text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Speyerer Geheimnisse Kriminalroman von Lange, Kerstin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
8,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Speyerer Geheimnisse

Die geschichtsträchtige Reithalle im Speyerer Quartier Normand soll abgerissen werden, doch einige Bürger wehren sich entschlossen dagegen. Als einer von ihnen Opfer eines Unfalls mit Fahrerfl ucht wird, übernimmt Kriminaloberrat a. D. Ferdinand Weber die Ermittlungen - und entdeckt einen Zusammenhang mit einem Suizid vor neunundzwanzig Jahren. Je tiefer Weber gräbt, desto näher kommt er selbst dem Tod...

Kerstin Lange, Jahrgang 1966, schreibt seit 2009 Kriminalromane mit meist regionalem Bezug und kann auf einige Auszeichnungen blicken. Die idyllische Domstadt Speyer liefert ihr den Rahmen für psychologische Krimis rund um den pensionierten Kriminaloberrat Ferdinand Weber.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 22.09.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960411147
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 3270 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Speyerer Geheimnisse

2

Clément Aust gab ungern zu, dass das Warten auf den Postboten zu den Highlights seines Tages gehörte. Vom Küchenfenster aus sah er, wann Lutz Gruber, der ihn seit Jahren mit Briefen versorgte, mit seinem gelben Fahrrad vor dem Einfamilienhaus im Vogelgesang-Viertel ankam.

Tagtäglich, sogar meist um die gleiche Uhrzeit, kam Lutz. Manchmal trat Aust vor die Tür, um ihn vor dem Haus abzufangen, einen kleinen Plausch zu halten oder ein wenig über die aktuelle Lokalpolitik zu diskutieren. In Frankreich geboren, war er in Speyer heimisch geworden. Hier fühlte er sich wohl. Das Viertel gefiel ihm, die Rheinauen waren fußläufig oder mit dem Fahrrad gut zu erreichen, und Nachbarschaft wurde großgeschrieben.

Er fror in seinem dünnen Hemd, während er auf Lutz wartete. Die Ladefläche des Postfahrrads war überfüllt, und es schwankte jedes Mal gefährlich, wenn Lutz in die Pedale trat.

Auch kein Spaß, dachte Aust. Er beobachtete, wie Lutz vor dem Nachbarhaus anhielt, einen Stapel Briefe sortierte und in den Briefkasten warf. Als er ihn sah, hob er seine Hand und winkte ihm zu.

Austs Frau Katharina hatte auf den Briefkasten außerhalb der Haustür bestanden. Ein amerikanischer, so einer aus Aluminium, bei dem der Postbote die rote Fahne nach oben stellt, wenn er etwas dagelassen hat. Clément hatte, wie so oft, der Begeisterung seiner Frau nachgegeben. Heute fragte er sich allerdings immer öfter, ob sie ihn nicht verlassen hätte, wenn er ihren Wünschen widersprochen hätte. Einfach mal einen kräftigen Streit vom Zaun brechen, statt immer zu allem Ja und Amen zu sagen. Inklusive seiner Namensänderung. Hervier fand sie zu schwierig. Pfälzisch ausgesprochen klang es tatsächlich nicht sonderlich harmonisch, auf Französisch jedoch wunderbar.

Aber er war verblendet gewesen, verliebt und nicht im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten. Keine Frau vor Katharina hatte das in ihm bewirkt, er hielt es für die große Liebe. Anders konnte er es sich heute nicht mehr erklären, dass er zu so vielen Kompromissen bereit gewesen war. Harmonie war wichtig für ihn, und solange es nicht um existenzielle Dinge ging, hatte er sie gewähren lassen. Wobei die Einteilung in wichtige und weniger wichtige Dinge im Auge des Betrachters lag. Irgendwann hatte Katharina ihre Sachen gepackt, ihm einen Brief auf den Küchentisch gelegt, in dem stand, dass sie ihn verlassen werde. Er sei zu lieb.

Anfangs hatte er es für einen Scherz gehalten, eine Laune oder eine Folge von Hormonschwankungen und geglaubt, dass sie bald zurückkommen würde. Selten hatte er sich so getäuscht. Eine Woche später rief sie an und erklärte ihm, dass ihr eine andere Art der Trennung nicht möglich gewesen wäre, weil er ihr sicherlich eine Auszeit vorgeschlagen, alle Zeit der Welt gegeben und größtes Verständnis gezeigt hätte.

Wie gut sie ihn kannte! Genau so hätte er reagiert, hätte ihren Wunsch, ihn zu verlassen, nicht ernst genommen.

"Nimm dir alle Zeit der Welt, die du brauchst", hatte er am Telefon dann auch zu ihr gesagt.

Sie hatte laut aufgelacht, bevor sie ihm mit klarer, fester Stimme antwortete: "Mein Entschluss steht fest, ich brauche keine weitere Zeit."

Vor ein paar Monaten war der Brief eines Anwalts gekommen, und erst allmählich begriff er, dass er verlassen worden war. Weil er zu lieb war. Es klang für ihn wie ein vorgeschobener Grund, den wahren wusste er bis heute nicht, vermutete aber, dass ein anderer Mann dahintersteckte.

Lutz fuhr auf ihn zu und reichte ihm einen Stapel Post. "Habe keine Zeit heute", sagte er und setzte ohne eine weitere Erklärung seine Fahrt fort.

Aust blieb einen Moment stehen und blickte ihm irritiert hinterher, bevor er die Post durchsah. Ein Möbelgeschäft versprach dreißig Prozent Rabatt, eine Wohltätigkeitsorganisation für Kinder appellierte an sein Gewissen. Auch ein anderer Brief erregte seine Aufmerksamkeit. Ein einfacher weißer Umschlag, auf dem ein

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen