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Shanghai Dinner Der Fengshui-Detektiv rettet die Welt. Kriminalroman. Der Fengshui-Detektiv (4) von Vittachi, Nury (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2018
  • Verlag: Unionsverlag
eBook (ePUB)
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Shanghai Dinner

Vor einer Woche hat C. F. Wong eine Zweigstelle in Shanghai eröffnet. In der Hauptstadt des Turbokapitalismus will er mit Fengshui-Beratungen leichtes Geld verdienen und die schönen Dinge des Lebens genießen. Mit von der Partie sind seine junge Assistentin Joyce und die chaotische Sekretärin Winnie Lim. Leider hat C. F. Wong aber nicht bedacht, dass die verrückte Riesenmetropole ihr eigenes Karma besitzt ... Einer zerstörerischen Abrissbirne können die drei gerade noch entkommen. Doch dann bleiben sie im größten Verkehrsstau stecken, den Shanghai je erlebt hat: Der amerikanische Präsident wird erwartet, vegane Terroristen sind in der Stadt und mitten im Zentrum treibt sich ein weißer Elefant herum. C. F. Wong hat keine Wahl: Er muss die Welt und Shanghai retten.

Nury Vittachi, geboren 1958 in Sri Lanka, gilt - laut BBC - als 'Hongkongs witzigster Kommentator'. Aufgewachsen u. a. in Großbritannien, lebt er seit 1986 in Hongkong, wo er sich als Kolumnist, Buchautor und Herausgeber einer Literaturzeitschrift Kultstatus verschafft hat. Er arbeitet als Dozent an der Hong Kong Polytechnic University.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 01.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783293306035
    Verlag: Unionsverlag
    Serie: Metro Bd.4
    Originaltitel: The Shanghai Union of Industrial Mystics
    Größe: 4799 kBytes
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Shanghai Dinner

1

I m alten China, im ersten Jahrhundert, wurde ein Übeltäter ertappt, als er eben den Kaiserpalast ausrauben wollte. Man verurteilte ihn zu zwanzig Tagen Kerker. Der Kerker war jedoch, wie sich zeigte, kein gewöhnliches Gefängnis. Er bestand aus weißen Vierecken, die auf den nackten Boden gemalt waren.

Man führte den Räuber in die Mitte eines der gemalten Vierecke. Nur ein einziger anderer Mensch befand sich dort im angrenzenden Viereck: ein alter Mann mit langem Bart.

Der Räuber fragte: "Was ist denn das für ein Kerker?"

Der alte Mann sagte: "Der schlimmste, den es gibt auf der Welt. Sollte ein Gefangener je seine Linien überschreiten, so kommen alle Dämonen der Hölle und verschlingen ihn."

Der Räuber war entsetzt und verharrte die vollen zwanzig Tage innerhalb der gemalten Striche. Nach Ablauf der Frist trat der alte Mann aus seinem Viereck heraus.

Der Räuber fragte: "Warum wirst du nicht von den höllischen Dämonen aufgefressen?"

Der alte Mann antwortete: "Ich bin kein Gefangener. Ich bin der Wärter."

Grashalm: Die Leute glauben, dass sie auf ihre Umgebung reagieren. In Wahrheit jedoch reagieren sie darauf, wie andere auf ihre Umgebung reagieren. Die schlimmsten Dämonen hausen im Innern des Men...

Kawumm! In ohrenbetäubendem Tosen ging die Welt zugrunde. Zumindest klang es so. Und wirklich erzitterte das Gebäude derart heftig, dass C.F. Wong der Füller aus der Hand flog und die elegante letzte Zeile mit einem unschönen Krakel abschloss. Jäh fuhr er hoch, plötzlich auf der Hut. Mut yeh si? Was ist los? Ist das Ende der Welt gekommen? Bricht das Büro zusammen? Hat jemand im oberen Stockwerk einen Amboss fallen lassen? Er sah, wie durch die Erschütterung sein Becher mit Chrysanthemen-Tee zum äußersten Tischrand wanderte, und zog ihn zurück.

"Himmel!", sagte seine Assistentin Joyce McQuinnie, deren Kopfhörer von ihrem Schreibtisch rollten und zu Boden fielen. "Was war das denn? So was wie n Erdbeben?" Sie begann an einem Fingernagel zu knabbern.

"Aijaaaa!", schrie Wongs Sekretärin Winnie Lim, die aus ihrem vegetativen Zustand erwachte und vom Stuhl aufsprang. "Jeder muss selbst zuerst retten!" Sie wühlte in ihrem Schreibtisch und torkelte dann aus dem Büro. "Wenn ich umkomme, ich verklag Sie!", warnte sie ihren Arbeitgeber aus dem Korridor und klickte dann auf ihren Pfennigabsätzen die Treppe hinunter. Unversehens verstummte das Geräusch ihrer Schritte. Offenbar hatte sie es sich anders überlegt. Klick, klack, kam es wieder näher, als sie zurückstieg. Wie ein kleines Nachbeben stürmte sie durch die Bürotür und grub in ihrer Schublade nach etwas Wichtigem, das sie retten musste: ihrem silbrigrosa Lippenstift, den man hierzulande nicht bekam.

In diesem Augenblick schickte ein neuer gewaltiger Stoß noch heftigere Vibrationen durchs Gebäude und durchzitterte alles Lebende und Unbeseelte im Raum. Wongs Teebecher fiel vom Tisch, und er musste zusehen, wie er mit melodischem Klirren am Boden zerschellte. Auf dem fadenscheinigen Teppich hinterließ der helle Tee einen Fleck, dunkel wie Blut. Wieso verursachten helle Flüssigkeiten so oft schwarze Flecke? Wong schob die Frage für künftige Überlegungen beiseite. Joyce iPod landete neben ihren Kopfhörern am Boden. Jetzt hatte sie vier Finger im Mund.

Winnie wimmerte und stakste ohne ihren kosmetischen Schatz wieder hinaus. "Sie schulden mir ein Lippenstift Vergütung", keifte sie.

"Ehe ich zahle, sterbe ich lieber!", rief Wong ihr nach.

"Ja, ich hoffe", gab Winnie zurück und klapperte schwankend die Treppe hinab. "Heute!"

Joyce, vor lauter Unentschiedenheit wie gelähmt, biss sich nicht länger auf die Finger, sondern zog sie aus dem Mund und begann stattdessen an ihrer Unterlippe zu nagen. Winnies Vorbild folgend sah sie sich nach wichtigen Besitztümern um, kramte in den Zeitschriften auf ihrem Schreibtisch und fand

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