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Seine Frau von Holst, Hanne-Vibeke (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.06.2015
  • Verlag: Saga Egmont
eBook (ePUB)
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Seine Frau

Verstörend. Explosiv. Unvergesslich! 4.6/5 Sterne auf Lovelybooks.de! Linda Jacobsen ist die Frau des dänischen Finanzministers Gert Jacobsen. Gert ist ein erfolgreicher und souveränen Politiker, der einer der kommenden Männer in seiner Partei ist. Nach außen wirkt er freundlich und sympatisch - aber zu Hause prügelt er seine Frau.'Seine Frau' ist Hanne-Vibeke Holsts erster Thriller. In dem Roman thematisiert Hanne-Vibeke Holst das politische Machtspiel, Gewalt und Missbrauch in der Ehe. Der Roman erzählt - wie auch Hanne-Vibeke Holsts andere Romane - von Frauen in einer Gesellschaft, die alle Voraussetzungen für eine wirkliche Emanzipation zu bieten scheint.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 618
    Erscheinungsdatum: 12.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788711455838
    Verlag: Saga Egmont
    Größe: 1566 kBytes
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Seine Frau

Liegt es daran, dass immer wieder das Wort historisch fällt, dass ich weiß, dass dieser Abend auf die eine oder andere Weise einschneidend wird? Auch für mich? Ich habe mir so viel Mühe gegeben, und doch bin ich so nervös, dass ich kaum das Feuerzeug ruhig halten kann, um meine Zigarette anzuzünden. Aber ich habe für alles gesorgt. Mich an alles erinnert. Den Gravlachs neben dem Kümmelbrot arrangiert und nicht auf die Scheiben gelegt. Ich habe mich auch daran erinnert, dass er das Dressing separat in einer kleinen Schale haben will, und ich habe keine Butter, sondern aus Rücksicht auf seinen Cholesterinspiegel Pflanzenmargarine verwandt. Ich habe seinen Lieblingschablis kalt gestellt, doch sicherheitshalber auch dafür gesorgt, dass zwei Flaschen Carls Spezialbier da sind, das er manchmal vorzieht, um besser schlafen zu können. Und ich habe einen Strauß rote Minirosen in eine Vase gestellt, mit einer neutralen weißen Glückwunschkarte, auf die ich Herzlichen Glückwunsch zur Wahl, Schatz! geschrieben habe.

Das Haus habe ich noch einmal vom Keller bis zum Speicher geputzt. Wie eine Hausdame in einem Fünf-Sterne-Hotel habe ich sorgfältig jeden Raum inspiziert, jede Ecke. Alles ist einwandfrei. Die Schlüssellöcher sind mit Wattestäbchen gereinigt, die Zwischenräume zwischen den Lamellen der Heizung habe ich mit der neuen Bürste bearbeitet, die Spinnweben mit dem Staubsauger aufgesaugt. Ich habe seine Hemden gebügelt und sein Bettzeug gewechselt. Vor allem habe ich alle Spuren von mir beseitigt; nicht eine Wochenzeitschrift, nicht eine Kippe liegen mehr herum, und da ich all die niedlichen kleinen Flaschen weggeräumt habe, selbst aus den Verstecken, die er bisher noch nicht entdeckt hat, wie den Wäschekorb und den Schirmständer, kann er auch nicht ausrasten. Was mich selbst angeht, bin ich gepflegt und zurechtgemacht, meine Nägel sind frisch lackiert, das Haar frisch geschnitten und aufgehellt, und ich habe den schönen solariumbraunen Ton beibehalten, den er so mag. Ich habe den schwarzen Minirock angezogen und als Unterwäsche das cognacfarbene Set von Marie Jo mit der Spitze und dem Push-up-BH, das er seine Sekretärin letzte Weihnachten für mich hat kaufen lassen. Ich habe meine Beine gewachst, mich unter den Armen rasiert und meine Intimzonenbehaarung auf Vordermann gebracht. Nüchtern bin ich auch, halbwegs jedenfalls, jetzt zumindest noch.

Demnach dürfte nichts zu beanstanden sein. Demnach müsste ich mich auf dem Sofa zurücklehnen und dem "Wahlthriller" im Fernsehen in der sicheren Gewissheit folgen können, alles im Griff zu haben. Nach dem ersten Drink, nur ein kleiner Rest, ein kleines Schlückchen Wodka aus der Mineralwasserflasche in meiner Tasche, um mich zu beruhigen, lulle ich mich auch langsam in eine falsche Sicherheit ein. Eine Sicherheit, aus der ich brutal herausgerissen werde, als er als einer der Ersten auf dem Bildschirm erscheint. Denn als ich die kalte Flamme in seinem Blick sehe, den er dem kessen Christiansborg-Reporter zuwirft, weiß ich, was passieren wird. Ungeachtet meiner Anstrengungen. Ungeachtet meiner Umsicht. Ungeachtet der Tatsache, dass sie im Wahlkreis Kongens Enghave sozialdemokratisch gewählt und im Wahlkreis Vestre Storkreds für ihn gestimmt haben. Ungeachtet dessen, was ich getan oder nicht getan habe, wird er einen Grund finden. Es ist nicht meine Schuld, dass sie verloren haben. Doch das spielt keine Rolle, so viel habe ich gelernt.

Als zu den unangebracht ausgelassenen Moderatoren im Wahlstudio umgeschaltet wird, habe ich längst zu zittern begonnen. Obwohl er viele Kilometer entfernt ist, spüre ich seine Nähe wie einen sich hinter mir auftürmenden Schatten. Und als im gleichen Moment mein Handy klingelt, ein Geburtstagsgeschenk zu meinem Fünfzigsten im letzten Jahr, fahre ich zusammen in dem Glauben, dass er es ist. Einzig und allein, um mich zu erschrecken. Nur deshalb habe ich es bekommen. Damit er mich kontrollieren ka

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