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Tödlicher Kohldampf Kriminalroman von Bürster, Helga (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.09.2017
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
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Tödlicher Kohldampf

Im norddeutschen Larum gerät die dörfliche Idylle ins Wanken: Wirt Kuno Hansen ist verschwunden. Hals über Kopf reist seine Tochter samt Ehemann an. Zum Entsetzen der Larumer ist dieser schwarz und kocht internationale Grünkohlgerichte. Als der Flüchtlingshelferkreis seine Schützlinge zur Kohlfahrt anmeldet, um sie mit dem örtlichen Brauchtum bekannt zu machen, bricht im Dorf endgültig das Chaos aus. Zu allem Überfluss schwimmt Kuno Hansen dann auch noch tot in der Hunte.

Helga Bürster, Jahrgang 1961, ist in der Nähe von Oldenburg geboren und lebt heute wieder mitten im Grünkohlland. Mit 'Das Kohl & Pinkel Buch' schrieb sie das Standardwerk zum Grünkohl.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 21.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960410881
    Verlag: Emons
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Tödlicher Kohldampf

Sonntag

Kaum hatte sie geparkt, riss Bernd die Wagentür auf.

"Und? Wo ist er? Hast du ihn dabei?", fragte er atemlos.

"Jetzt lasst mich doch erst mal aussteigen, Jungs!"

Bernd Behrends, Volker Ickeldick und Jürgen Koopmann, allesamt Mitglieder des Kohlfahrtvereins Larum e.V., traten einen Schritt zurück und sahen Cordula Carus staunend dabei zu, wie sie sich aus dem Wagen faltete. Zuerst schwang sie ihre appetitlich langen Beine heraus, die in beigen Lackstiefeln mit goldenen Pfennigabsätzen steckten. Nicht gerade der neueste modische Schrei, aber so sexy wie ihr Auto: ein karottengelber 914er-Porsche, Jahrgang 1972, ihr Geburtsjahr. Sie war eben eine Frau, die Wert auf Stil legte, selbst hier am Ende der Welt. Obwohl die Temperaturen Mitte Januar doch noch unter den Nullpunkt gesunken waren, trug sie Mini, einen weit ausgeschnittenen Wollpulli, der Einblick in ihr Dekolleté gewährte, und als Zugeständnis an den Winter eine Kaninchenfellweste.

So ganz elegant wollte ihr Auftritt dann doch nicht gelingen, denn der alte Kuno Hansen hatte sie vorhin in die Wade getreten, und es tat höllisch weh. Sie knickte ein und musste sich an der Wagentür festhalten. Im Stillen beglückwünschte sie sich, dass sie wegen der Kälte wenigstens eine blickdichte Strumpfhose angezogen hatte. Die verbarg die blauen Flecke an ihrem Bein. Nach gefühlten zehn Minuten hatte sie Kleidung und Frisur gerichtet und musterte nacheinander die drei Männer, die sie noch immer erwartungsvoll anblickten. Das war er also, der klägliche Rest des Kohlfahrtvereins, dem auch sie neuerdings angehörte. Eigentlich konnte sie es immer noch nicht fassen, dass sie ihr Berliner Domizil aufgegeben hatte und auf den halb verfallenen Resthof ihrer verstorbenen Eltern zurückgekehrt war. Da gab es nicht mal Internet! Oder fast nicht. Also kaum. Ja, mein Gott, Modems waren doch so was von Neunziger! Außerdem musste sie sich das Haus mit ihrem verrückten Bruder teilen. Vor einigen Wochen noch hätte sie jeden für ebenso bekloppt wie ihn gehalten, der ihr prophezeite, dass sie Öffentlichkeitsarbeit für den Kohlfahrtverein Larum e.V. machen würde, statt in den Straßen von Berlin Stars und Sternchen aufzulauern, um sie medial auszuschlachten. Fürs Fernsehen, versteht sich. Okay, fürs Privatfernsehen. Zuletzt auch mal für diverse Frauenmagazine. Also die, die man beim Friseur las. Bis ihr die Redaktionen die Tür vor der Nase zuschlugen. Angeblich wegen ihres alternativen Umgangs mit den Fakten. Also bitte! Es gab abwegigere Geschichten als die, dass Angela Merkel die Tochter von Helmut Kohl war.

"Also, wo ist er?", fragte Bernd erneut und riss Cordula aus ihren Gedanken.

Sie schloss genervt die Augen. "Ver-schwun-den! Weg, in Luft aufgelöst, pfutschikato. Das hab ich euch doch schon am Telefon gesagt."

"Ich meine nicht Kuno. Ich meine: Hast du den Orden wiederbekommen, weil doch ..." Bernd verstummte. Er wurde von Jürgen und Volker abgelenkt, die mittlerweile den Porsche umtänzelten wie Zirkuspferde eine besonders leckere Möhre. Dabei ging es hier um den berühmten Larumer Kohlfahrtorden!

Oberstudienrat Heinrich Jesco hatte ihn im Jahre 1860 bei den Larumer Steingräbern entdeckt. Das Besondere daran waren die eingravierten Runenzeichen. Als Hobbyarchäologe hatte Jesco sie mit "Kohl" und "Krone" übersetzt. Alles in allem war klar, dass es sich bei dem Fundstück nur um eines handeln konnte: um einen Grünkohlorden aus der Zeit der Völkerwanderung. Dies wiederum belegte, dass schon die alten Germanen hier Kohlfahrten gemacht hatten. Die Geschichte Larums musste neu geschrieben werden: Die Wiege der Kohlfahrt stand hier, in dem kleinen Heidedorf an der Hunte. Zur Hege und Pflege des Larumer Kohlfahrterbes gründete Heinrich Jesco noch im selben Jahr den Verein "Kohlfahrtdorf Larum e.V.", dem jeder Larumer, der etwas auf sich hielt, beitrat. Das Dorf wurde berühmt. Leider lockte die Geschichte mit den Jahren immer

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