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Sylter Gift Kriminalroman von Tomasson, Ben Kryst (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2019
  • Verlag: Aufbau Verlag
eBook (ePUB)
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Sylter Gift

Die Tote von Sylt. Als die Frau eines Autohausbesitzers tot aufgefunden wird, kehrt die Undercover-Ermittlerin Kari Blom nach Sylt zurück. Sie muss sich bei ihrem Einsatz nicht nur mit den aufdringlichen Avancen ihres neuen Chefs auseinandersetzen, auch ihre Angst vor Nähe wird zu einem Problem: Kriminalhauptkommissar Jonas Voss, mit dem sie eine heimliche Beziehung führt, möchte mit ihr zusammenziehen. Zum Glück stehen ihr die Damen von der Häkelmafia mit Rat und Tat zur Seite - ohne zu ahnen, dass sie sich und Kari in tödliche Gefahr bringen... Ein packender Kriminalroman voller Meer, Dünen und liebenswerter Figuren. Ben Kryst Tomasson, geboren 1969 in Bremerhaven, ist Germanist und Pädagoge (M.A.) und promovierter Diplom-Psychologe. Er hat einige Jahre in der Bildungsforschung gearbeitet, ehe er sich als freier Autor selbständig gemacht hat. Tomassons Leidenschaft gehört den Geschichten, die das Leben schreibt, den vielschichtigen Innenwelten der Menschen und dem rauen Land zwischen Nordsee und Ostsee. Wenn er nicht schreibt, verbringt er seine Zeit am liebsten mit einem guten Buch am Meer - oder mit seiner Frau im Café.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 15.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841217257
    Verlag: Aufbau Verlag
    Größe: 2366 kBytes
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Sylter Gift

1.

"Ach, Gott." Alma, die ein Stück vorausgelaufen war, schlug die Hände vor den Mund. "Nicht schon wieder ein Toter."

Marijke, Grethe und Witta folgten ihr eilig. Die vier alten Damen, zu deren gemeinsamen Leidenschaften sowohl die Häkelarbeit als auch das Beobachten von Seevögeln zählten, hatten Marijkes Wagen am Hörnumer Leuchtturm geparkt und waren über den Weg am Restaurant Südkap vorbei zum Strand hinuntergelaufen.

Die Sonne war bereits untergegangen, und die Dunkelheit hatte sich mitsamt einer dicken Wolkendecke über die Insel geschoben. Nur im Westen waren noch ein Streifen hellblauen Himmels und ein rötlicher Schimmer zu sehen. Darunter erstreckte sich das Meer, das schwarzglänzend an den Strand schwappte, mit weißen Schaumkronen, die auf den Wellen zu tanzen schienen. Eine steife Brise von Südost wehte den Frauen Sand in die Augen. Sie hatten einmal um die Hörnum-Odde herumwandern wollen, um zu sehen, ob alles in Ordnung war. Doch offenbar war es das nicht.

Marijke blieb neben Alma stehen, schaltete ihre lichtstarke Taschenlampe ein und richtete sie auf das Objekt vor Almas Füßen.

Es war eine Silbermöwe, ein großer und eindrucksvoller Vogel mit weißgrauem Gefieder, einem leuchtend gelben Schnabel und wachsamem Blick. Nun aber waren die Augen stumpf, ebenso wie das Federkleid. Die Möwe lag auf dem Rücken und war zweifellos tot. Wahrscheinlich hatte die Flut sie angespült.

Es war ein deprimierender Anblick.

"Das ist die achte", stellte Grethe nüchtern fest. Sie war dazugetreten und beugte sich über den Kadaver. "Mehr als ein halbes Dutzend tote Möwen innerhalb von drei Wochen. Und das sind nur die, die wir gefunden haben. Da stimmt doch was nicht."

Ihre drei Häkelschwestern stimmten ihr zu.

"Wir müssen irgendetwas unternehmen", sagte Alma, die immer noch mit betroffener Miene auf den Vogel zu ihren Füßen sah.

"Was denn?", fragte Witta, verwitwete Gattin eines Kampener Landarztes, und rückte ihre weiße Dauerwelle zurecht, wie sie es immer tat, wenn sie angespannt war. Eine Übersprunghandlung, das hatte Marijke schon vor längerer Zeit festgestellt.

Eine eisige Brise fegte über die Insel, fuhr Marijke unter die Jacke und ließ sie frösteln.

Witta hörte auf, ihre Frisur zu richten.

"Wir haben doch schon Briefe geschrieben", sagte sie anklagend. "An die Naturschutzbehörde. Und ans Bundesumweltamt. Anscheinend nimmt man unsere Sorge dort nicht ernst."

"Dann müssen wir eben eine andere Lösung finden", beharrte Alma, die mit ihrem verstorbenen Mann eine Bäckerei in Westerland betrieben hatte. Ihre immer versöhnliche Art hatte ihr im Umgang mit schwierigen Kunden ebenso gute Dienste geleistet, wie sie es jetzt bei ihren Häkelfreundinnen tat.

Witta seufzte theatralisch. "Und du hast sicher schon einen Vorschlag?"

Alma hob endlich den Blick. "Wir könnten Kari Blom informieren."

Das war die junge Schriftstellerin, die in den vergangenen drei Jahren jeden Sommer für ein paar Wochen in Marijkes Gartenhaus gewohnt hatte, weil sie über irgendjemanden auf der Insel ein literarisches Porträt anfertigen wollte. Ein Buch war daraus noch nie entstanden, stattdessen war Kari jedes Mal in Kriminalfälle verwickelt worden und hatte mehr als einmal ihre Unschuld beweisen müssen. Marijke und ihre Häkelschwestern hatten ihr dabei zur Seite gestanden, und am Ende waren die wahren Täter gefasst und verurteilt worden.

Witta schnalzte mit der Zunge.

"Und was, meinst du, soll sie tun? Ein Buch darüber schreiben?"

Marijke schaute nachdenklich aufs Meer hinaus. Weit draußen waren Lichter zu sehen, weiß und grün. Ein großes Schiff, das nach Norden fuhr.

"Das wäre vielleicht nicht das Schlechteste", bemerkte Grethe, einstige Gattin eines Keitumer Klempners und die pragmatischste der Häkelschwestern.

Witta schaute zu Marijke. "Haben wir überhaupt ihre Adresse? Oder ihre Telefonnummer?"

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