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Spätfolgen Kriminalroman von Bortlik, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.02.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (PDF)
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Spätfolgen

Was tun? Melchior Fischer wollte eigentlich nur einen Artikel schreiben, einen gewöhnlichen Artikel über die Anti-Atomkraftbewegung. Und plötzlich stolpert er bei seiner Recherche über eine Leiche im Keller - eine nicht sprichwörtliche Leiche! Als er dann auch noch das geheimnisvolle Tagebuch seines verstorbenen Bruders entdeckt, das eindeutig in Verbindung mit dem Todesfall steht, muss Melchior - ausgerechnet jetzt fastet er heil und streng - erst mal eine Tasse Beruhigungstee trinken ...

Wolfgang Bortlik, geboren 1952 in München, lebt mit Unterbrechungen seit 1965 in der Schweiz, momentan in Riehen bei Basel. Er hat drei erwachsene Kinder und als Hausmann mit dem seriösen Schriftstellerhandwerk begonnen. Studiert hat er in München und Zürich, aber keinen Abschluss gemacht. Danach hat er im Buchhandel gearbeitet und ist bis heute diesem Metier verbunden. 1998 erschien sein erster Roman. Rezensiert er gerade keine Bücher, so sinniert er an Sportgedichten, damit der gewöhnliche Sportfan der NZZ am Sonntag nicht gänzlich die schönen Künste missen muss. 'Spätfolgen' ist sein zweiter Krimi um den Hobby-Detektiv Melchior Fischer.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 244
    Erscheinungsdatum: 04.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839246054
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Serie: Gmeiner Spannung Bd.1
    Größe: 2478kBytes
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Spätfolgen

1. Kapitel

Melchior Fischer hat keine besonders gute Laune. Er blättert in den gelbstichigen Seiten einer schlampig gehefteten Broschüre. Die Texte sind mit einer Schreibmaschine getippt, bei der ab und zu ein Buchstabe aus der Reihe tanzt. Das Heft hat Fischer in seiner Bibliothek gefunden. Es ist eine Kampfschrift aus der Mitte der Siebzigerjahre, altes, totes Papier. Der Widerstand gegen die Atomkraftwerke in Deutschland und der Schweiz wird zum letzten Gefecht gegen den Kapitalismus heraufbeschworen.

Der Kampf gegen die AKWs hat in Europa jene breite Öffentlichkeit und Infragestellung der kapitalistischen Wirklichkeit ansatzweise wieder geschaffen. In der Anti-AKW-Bewegung ist wieder ein Forum entstanden, in der sich massenhaft die Verweigerung gegenüber der Selbstverständlichkeit und scheinbaren Unersetzbarkeit des kapitalistischen Systems ausdrücken kann.

Fischer gähnt ausgiebig. Was er da liest, gefällt ihm nicht. Es ödet ihn an. Das ist verdammter Politjargon aus dem letzten Jahrhundert. Theorie. Das sind verlorene Illusionen. Verkokelte Traumreste. So haben die sich das vorgestellt, die Politischen damals, vom Widerstand gegen das Atomkraftwerk direkt hinein in die soziale Revolution. Dass die Bauern, die Häuslebesitzer, die jungen Lehrerehepaare mit kleinen Kindern, die rund um die radioaktiven Drecksschleudern leben mussten, nun sofort in die Revolutionäre Marxistische Liga eintreten und den Kapitalismus zum Teufel schicken würden. Fischer nimmt die Brille ab und kratzt sich hinter dem Ohr. Er hat das ja ebenfalls geglaubt als junger Mensch. Wie alt war er damals? Achtzehn, neunzehn? Er war davon überzeugt, dass ein Umbruch kommen muss, dass sich das Volk vereint gegen die alten Mächte stellt. Dass diese Ungeheuerlichkeit, die Gefahr der Atomkraft, auch noch den Hinterletzten aufrütteln und ihm die Brutalität und die Menschenverachtung des Kapitalismus zeigen würde. Dass dann von einer neuen Aufklärung endlich das Reich der Vernunft installiert und sowieso alles besser würde. Aber wie die Gegenwart zeigt, haben sich nicht nur Fischer, sondern auch andere, wesentlich renommiertere Geistesheroen diesbezüglich geirrt.

Fischer kratzt sich hinter dem anderen Ohr. Damals waren solche totalisierenden Texte wie der aus der Anti-Atombroschüre für ihn eine Offenbarung, jetzt geht ihm dieses Zeug ziemlich zäh hinunter. Keine Leidenschaft, keine Abenteuergeschichten, keine Love-Storys im Schatten des Kühlturms, keine Action, alles bloß blutleeres Räsonieren, ein armseliges Menü aus politischem Trockenfutter.

Einen dieser ellenlangen Artikel gegen die Atomlobby hat Fischers Bruder Balz geschrieben. Der stand damals an führender Position in der Bewegung gegen die Atomkraftwerke in der Schweiz. Jetzt, fast 40 Jahre später, nach dem Schock von Fukushima, soll Melchior Fischer etwas Schriftliches über diesen Widerstand abliefern. Selbstverständlich nicht unverdauliches Zeug über politische Ökologie, sondern richtige Geschichten mit Schmiss, mit Emotionen. Schuld an allem ist Eduard Mendota, ein alter Freund von Fischer, einer aus der grauen Vorzeit, den verwunschenen Tagen, aus der Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat. Einer immerhin, der auch heute noch an Fischer denkt. Vor zwei Tagen hatte er hier angerufen.

"Um Himmels willen, Mann, hängst du wieder in diesem verdammten Vorort herum, bei den alten Leuten und den jungen Lehrerfamilien? Schämst du dich nicht? Ich versuche dich schon den ganzen Tag zu erreichen. Hast du dein Handy verloren? Was machst du bloß immer in dieser grünen Hölle?"

Fischer hütet während der Osterferien das Häuschen im nördlichen Vorort von Basel, am Almagellweg, wo seine Exfrau Katharina und die Kinder Rebecca und Tim mittlerweile leben. Er hatte etwas pikiert geantwortet, dass er eben nicht so ein urbaner Teufel sei und gerne Zeit am Stadtrand von Basel im Grünen und in der Ruhe verbringe. Außerdem fahre er dabei

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