text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Tod in Blau Kriminalroman von Goga, Susanne (eBook)

  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Tod in Blau

Mord im Berlin der zwanziger Jahre 1922. Arnold Wegner malt seine Zeit in starken Kontrasten – Armut und Luxus, Krieg und Vergnügungssucht, Krankheit und Irrsinn. Seine radikalen Bilder, in denen er sich provokant mit der Gesellschaft und der jüngsten Vergangenheit, dem Ersten Weltkrieg, auseinandersetzt, erregen Bewunderung und Abscheu, lassen aber niemanden kalt. Als der Maler tot in seinem Atelier gefunden wird, führt eine erste Spur Kommissar Leo Wechsler zur rechtsextremen Asgard-Gesellschaft, in der viele ehemalige Offiziere verkehren. Gibt es möglicherweise auch eine Verbindung zu dem Toten im Landwehrkanal, bei dem ein Schriftwechsel mit der Asgard-Gesellschaft gefunden wurde? Die Ermittlungen kommen nicht recht voran, bis Leo Wechsler einen Hinweis von der avantgardistischen Tänzerin Thea Pabst erhält. Und es stellt sich heraus, dass es einen Zeugen gibt – der jedoch entzieht sich allen Befragungen durch die Polizei. Susanne Goga lebt als Autorin und Übersetzerin in Mönchengladbach. Sie ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Außer ihrer Krimireihe um Leo Wechsler hat sie mehrere historische Romane veröffentlicht und wurde mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423411905
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv Unterhaltung Bd.2
    Größe: 1886 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Tod in Blau

1

September 1922

"Zwei Anzüge, vier Hemden, mehrere Kragen, drei Krawatten, dazu Wäsche, Socken und ein Sommermantel." Kriminalkommissar Leo Wechsler durchsuchte die Taschen von Mantel und Jacketts. "Zwei saubere Taschentücher, ein Zelluloidkamm, eine Dose Hustenpastillen. Das ist alles. Wie sieht es bei dir aus?"

Sein Kollege Kriminalsekretär Robert Walther reagierte nicht sofort. Er kniete vor dem Bücherregal und zog ein schmales Heft heraus. Dann drehte er sich um. "Schau dir bloß dieses Zeug an." Er blätterte in einer Broschüre und hielt sie Wechsler hin. "Hast du so was schon mal gesehen?"

Leo nahm das Heft, das aus billigem Papier mit Fadenheftung bestand. Auf dem Umschlag reichte eine blonde, blauäugige Frau mit langen Zöpfen einem Mann mit Wikingerhelm ein blitzendes Schwert. An der Hand führte sie ein kleines Mädchen, das ebenso blond und blauäugig wie seine Eltern war. Aus dem Himmel über ihnen schleuderte eine mächtige Faust Blitze nieder. Der Weg zur Reinheit von Dr. Franz Kesselmann, Untertitel: Eine Einführung in die ariogermanische Lebensphilosophie .

Als Nächstes zog Walther ein gebundenes Buch hervor. "Oder das hier: Was uns die Götter sagen wollen - germanische Mythen neu gedeutet ." Walther schüttelte den Kopf. "Wer liest nur solch abstrusen Kram?"

Leo ging in die Hocke und zog einen Stapel Zeitungen unter einem Regal hervor. "Derselbe, der die hier gelesen hat."

Walther warf einen Blick auf die Titelseite. " Völkischer Beobachter? Nie gehört."

Leo deutete auf die Zeile darunter. "Nennt sich auch Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung Deutschlands und wird von irgendeinem rechten Verein aus Bayern herausgegeben. Ich glaube, er heißt NSDAP oder so ähnlich."

"Wer soll bei diesen ganzen Parteien noch den Überblick behalten? Lauter Abkürzungen, die kann sich doch kein Mensch merken."

Leo stand achselzuckend auf. "Mir scheint, der junge Mann hegte ziemlich eindeutige politische Vorlieben. Fragt sich nur, ob er deswegen im Landwehrkanal gelandet ist. Wir nehmen die Zeitungen mit, ebenso diese Germanenbücher. Gut möglich, dass er Mitglied in einer Vereinigung oder Partei war, in der so etwas gelesen wird. Viele sind Spinner, aber es gibt auch gefährliche Leute unter ihnen, ehemalige Offiziere und Freikorpskämpfer. Mal sehen, ob wir damit weiterkommen. Ach ja, da wäre noch der Schreibtisch."

Vermutlich ein Erbstück, dachte Leo, denn der Tote, ein gewisser Carl Bremer, war Verkäufer in einer Konfektionshandlung gewesen und hätte sich von seinem schmalen Gehalt wohl kaum einen so schönen antiken Schreibtisch leisten können. Auf der Platte lag eine lederne Schreibunterlage, die Beine waren aufwendig gedrechselt, die Schubladen mit Zierbeschlägen versehen.

Die Leiche des jungen Mannes war vor vier Tagen im Landwehrkanal gefunden worden. Als Todesursache wurde zwar Ertrinken festgestellt, doch ließ der rechtsmedizinische Befund, der eine Kopfwunde erwähnte, die Ermittler aufhorchen. Entweder hatte sich der Mann beim Sprung in den Kanal am Kopf verletzt oder aber er war überfallen und niedergeschlagen worden. Da man ihn zunächst nicht identifizieren konnte, hatte man den Toten wie üblich im Leichenschauhaus in der Hannoverschen Straße ausgestellt.

Zwei Tage später hatte sich die Dienststelle A 3 , die für die Ermittlung in Fällen vermisster Personen und unbekannter Toter zuständig war, bei Leo gemeldet. Ein gewisser Emil Hancke, Besitzer eines alteingesessenen Konfektionsgeschäfts in Westend, habe eine Vermisstenanzeige erstattet, da ein Angestellter seit mehreren Tagen unentschuldigt der Arbeit ferngeblieben und auch nicht zu Hause anzutreffen sei. Man hatte ihn ins Leichenschauhaus bestellt, wo er den Toten tatsächlich als seinen Verkäufer Carl Bremer identifizierte.

Leo setzte sich auf den Schreibtischstuhl und öffnete nacheinander die Schubladen. Er fand Schreib

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen