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Silberkiesel Hunkelers erster Fall von Schneider, Hansjörg (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Silberkiesel

Die Jagd nach Diamanten, die der Drogenmafia gehören, hält Kommissär Hunkeler in Atem. Ein libanesischer Kurier entledigt sich seiner Ware, bevor die Polizei zugreifen kann. Gefunden werden die Diamanten von einem türkischen Kanalarbeiter, der das ihm zugefallene Glück nicht mehr hergeben will. Doch der Kurier setzt alles daran, sie zurückzuerobern ... Mit diesem Fall betritt Kommissär Peter Hunkeler aus Basel die literarische Bühne. Hansjörg Schneider, geboren 1938 in Aarau, arbeitete nach dem Studium der Germanistik und einer Dissertation unter anderem als Lehrer, als Journalist und am Theater. Mit seinen Theaterstücken war er einer der meistaufgeführten deutschsprachigen Dramatiker, seine Hunkeler

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257602906
    Verlag: Diogenes
    Größe: 1627 kBytes
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Silberkiesel

[95] Peter Hunkeler hatte einen Traum. Es war am Altachenbach, an dem er aufgewachsen war im schweizerischen Mittelland. Dieser Bach war seine Heimat gewesen, seit er sich erinnern konnte. Der Wasserlauf, der sich nach jedem Sommergewitter einen neuen Weg durch die Schlammbänke suchte, die fein geäderten Eisflächen im Winter, auf denen leichter Schnee lag, die schwarzen Egel auf dem Grunde, von denen er sich nie einen in die Hand zu nehmen traute.

An diesem Bach war es, und zwar unter der Brücke, unter der es muffig roch und allerlei Gerümpel herumlag, den niemand mehr haben wollte. Da lag auch ein Gürtel aus geflochtenem Leder, achtlos weggeworfen. Dieser Gürtel lag in einem seltsamen Licht da, unwirklich wie ein Märchengegenstand, trotzdem höchst real, als gehörte er zu einer anderen, wirklicheren Welt. Und er war für ihn da, für Peter Hunkeler, für das Kind, das er einmal gewesen war und jetzt auf geheimnisvolle Weise plötzlich wieder aufs Neue war. Er wagte sich nicht zu rühren vor diesem Fund, weil er fürchtete, er könnte ihm im letzten Moment abhanden kommen, wegrutschen, sich wegschlängeln. Da hörte er einen Ton. Dieser Ton rief ihn von weit her, aus einer fernen Höhle vielleicht, mit der er im Moment nichts zu schaffen hatte. Dort lag der Gürtel, den galt es zu bergen. Aber da war wieder der Ton.

Hunkeler erwachte. Er hörte das Telefon draußen im Gang klingeln, er zählte achtmaliges Aufhören und Wiedereinsetzen des Tones, bis er begriff, dass er gemeint war.

Er schob Hedwigs Bein von seinem Unterschenkel, stieg aus dem warmen Bett, trat in den eiskalten Flur hinaus und hob ab. Es war Madörin.

[96] "Bist du wahnsinnig", sagte Hunkeler, "wie spät ist es denn?"

"Kurz vor sieben", sagte Madörin. "Es tut mir leid, aber es sind ein paar Dinge geschehen, die dich vielleicht interessieren könnten."

"Ich habe einen Traum gehabt", sagte Hunkeler, "aber den erzähle ich dir nicht. Ein Gürtel aus geflochtenem Leder kam darin vor. Der war wie ein Tier, der war für mich."

"Wach endlich auf", sagte Madörin, "träumen kannst du später. Also pass auf: Erstens ist in die Garderoben der Kanalarbeiter an der Hochbergerstraße eingebrochen worden. Drei Kästen sind durchsucht worden. Heute Nacht war das."

"Eingebrochen", sagte Hunkeler, "so." Er spürte die Kälte an seinen nackten Fußsohlen, wie sie aufstieg in seinen Körper. Durch das vergitterte Fenster der Haustür sah er draußen die Dunkelheit.

"Ja", sagte Madörin, "der Nachtwächter hat es bemerkt und die Polizei angerufen."

"Mitten aus dem Schlaf", sagte Hunkeler und gähnte. Er hörte, wie Hedwig drinnen im Bett herumrutschte und wieder zu schnarchen begann.

"Meinst du eigentlich, es mache mir Vergnügen, dich aus dem Schlaf zu klingeln?", fragte Madörin giftig.

"Entschuldigung. Hier draußen ist noch tiefe Nacht. Hier draußen ist tiefster Frieden."

Madörin ging nicht darauf ein. "Zweitens: Kayat ist verschwunden."

"Wie verschwunden?" Hunkeler spürte plötzlich Harndrang, den er kaum beherrschen konnte.

[97] "Bist du jetzt endlich wach?"

"Ja, ich bin wach", schrie Hunkeler in die Sprechmuschel. "Wie verschwunden?"

"Ich habe, als ich vom Einbruch erfuhr, sofort den Schneeberger im Drei Könige angerufen. Er saß in der Eingangshalle und war offenbar kurz eingenickt. Er ging nachschauen im Zimmer 125. Das Zimmer war leer. Ausgeräumt. Vogel ausgeflogen."

"Und Haller?"

"Der war bis um zwei Uhr auf dem Treidelweg zum Rhein hin. Dann hat es ihm offenbar zu stark geschneit, und er ist für zwei Stunden nach Hause gegangen, um Kaffee zu trinken und sich aufzuwärmen."

"Seid ihr alle übergeschnappt?", schrie Hunkeler. "Ich habe gesagt, rund um die Uhr, und nicht, solange es euch passt."

Er hörte, wie Hedwig in der Stube etwas murmelte, sie träumte.

"Die einen liegen im Doppelbett in der Bauerns

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