text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Stiller Tod Thriller von Smith, Roger (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.10.2012
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Stiller Tod

Als die kleine Sunny vor dem Haus ihrer Eltern ertrinkt, raucht ihr Vater gerade einen Joint, während ihre Mutter sich mit ihrem Liebhaber in der Küche vergnügt. Nur Vernon Saul, eine verwundete, aber gefährliche Seele, bekommt mit, was am Strand vor sich geht. Doch er greift nicht ein. Der ehemalige Polizist aus den Elendsvierteln von Kapstadt ist für seine Skrupellosigkeit und Brutalität bekannt. Inzwischen arbeitet er für eine Sicherheitsfirma und dreht in den Bezirken der Reichen seine Runden. Das Gefühl von Macht ist das Einzige, was Saul antreibt. Und er hat Macht - über Dawn, eine drogensüchtige Prostituierte, die er erpresst, über seine Mutter, die er in ihrem eigenen Haus wie eine Sklavin hält, und über Nick Exley, der kurz nach Sunnys Tod eine Tat begeht, die alles auf den Kopf stellt. Roger Smith, 1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt und arbeitet in Kapstadt. Während der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv gegründet. Daraus ist eine Reihe von wichtigen, international erfolgreichen Protestfilmen hervorgegangen. Sein Debüt "Kap der Finsternis" aus dem Jahr 2009 war ein großer internationaler Erfolg und wird in Hollywood verfilmt. 2010 erschien "Blutiges Erwachen", beide Bücher standen wochenlang auf Platz 1 der KrimiWelt-Bestenliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 380
    Erscheinungsdatum: 24.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608103335
    Verlag: Klett-Cotta
    Originaltitel: Capture
    Größe: 4323 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Stiller Tod

KAPITEL 2

Am Geburtstag seiner Tochter wurde Nick Exley früh wach und konnte es kaum erwarten, mit ihr in sein Studio zu gehen. Zuerst musste er jedoch seiner Frau entwischen, die mit dem Gesicht nach unten ausgestreckt neben ihm lag, als hätte sie aus großer Höhe einen Hechtsprung gemacht. Er schob sich aus dem Bett, ganz vorsichtig, um Caroline ja nicht zu wecken. Seine Sorge war unbegründet. Sie schnarchte, ausgeknockt von den Medikamenten, die sie, im optimistischen Jargon ihres Psychiaters, topfunktionstüchtig hielten.

Exley stieg in ein paar Surfshorts und zog sich ein T-Shirt über. Er nahm seine Brille von der Kommode, setzte sie auf die Nase, und sofort nahm das Schlafzimmer des gemieteten Hauses scharfe Konturen an: eine Studie in Braun- und Beigetönen, so unpersönlich wie eine Hotelsuite. Caroline, das Gesicht vom Schlaf zerfurcht, stöhnte, wurde aber nicht wach, ein Speichelbläschen dick wie eine Zecke im Mundwinkel.

Exley schlich aus dem Zimmer und schloss behutsam die Tür. Nur das ferne Raunen des Ozeans störte die Stille des Morgens. Er hob einen großen, fröhlich eingepackten Karton auf, der an der Wand des mit Teppichboden ausgelegten Flurs lehnte, und ging zu Sunnys Zimmer. Die Tür stand einen Spalt offen. Sunny lag auf dem Bauch, umgeben von einem Haufen Spielsachen. Er gab ihr einen Kuss auf die Stirn, und sie lächelte zu ihm hoch, die Augen noch geschlossen.

"Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Sunny", sagte Exley. Das Geschenkpapier knisterte, als er sich aufs Bett setzte.

"Was ist das?" Sie schlug die verschlafenen Augen auf und wollte nach dem Paket greifen.

Er hielt es knapp außerhalb ihrer Reichweite. "Wirst du schon noch sehen. Zuerst haben wir was zu erledigen."

"Was denn, Daddy?"

"Was wir immer machen, Schätzchen. Was wir immer machen."

Exley hob Sunny aus dem Bett, ihr Körper warm und duftend unter dem Schlafanzug, und trug sie zusammen mit dem Geschenk die Treppe hinunter in sein Studio, das er über die Jahre hinweg trotz aller Umzüge beibehalten hatte, weil er von seiner Arbeit zu besessen war, um ohne sie auszukommen.

Er schob die getönte Glastür hinter ihnen zu. Das Murmeln des Ozeans wurde vom Rauschen der Klimaanlage übertönt. Bildschirme starrten ihn blind an, und das glänzende Gehäuse einer Workstation schimmerte im Lichtschein der versteckten Spotlights. Er fuhr den Computer hoch, hörte das statische Knistern, als die Monitore erwachten.

Exley zog seine Tochter aus und zwang ihren zappelnden Körper in ein hautenges, schwarzes Outfit - den ersten Motion-Capture-Anzug, den er für sie hatte maßanfertigen lassen. Die Lieferung war tags zuvor erst gekommen.

Als sie ein Jahr alt geworden war, in Paris, war es ein Strampler mit vielen eingenähten Sensoren gewesen, der ihre tollpatschigen, wackeligen Gehversuche für alle Zeit aufgezeichnet hatte. Ein Donald-Duck-Schlafanzug hatte diese Aufgabe an ihrem zweiten Geburtstag übernommen, der in einem Stadthaus in Santa Monica gefeiert worden war, und an ihrem dritten war es ein enges T-Shirt mit Leggings gewesen, als sie in ihrer Londoner Wohnung Fiona aus Shrek nachgeahmt hatte.

Unverändert war stets das Gitterwerk aus winzigen, schwerelosen digitalen Markern geblieben, die auf ihrem Körper verteilt waren, das Nervensystem der Motion-Capture-Erfindung, die ihn zu einem reichen Mann gemacht hatte (massenhaft an Trickzeichner verkauft, an Special-Effects-Firmen und Computerspiele-Entwickler) und ihn für drei Monate hierher nach Kapstadt gebracht hatte.

Diese Sensoren, die auf die kleinste Bewegung reagierten, übertrugen die Essenz von Sunny in Tausende digitale Impulse

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen