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Strandgut - Küstenstrich - Gezeitenspiel von Cors, Benjamin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2018
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Strandgut - Küstenstrich - Gezeitenspiel

Drei Fälle für Nicolas Guerlain, den toughen Personenschützer mit einer Vorliebe für Chansons und dem Herzen eines großen Liebenden. Temporeich, hochspannend, atmosphärisch: Die ersten drei Fälle für den charismatischen Personenschützer Nicolas Guerlain.
Strandgut: Ein unverzeihlicher Fehler vor den Augen der Weltöffentlichkeit: Für den jungen Personenschützer Nicolas Guerlain wird ein Auftrag zum Desaster, als er vor laufender Kamera den Mann zu Boden schlägt, den er eigentlich beschützen sollte. Er wird strafversetzt, ausgerechnet in seine alte Heimat, den Badeort Deauville in der Normandie. Dort aber spült das Meer seltsame Dinge an Land – und für Nicolas beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit ... Küstenstrich: Drei Morddrohungen in nur einer Woche am Zaun eines exklusiven Anwesens in der Normandie. Jemand hat es ganz offenbar eilig, den Eigentümer der Luxusvilla, einen zwielichtigen Adeligen, zu töten. Verhindern soll dies Nicolas Guerlain, einer der besten Personenschützer des Landes. Doch noch bevor er Bekanntschaft mit seiner Schutzperson machen kann, stößt Nicolas auf eine Leiche: Vom Pont de Normandie hängt eine leblose Gestalt. Und das ist erst der Anfang ... Gezeitenspiel: BODYGUARD. Dieses Wort versucht ein sterbender Mann an der Küste der Normandie mit letzter Kraft in den Boden zu ritzen. Die Buchstaben sind eine Botschaft und führen zu Nicolas Guerlain, Personenschützer der französischen Regierung. Zur gleichen Zeit erfährt Nicolas, dass ein Anschlag auf die Feierlichkeiten in der Normandie am 6. Juni droht, dem Jahrestag der Alliierten-Landung. Ein mörderisches Spiel beginnt, das Nicolas um jeden Preis gewinnen muss, denn der Einsatz ist so hoch wie nie. Benjamin Cors ist politischer Fernsehjournalist und hat viele Jahre für die ARD Tagesschau, die ARD Tagesthemen und den Weltspiegel berichtet. Heute arbeitet er für den SWR. Er ist Deutsch-Franzose und hat die Sommer seiner Kindheit in der Normandie verbracht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 1264
    Erscheinungsdatum: 20.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423435017
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Größe: 2227 kBytes
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Strandgut - Küstenstrich - Gezeitenspiel

Deauville

Im Herbst 1967

A ntoine Bazin war ein gewissenhafter Mensch. Er war nie voreilig, stets dachte er zuerst nach, bevor er handelte. Weil dies oft eine gewisse Zeit in Anspruch nahm, galt Bazin bei den wenigen Menschen, die ihn wirklich kannten, nicht unbedingt als besonders schnell. Aber eben als sehr gewissenhaft, und er selbst fand, dass dies wesentlich wichtiger war. Denn eine schnelle Entscheidung war selten die richtige. Eine gewissenhafte Entscheidung blieb hingegen, ob richtig oder falsch, doch immer gewissenhaft. So sah er das.

Und daher war er verblüfft, wie sehr er an jenem Abend von sich selbst überrumpelt wurde. Nach mehr als zehn Jahren als Croupier im Casino von Deauville traf er eine Entscheidung, die nicht nur schnell war, sondern auch grundlegend falsch. Und eben überhaupt nicht gewissenhaft. Aber als er das bemerkte, war es bereits zu spät, und am Ende der Nacht war Antoine Bazin tot.

Der Mann kam gegen dreiundzwanzig Uhr an seinen Tisch. Er war nicht sehr groß, eher jung als alt, was aber aufgrund seines etwas gedrungenen Körpers schwer einzuschätzen war. Bazin hatte das unbestimmte Gefühl, ihn schon einmal gesehen zu haben. Zwei andere Croupiers saßen mit ihm am Tisch, und noch ein weiterer, es war an diesem Abend Bécaud, etwas abseits auf einem leicht erhöhten Holzstuhl.

Er hätte wissen müssen, dass sein Fehler nicht unbemerkt blieb. Mit Bécaud war nicht zu spaßen, das galt für Spieler wie für Croupiers.

Bazin hatte dem Mann, der jetzt zwei Stühle neben ihm einen frei gewordenen Platz einnahm, zuerst auf die Hände geschaut. Das tat er immer bei einem neuen Spieler, und aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie die anderen Croupiers den Neuen ebenfalls musterten. Oben auf seinem Sitz beobachtete auch Bécaud in diesem Moment misstrauisch jede Bewegung des Gastes. Der Croupier aber, der dem neuen Spieler am nächsten saß, war nun mal er, Bazin. Erst im Laufe der Nacht würde ihm klar werden, dass der Fehler, den er gemacht hatte, bereits zu diesem frühen Zeitpunkt unvermeidlich gewesen war.

Bazins Tisch stand im linken Teil des großen Saals. Das Licht der Kronleuchter spiegelte sich auf den Gläsern und Zigarettenetuis der acht Spieler und wurde von dort auf den Roulettetisch geworfen. Ein stetes Murmeln schob sich durch den Raum, begleitet vom feinen Klicken der Kugel, die erst zögernd, dann zielsicher auf der 24 landete, gefolgt von den kurzen und präzisen Ansagen des Croupiers.

"24, schwarz, Pair und Passe , gerade und in der zweiten Hälfte des Tisches. Mittleres Dutzend."

Ein Schieber glitt über den Filz und sammelte die Einsätze ein, während gleichzeitig die Gewinne in fließenden Bewegungen ausgeteilt wurden. Kein Jeton gelangte an eine falsche Stelle.

Die Hände des Mannes lagen auf dem Tisch wie zwei Stücke totes Fleisch.

Hände, die sich wenig bewegten, waren schwer zu lesen. Und Antoine Bazin war einer der Besten, wenn es darum ging, Hände zu lesen, die Absichten ihres Besitzers am Trommeln der Finger zu erkennen, am nervösen Verschieben eines Eherings. Gepflegte Hände, zitternde Hände. Schweiß, Unruhe, Gelassenheit. Eine Transversale , das Setzen auf eine Querreihe aus drei Zahlen, als maximales Risiko. Die Bereitschaft zur Unvernunft. Ein Kolonnen-Spieler. Passe und Manque , den ganzen Abend. Oder ein Cheval , das Setzen auf zwei nebeneinanderliegende Zahlen. Hohes Risiko. Auszahlungsquote 17:1. Bazin brauchte oft nur wenige Augenblicke, um seine Spieler im Kopf zu sortieren. Er schob sie in Schubladen, im gleichen Rhythmus, wie der Schieber die Jetons von ihnen wegholte. Er gab ihnen Namen und Bezeichnungen, sortierte sie in eine bestimmte Reihenfolge und änderte diese, wenn ein Spieler sich vom Tisch erhob. Bazin räumte gerne auf, und die Gedanken an sein langweiliges Leben außerhalb des Casinos kamen dabei in seinem Kopf stets weit nach hinten. Er durft

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