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Tödliche Wallfahrt von Himmelseher, Volker (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Tödliche Wallfahrt

Die Römerin Carla liegt im Sterben. Lorenzo, der Schutzheilige ihrer Kirche, erscheint ihr im Traum und verspricht ihr Heilung durch den heiligen Hippolytus, der auch ihm geholfen hat. Dessen Gebeine ruhen in Köln in der Kirche St. Ursula. Carla ist zu schwach, um eine Wallfahrt nach Köln anzutreten. Aus Liebe zu ihr macht sich ihr Gatte auf den Weg dorthin, um für sie eine Reliquie des Heiligen zu beschaffen. Das gelingt ihm nur mit Hilfe von Raub und Mord. Ihm bleibt nur die Flucht. Eine tapfere Begine und ein Kölner Kaufmann sind ihm auf den Fersen. Kann die mit Blut besudelte Reliquie Carla heilen?

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 212
    Erscheinungsdatum: 14.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739269009
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 435kBytes
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Tödliche Wallfahrt

1

Carla konnte nicht einschlafen. Wie ein hilfloses Kleinkind lag die todkranke Römerin verloren unter den weißen Laken ihres Bettes. Gerade noch war es ihr kalt gewesen, gezittert hatte sie und sich in ihre Decke eingemummelt. Nun schüttelten sie heiße Fieberschauer. Sie warf alle Hüllen von sich und entblößte ihren schmächtigen Leib bis auf das dünne Nachtgewand. Ihr Haar klebte nass an ihrem Kopf und ließ das schmale, blasse Gesicht noch kleiner erscheinen. Die grässlichen Wechselbäder wiederholten sich andauernd und schwächten die Arme immer mehr. Erst eine Ohnmacht erlöste sie von den Qualen. Für längere Zeit schlief die Kranke traumlos. Dann wurde es plötzlich hell vor ihrem inneren Auge. Blitze zuckten und ein alter Mann erschien ihr in gleißendem Licht. Ein güldener Ring schwebte über seinem Haupt. Es musste ein Heiliger sein. Der Mann sprach zu ihr: "Gott prüft dich, du Arme. Gott ist aber auch Gnade und Rettung! Er kann dir helfen, durch sich oder seine Heiligen. Mir, Lorenzo, dem Schutzheiligen deiner Kirche, war in den schwersten Stunden Hippolytus Hilfe und Hoffnung zugleich. Bete zu ihm, suche ihn. Er hat seine letzte Ruhestätte im heiligen Köln, in Sankt Ursula. Bestimmt hilft er auch dir."

Mit einem weiteren Blitz verschwand die Erscheinung, und Carla schlief tief und fest bis zum nächsten Morgen. Als sie erwachte, standen die nächtlichen Bilder wieder vor ihr. Ihr Herz hüpfte vor Aufregung, und es drängte sie, ihrem Mann davon zu berichten. Ihr Gatte Francesco jedoch hatte sie in ihrem Schlaf nicht stören wollen. Er war bereits, ohne die übliche morgendliche Umarmung, zu seinem Handelshaus aufgebrochen.

Sein Tagwerk ging dem Ende entgegen. Francesco hatte den Einkauf neuer Wolle aus Mallorca auf den Weg gebracht, diverse Angebote für das Spinnen, Weben, Färben und Appretieren geprüft und die besten ausgewählt. Bei der Durchsicht der letzten Eintragungen in die Geschäftsbücher sowie der eingegangenen Briefe hatte seine Konzentration nachgelassen. Es war spät geworden, und er musste nach Hause zu seiner kranken Frau. Sie bedeutete ihm so viel.

Er durfte Carla nicht länger warten lassen. Sorgenvoll kraulte er seinen kurz geschnittenen schwarzen Vollbart. Er musste fortwährend an Carla denken. Sein blasses Gesicht war von Kummer gezeichnet. Francesco Bovatieri wusste sich keinen Rat mehr, wie er ihr helfen konnte. Er richtete sich auf, streckte seinen kompakten, muskulösen Körper, der sich beim langen Sitzen verkrampft hatte. Dann fand er einige leise Abschiedsworte für seinen Kontorvorsteher. Er ging zum Spiegel, setzte den grünen Hut auf das schwarze Haar, überprüfte die Lederschließe seines grünen Anzugs, den er über einer weißen Strumpfhose trug, ordnete den weißen Rüschenkragen, hängte sich den leichten roten Umhang um und ging zum Ausgang.

Draußen herrschte die Hitze des römischen Sommers. Wie angenehm temperiert war es hinter den dicken Mauern des Kontors gewesen! Die Sonne strahlte mit voller Kraft vom Himmel, und unter Francescos dünnen Schuhsohlen brannten die Pflastersteine. Die heilige Stadt lag unter einer alles erstickenden Dunstglocke. Der viele Unrat und all die Exkremente stanken gen Himmel. Der Kaufmann hielt angeekelt einen Zipfel seines Umhangs vor Mund und Nase und machte sich mit eiligen Schritten auf den Weg nach Hause.

Bald schon passierte er die riesige Holztüre von Sankt Lorenzo Fuori le Mura, der Kirche seiner Gemeinde. Die Sonnenstrahlen reflektierten von der gewaltigen glänzenden Kuppel, und der Turm des Gotteshauses sah aus, als trüge er einen Heiligenschein. Dieses Bild berührte den Kaufmann. Flüchtig schlug er ein Kreuz und machte die Andeutung einer Verbeugung in Richtung der Kirche. Im gleichen Moment begann im Kircheninneren der Chor zu singen. "Gloria in Excelsis Deo", schallte der Jubelgesang mit klaren Stimmen nach draußen. Francesco verharrte und lauschte den Klängen. Irgendwie hatten sie etwas Tr

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