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Thüringer Teufelswerk Kriminalroman von Bruns, Julia (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.03.2018
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
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Thüringer Teufelswerk

Ein skurriler, frecher Krimi aus dem Osten der Spielleute, Gaukler und Ritter belagern Bad Langensalza: Das legendäre Mittelalterstadtfest hat die Kurstadt fest in seiner Hand. Für einen war es jedoch das letzte historische Spektakel. Beim 'Teufelswerk', einem allseits gefürchteten Spiel, findet man eine verstümmelte Leiche. Die Kommissare Bernsen und Kohlschuetter tauchen ein in eine Zeit, in der drakonische Strafen an der Tagesordnung waren. Julia Bruns, in einem kleinen Dorf mitten in Thüringen geboren, studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie. Nach ihrer Promotion arbeitete sie viele Jahre als Redenschreiberin und in der Öffentlichkeitsarbeit. Heute schreibt sie als freie Autorin. Bruns lebt mit ihrer Familie, zu der auch ein Harzer Fuchs gehört, im Landkreis Sömmerda. Sie ist Mitglied bei den Mörderischen Schwestern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 15.03.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960413271
    Verlag: Emons
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Thüringer Teufelswerk

ZWEI

"Ein herzliches Willkommen, Ihr edlen Damen und Herren! Lasset Euch verzaubern, denn die Stadt Bad Langensalza hat zum großen Mittelalterstadtfest geladen." Berthold von der schönen Aue, im wahren Leben der Bürgermeister der hübschen Kur- und Rosenstadt, stand mitten auf der großen Bühne und begrüßte die zahlreichen, teils illustren Gäste. Während er sprach, wackelte die Straußenfeder, die in seinem ausladenden weinroten Samtbarett steckte, fröhlich auf und ab. Der Schweiß rann ihm die Schläfen hinunter, und seine Wangen glühten. Selten hatten die Bad Langensalzaer zu ihrem Mittelalterstadtfest am letzten Augustwochenende eine derartige Hitze erlebt. Doch heute brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel.

Am frühen Nachmittag waren die Gaukler, Musikanten, Ritter, Händler, Stelzenläufer, Fahnenschwinger und allerlei Gefolge in der Stadt eingefallen und hatten unter den Klängen von Dudelsäcken, Trommeln und Flöten das Stadtoberhaupt nebst der schönen Rosenkönigin und dem Herold der Thüringer Landgrafen, Randolf zu Duringen, vom Rathaus abgeholt und über die belebte Marktstraße zur großen Bühne auf dem Töpfermarkt begleitet. Nun stand der Bürgermeister unter den schwarzen Planen der Bühnenverkleidung und schwitzte aus allen Poren. Die weinrote Samtweste mit den aufgenähten hellgrauen Fellapplikationen, das geschlossene Leinenhemd und die dicken Hosen taten dabei ihr Übriges.

Randolf zu Duringen, der wie jedes Jahr mit frecher Zunge durch das Programm führte, nickte mit wichtiger und übertrieben ehrerbietiger Miene zu den Worten des Stadtoberhauptes und animierte das Publikum mittels seines Heroldstabes zum Applaudieren. Dabei verrutschte ihm fortwährend das rot-schwarze Chaperon, das er auf dem Kopf trug. Mit zackigen Handbewegungen richtete er es ein ums andere Mal und warf die lange herabhängende Spitze verwegen zur Seite. Der stattliche Mann steckte bis zu den Waden in einem rot-blau-gelben Wappenrock, der mit dem Thüringer Löwen, Sternen und Kreuzen verziert war. Darunter blitzte eine dunkelblaue Strumpfhose hervor. An den Füßen trug er abgewetzte dunkelbraune Schnabelschuhe, in denen er beschwingt hin und her tänzelte. Er vermittelte nicht den Eindruck, als würden ihm die hohen Temperaturen etwas ausmachen. Dagegen schien die Rosenkönigin, die unschwer daran zu erkennen war, dass ihr ein Korb mit dunkelroten Rosen über dem Arm hing, in ihrem hellgrünen langen Samtkleid und mit ihrem breiten, Ton in Ton gehaltenen Stirnreif förmlich wegzufließen. Sie presste die Lippen zusammen und lächelte tapfer.

"Das sechsundzwanzigste Mittelalterstadtfest ist eröffnet", rief der Bürgermeister voller Überschwang. Er entledigte sich seines großen Hutes und fächelte sich und der Rosenkönigin damit abwechselnd etwas Luft zu, denn jetzt kamen die Gaukler und Spielleute dran, die unter lautem Getöse vor der Bühne aufzogen, um dem Stadtoberhaupt ihre Aufwartung zu machen. Berthold von der schönen Aue lachte fröhlich, während das Spielmannsduo "Pampatut" in gestreiften Hosen und bunten Gewändern nach vorn trat und, begleitet von Drehleier und Cister, lautstark derbe Lieder zum Besten gab. Mühelos gelang es den beiden stadtbekannten Musikanten, die Zuhörer zu begeistern, sodass kurze Zeit später der gesamte Töpfermarkt am Ende jeder Strophe die Arme nach oben riss und ein schallendes "Hey!" hören ließ.

Nur wenige Minuten nach der offiziellen Eröffnung befand sich Bad Langensalza im berüchtigten Mittelalterstadtfestfieber.

Michelle Silbermann hörte von alledem nichts. Hastig hatte sie den Damen im Zollhäuschen die abgezählten acht Euro hingelegt und ihnen ihren schmalen Arm entgegengestreckt, damit sie ihr das rote Papierarmbändchen, die weithin sichtbare Eintrittskarte, umlegen konnten. Ohne ein Wort an die beiden Frauen zu richten, war sie über den Töpfermarkt in Richtung Marktstraße davongestürmt.

Michelle war mit einer mintgrünen Strickjacke

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