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So nah der Tod Thriller von Falken, Thea (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.03.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Ab 29.03.2019 per Download lieferbar

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So nah der Tod

'Bye Mama' formen die kleinen blutigen Handabdrücke auf der Tapete. Neben dem leeren Bettchen liegt ein Brief des Entführers mit einem Rätsel - wird dieses nicht rechtzeitig gelöst, stirbt Annikas Tochter! Panisch ruft Annika ihren besten Freund Sebastian zu Hilfe. Zur gleichen Zeit findet Hauptkommissar Eric Weinsheim unter einer grausam verstümmelten Frauenleiche Sebastians Bibliotheksausweis. Als Weinsheim erfährt, dass sein Tatverdächtiger gerade eine Kindesentführung gemeldet hat, ahnt er, dass die Fälle zusammenhängen ...

Thea Falken ist das Pseudonym der Autorin Astrid Freese, die 1969 in Sachsen geboren wurde. Nach Lehre, Studium der Betriebswirtschaft und Familienzuwachs arbeitete sie als Datenerfasserin und schrieb zahlreiche Geschichten für ihre Tochter. Die erste Veröffentlichung ließ nicht lange auf sich warten. Mittlerweile hat sie über ein Dutzend Romane veröffentlicht. So nah der Tod ist ihr erster Thriller.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 396
    Erscheinungsdatum: 29.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732561513
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Eric Weinsheim .1
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So nah der Tod

1. Kapitel

Annika Ritter

10. August, 23:10 Uhr

"Komm, lass uns einfach von hier verschwinden", flüsterte Stefan in mein Ohr. Er trat hinter mich, zog mich an seine Brust und schloss die Arme um mich. "Jetzt gleich."

"Das geht doch nicht", widersprach ich halbherzig. "Wir haben das Haus voller Gäste."

"Die super ohne uns klarkommen. Frank, Hendrik und Jonas haben vor zwei Stunden unsere Vorratskammer im Keller entdeckt. Glaub mir, es ist besser, wir tauchen unter und kommen erst in einem Monat zurück. Dann finden wir zwar nur noch leere Regale vor, aber die sind mir lieber als meine Verwandtschaft."

Ich wusste, dass er das nicht so meinte, zumal Frank und Jonas unsere Nachbarn waren, ohne die wir wohl erst in zehn Jahren in unser Haus gezogen wären.

Die drei grinsten mir zu, als sie mir mit einer im Keller gefundenen Flasche Woodford Reserve Classic Malt zuprosteten.

Stefan stöhnte entsetzt, als sich unsere Nachbarn und Franks Schwager Hendrik den letzten Rest des knapp hundert Euro teuren Whiskys direkt aus der Flasche teilten. Brüderlich, obwohl sie nicht verschiedener hätten sein können.

Stefan hatte Frank den Spitznamen Teddybär verliehen, als sie sich das erste Mal begegneten. Denn über Franks Schmerbauch spannte sich sein weißes Oberhemd wie ein Segel bei Windstärke acht. Seine gutmütigen braunen Augen verschwanden beinah hinter einer dicken Hornbrille, und sein Doppelkinn zierte ein dunkler Kinnbart. Hendrik und Jonas hingegen wirkten, als wären sie als Sportler geboren worden. Groß, schlank, drahtig. Allerdings bestand der einzige Sport, den Jonas betrieb, darin, den Rasenmäher übers Grundstück zu schieben, wenn er Urlaub hatte. Hendrik hingegen hatte als Amateurboxer im Mittelgewicht bereits ein paar Pokale nach Hause geholt. Worauf er ebenso stolz war wie auf sein volles blondes Haar, weshalb er Jonas, dem vor drei Jahren die Hälfte seiner Haare ausgefallen war, wegen seines rasierten Glatzkopfes immer aufzog.

"Hoffentlich finden sie nicht die zweite Flasche", ächzte Stefan.

Lachend hob ich den Kopf und sah über meine Schulter in seine grünen Augen, die vor Humor und Überschwang leuchteten. Was wohl an dem Sekt lag, den er getrunken hatte. Stefan trank kaum Alkohol, doch heute kam er nicht dazu, das Glas abzustellen. Bei mehr als fünfzig Leuten, die gratulieren wollten, erwies sich das als ebenso unmöglich, wie während der Rushhour in der Berliner U-Bahn einen Sitzplatz zu ergattern.

Irgendein Witzbold unter unseren Gästen hatte den DJ überredet, Ballermann-Musik aufzulegen. Jürgen Drews' Stimme hallte zusammen mit hämmernden Bässen über den Rasen und brachte vermutlich noch meine Gläser in der Anbauwand zum Klirren. Innerhalb von Sekunden verwandelte sich unsere Terrasse in ein Meer aus lachenden Menschen, die ihre Hüften kreisen ließen. Meinem besten Freund Bastian gelang es mit einer galanten Verbeugung, unsere betagte Nachbarin auf die Tanzfläche zu führen. Ursula Leipolds Gehstöcke standen einsam und verwaist neben ihrem Stuhl, während ihre silbergrauen Locken im Takt der Musik auf und ab wippten. Ihr Gesicht, das sonst Ähnlichkeit mit einer Walnuss hatte, glättete sich, die Andeutung eines Lächelns schlich sich in ihre Mundwinkel und ließ sie zwanzig Jahre jünger aussehen.

Der DJ spielte am Lautstärkeregler. Die Bässe schwollen an und setzten sich wummernd durch den Boden fort. Nicht zum ersten Mal am heutigen Tag war ich froh, all unsere Nachbarn eingeladen zu haben. Wir wohnten in einer ruhigen kleinen Straße, wo man noch die Bürgersteige hochklappte (wenn wir denn welche hätten), sobald sich Fuchs und Elster gute Nacht wünschten.

Ich hatte eigentlich auf all das Weiß verzichten wollen. Die unschuldige Farbe, in die sich viele Bräute kleideten, ließ mich ebenso farblos und durchsichtig erscheinen wie eine Fensterscheibe. Weshalb mein Kleid genauso rot war

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