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Tanz, Püppchen, tanz Roman von Fielding, Joy (eBook)

  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Tanz, Püppchen, tanz

Die Anwältin Amanda Travis ist glücklich, in einem neuen Zuhause in Florida endlich mit der Vergangenheit abschließen zu können. In ihrer Heimatstadt Toronto hat sie ihre Mutter Gwen zurückgelassen, unter der sie zeitlebens leiden musste. Doch dann erhält Amanda einen unglaublichen Anruf: Gwen hat in der Lobby eines Luxushotels einen Mann erschossen und verweigert jede Aussage. Widerwillig reist Amanda zurück nach Toronto, um herauszufinden, welches Geheimnis ihre Mutter so eisern hütet. Doch dabei kommen Erinnerungen hoch, die sie bislang verdrängt hatte - und vor denen sie nun nicht länger fliehen kann ... Joy Fielding gehört zu den unumstrittenen Spitzenautorinnen Amerikas. Seit ihrem Psychothriller "Lauf, Jane, lauf" waren alle ihre Bücher internationale Bestseller. Joy Fielding lebt mit ihrem Mann und zwei Töchtern in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641028084
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Puppet
    Größe: 2042 kBytes
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Tanz, Püppchen, tanz

1 Was Amanda Travis mag: die Farbe Schwarz; Spinning-Kurse in der Mittagspause im Fitness-Center in der Clematis Street in Downtown Palm Beach; ihr ganz in Weiß gehaltenes Apartment mit Meerblick in Jupiter; willfährige Geschworene; und Männer, deren Frauen sie nicht verstehen. Was sie nicht mag: die Farbe Rosa; wenn die Temperatur hinter ihrer durchgehenden Fensterfront unter achtzehn Grad fällt; Mandanten, die ihren Rat nicht befolgen; die Farbe Grau; beim Betreten eines Lokals ihren Ausweis vorzeigen zu müssen; Spitznamen jedweder Art und Bedeutung. Und was sie auch nicht mag: Bissspuren. Vor allem Bissspuren, die selbst nach mehreren Tagen noch so tief und deutlich ausgeprägt sind wie eine leuchtend violette Tätowierung vor einem Hintergrund aus senffarbenen Blutergüssen; Bissspuren, die sie von den Fotos auf ihrem Verteidigertisch förmlich anlächeln. Amanda schüttelt das blonde schulterlange Haar aus ihrem schmalen Gesicht, schiebt das anstößige Foto unter einen Block mit gelbem, liniertem Papier, nimmt einen Stift und gibt vor, etwas Wichtiges zu notieren, während sie in Wahrheit schreibt Zahnpasta nicht vergessen. Diese Geste richtet sich an die Geschworenen für den Fall, dass einer von ihnen hinguckt. Was eher unwahrscheinlich ist. Heute Morgen hat sie bereits einen von ihnen, einen Mann mittleren Alters mit roten Haaren und schütterer Ronald-Reagan-Frisur, dabei ertappt, wie er eingedöst ist. Sie seufzt, lässt den Bleistift fallen, lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück und schürzt ihre Lippen zu einem missbilligenden Schmollen. Nur angedeutet, gerade genug, um den Geschworenen zu zeigen, was sie von der Zeugenaussage hält. Und sie würde sie gern glauben machen, dass das nicht viel ist. "Er hat rumgeschrien wegen irgendwas", sagt die junge Frau im Zeugenstand und zupft mit einer Hand abwesend an ihrem Haar. Sie blickt zum Tisch der Verteidigung, zieht an ihren platinblonden Locken, bis der dunkle Haaransatz sichtbar wird, und wickelt sie um ihre falschen, eckigen Fingernägel. "Er hat immer wegen irgendwas rumgeschrien." Amanda nimmt den Bleistift wieder in ihre rechte Hand und setzt Stouffer's Tiefkühl-Makkaroni mit Käse auf ihre improvisierte Einkaufsliste. Und Orangensaft, fällt ihr noch ein, was sie mit übertriebenem Schnörkel notiert, als ob sie gerade eine entscheidende juristische Einsicht gehabt hätte. Dadurch verrutscht das Foto unter dem Block, sodass ihr der fotografische Abdruck der Zähne ihres Mandaten auf der Haut der Zeugin erneut entgegenstarrt. Es sind diese Bissspuren, die ihr alles vermasseln werden. Vielleicht könnte sie es schaffen, die Fakten zu frisieren, die Indizien zu vernebeln und die Geschworenen mit irrelevanten Details und nicht immer begründeten Zweifeln zu verwirren, aber um diese grausamen Bilder führt einfach kein Weg herum. Sie werden das Schicksal ihres Mandanten besiegeln und ihre eigene perfekte Bilanz beschädigen. Wie ein Fleck auf ansonsten makelloser Haut werden sie von beinahe einem Jahr voller herausragender Auftritte zugunsten der Armen, Unglücklichen und erdrückend Schuldigen ablenken. Überhaupt dieser verfluchte Derek Clemens. Musste er so verdammt durchschaubar sein? Amanda beugt sich vor und tätschelt die Hand des neben ihr sitzenden Mannes. Eine weitere Geste für die Geschworenen, obwohl sie sich fragt, ob irgendjemand sich davon täuschen lässt. Diese Leute gucken garantiert auch genug Fernsehen, um die diversen Tricks ihrer Zunft zu kennen: die geheuchelte Empörung, die mitleidigen Blicke, das ungläubige Kopfschütteln. Sie zieht ihre Hand zurück und reibt die Stelle, wo sie die Haut ihres Mandanten berührt hat, unter dem Tisch mehrfach an ihrem schwarzen Leinenrock ab. Idiot, denkt sie, während sie aufmunternd lächelt. Nicht mal ein Quäntchen Selbstkontrolle war drin. Du musstest sie auch noch beißen.

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