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Steckerlfisch Kriminalroman von Graf-Riemann, Lisa (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.06.2016
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
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Steckerlfisch

Hauptkommissar Stefan Meißner hat mit Freundin Marlu gerade ein historisches Haus in der Stadtmauer von Ingolstadt bezogen und alle Hände voll zu tun. Doch familiäre Verpflichtungen zwingen ihn, seinen ungeliebten Onkel in dessen nobler Senioren-Residenz am Chiemsee zu besuchen. Der alte Herr fühlt sich von Heimleitung und Personal bedroht und berichtet von seltsamen Todesfällen unter den Bewohnern. Meißner ahnt nicht, dass sich sein Sonntagsausflug zu einem mörderischen Fall auswachsen wird. Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger leben und schreiben im Berchtesgadener Land in Salzburgnähe. 'Steckerlfisch' ist nach 'Hirschgulasch' und 'Rehragout' ihr dritter gemeinsamer Kriminalroman. Von Lisa Graf-Riemann sind im Emons Verlag vier weitere Romane erschienen, zuletzt 'Madame Merckx trinkt keinen Wein', ein Südfrankreich Krimi. Lisa Graf-Riemann und Ottmar Neuburger leben und schreiben im Berchtesgadener Land in Salzburgnähe. 'Steckerlfisch' ist nach 'Hirschgulasch' und 'Rehragout' ihr dritter gemeinsamer Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 23.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863589943
    Verlag: Emons
    Größe: 3543 kBytes
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Steckerlfisch

Ingolstadt, Sonntag, 17. Mai 2015

Die Sonne scheint ins Zimmer, das heißt, sie versucht es. Das Fensterputzen würde sich hier lohnen. Der Vorher-Nachher-Effekt wäre so beflügelnd, dass man sich gleich die nächsten zehn Fenster vornehmen würde. Stefan Meißners erster Blick beim Aufwachen fällt auf die vor Staub und Dreck blinden Scheiben. Sein erster Gedanke: Das Kreuz tut mir weh. Der zweite Blick gilt dem Verursacher des Schmerzes, den mit orangefarbenem Frottee überzogenen Matratzen am Boden, auf denen er die Nacht verbracht hat. Ein Königreich für ein Bettgestell, ein möglichst hohes, und einen Lattenrost. Wie soll er jetzt aufstehen, ohne sich das Kreuz zu verrenken oder einen Nerv einzuklemmen? Jedenfalls ganz vorsichtig. Beim letzten Mal hat es drei Wochen gedauert, bis er wieder normal gehen konnte. Sechs Sitzungen bei der Physio, morgens und abends Übungen für Muskeln, von deren Existenz er bis dahin keine Ahnung gehabt hatte. Jetzt ganz vorsichtig, nur nicht ruckartig. Die Bewegung muss sanft sein, so geschmeidig, wie es eben geht.

Beim Aufwachen hat er einen kurzen Moment lang nicht gewusst, wo er ist. Erst der Blick neben sich auf die zweite Matratze hat ihm Klarheit gebracht. Der zerzauste dunkelblonde Haarschopf auf dem Kissen mit dem psychedelischen Retro-Kreismuster, von dem einem ganz schwindelig wird. Wo Marlu diese Sachen nur herhat? Sie waren ihm in ihrer alten Wohnung in der Sebastianstraße nie aufgefallen.

In das Knäuel neben ihm kommt Bewegung. Marlu hebt den Kopf, dreht das Gesicht zu ihm und starrt ihn ungläubig an, als würde sie ihn nicht erkennen, oder, noch schlimmer, sich fragen, wie um Himmels willen er auf die Matratze neben ihr gekommen ist. Er hält still, wegen seines Rückens. Dann kommt scheinbar ihre Erinnerung zurück.

"Ah, du bist es", sagt sie, was er nicht besonders charmant findet.

"Hast du jemand anderen erwartet?", fragt er.

"Es ist noch so ungewohnt", sagt sie und kuschelt sich an ihn. Er nimmt sie in seine Arme, ganz vorsichtig, wegen des Rückens. "Fühlt sich an wie ein echtes Abenteuer, oder?", fragt sie.

"Eigentlich würde ich das Abenteuer gern woandershin verlagern, in ein stabiles Bett zum Beispiel."

"Ich meine nicht die Matratzen", antwortet sie. "Wobei ich finde, dass die unbedingt dazugehören. Ich meine das Ganze, dass wir endlich zusammenziehen. Unsere erste gemeinsame Wohnung! Das ist das Abenteuer."

"Und dann gleich ein ganzes Haus, ungefähr fünfhundert Jahre alt und in die Stadtmauer eingezwängt. Mit Rapunzelgarten."

"Hättest du dir das je gedacht?", fragt Marlu ganz verzückt.

"Nein, ich hab immer gedacht, ich schaffe irgendwann den Absprung aus Ingolstadt. Ich wäre immer gern in den Süden gegangen."

"Nach Rosenheim vielleicht?" Marlu grinst.

"Haha. Ich meinte schon eher südlich des Alpenhauptkammes. Zumindest auf der Höhe Gardasee oder so."

"Ist doch langweilig da. Immer Sonne, leckeres Essen, dolce vita , schöne Frauen, leichtes Bier."

"Und kein CSU -Ministerpräsident, der gleich im nächsten Dorf wohnt."

"Pffft", macht Marlu.

"Na ja, eine schöne Frau hab ich ja schon. Und dann nehme ich an, es ist die Sonne, die die Scheiben blind macht, nicht der Schmutz. Und wenn ich jetzt auch noch ohne große Verletzungen von dieser Matratze hochkomme, dann kann ich auch für unser leibliches Wohl sorgen und fürs Frühstück einkaufen gehen." Er küsst sie vorsichtig. "Ich finde, wir sollten den ersten Tag in unserer ersten gemeinsamen Wohnung nicht mit Brot von gestern beginnen. Deine umfassenden Renovierungspläne bedürfen einer soliden Grundlage."

"In vier Wochen sind wir durch. Vielleicht auch ein bisschen früher, dann sind sogar noch ein paar Tage Gardasee drin. Im Juni ist es dort schon warm, oder?"

"Ich würde sogar sagen, der Juni ist dort die schönste Zeit. Alles blüht ...

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