese Umwandlung hervorgebracht. Ihre Pensionsfreundin Caroline meldete ihr, daß sie den Eltern endlich die Erlaubniß abgeschmeichelt habe, der längst und wiederholt an sie ergangenen Einladung zu einem längeren Besuche in Schwarzwaldau folgen zu dürfen und verhieß baldige Ankunft. Das war für Agnesen ein wichtiges Ereigniß. An Carolinen und deren Andenken knüpften sich für die einsame Frau lebhafte und belebende Erinnerungen der blühenden Mädchenzeit, die sie in einer Dresdner Erziehungsanstalt als vertrauteste Genossinnen miteinander durchgemacht. Tausend frische fröhliche Kindesträume wurden wach und erfrischten anregend die öde Gegenwart der vernachlässigten Ehefrau mit einem fröhlichen Hauche von Vergangenheit. Sie sprach ihre Dankbarkeit gegen Emil aus, daß er ihr habe gestatten wollen, die Freundin einzuladen; daß er ihr diese Freude vergönnt habe, - obgleich er es allerdings nicht mit allzubereitwilligem Entgegenkommen gethan, vielmehr deutlich gezeigt hatte, daß ihm die Anwesenheit einer 'Beobachterin' eben nicht erwünscht sei. Heute gab er fast das Gegentheil kund. Er hieß Carolinen im Voraus willkommen, versprach sich für Agnes Vergnügen und für sich herzliche Theilnahme von solchem Zuwachs ihres Verkehres und äußerte dieß in so verbindlicher, gefühlvoller Weise, daß die arme Frau ihre Theekanne aus der Hand setzte, ihn erstaunt anblickte und mit Thränen im Auge ausrief: "Wie gut Du gegen mich bist, lieber Emil!"

Sie saßen traulich beisammen, ohne weiter viel zu reden. Sie lächelten Beide still vor sich hin. Wer sie gestern Abend sitzen gesehen, hätte in ihr nicht die Frau wieder erkannt, die ein Bild entsagenden Grames in die Dämmerung starrte und nur mechanisch das Amt der Hausfrau am Theetisch verwaltete; in ihm noch weniger den Mann, dem die fürchterlichste aller Entschließungen mit tiefen Zügen schon auf der Stirn geschrieben stand. Und welche neue Richtung hatte sich denn dieser verkümmernden Seelen bemächtiget? Bei Agnes ist es leicht zu erklären: auf matte verschmachtende Blumen war ein mildes Regenwetter gefallen; die ganze Wiese athmete neuen Duft. Aber bei Emil? Vor einer Stunde pochte er mit dem Griffe seiner Mordwaffe an's verriegelte Thor der Ewigkeit, - und jetzt gab er sich behaglichem Nachsinnen, versöhnenden, ausgleichenden Bildern hin? Woran dachte er, daß er überhaupt im Stande war, noch etwas Anderes zu denken, als den schrecklichen Moment, wo er des Dolches Spitze gegen die klopfende Brust gezückt? Wer sollte es glauben: er dachte an denjenigen, der ihm den Stahl aus der Faust gerissen; er dachte an den Jäger Franz und an dessen Lebensgeschichte, die dieser ihm morgen zu erzählen sich verpflichtet. Er erwartete davon etwas Besonderes, Aufregendes, ihn Zerstreuendes, ohne doch selbst zu wissen, in wie fern des jungen, bisher für unbedeutend gehaltenen, wenn auch mit Vorliebe behandelten Burschen Schicksale, auf seine Stimmung günstige Einwirkung üben sollten? Genug, Emil gehörte dem Leben schon wieder so weit, daß der Lebenslauf eines Fremden ihm wichtig dünkte.

Womit wäre doch manches Menschen Herz passend zu vergleichen? Das alte abgenützte Gleichniß vom Meere, bis in dessen tiefste Abgründe jetzt der Sturm wühlt und welches, von ihm getrieben, tobt und raset, um sodann wiederum der hellen Sonne einen reinen glatten Spiegel zu zeigen, - es paßt nicht; es taugt nichts; denn nach jedem ernsten Sturme braucht es mindestens Tage, ja Wochen, bis di

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