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Tod in den Flammen Spektakuläre Fehlurteile von Bundschuh, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.09.2014
  • Verlag: Das Neue Berlin
eBook (ePUB)
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Tod in den Flammen

Spektakuläre Fehlurteile - als seine Geliebte beim Sex plötzlich zu atmen aufhört, gerät ein Einwanderer in Panik und bald darauf ins Visier der Ermittler. Er wird wegen Totschlags verurteilt. Zu Recht? Ein Bauer verschwindet spurlos - hat seine Familie den Haustyrannen wirklich aus dem Weg geräumt? Ein geistig Behinderter wird zum Spielball zweifelhafter Gutachten ... Gerhard Bundschuh, als Gerichtsmediziner selbst an Strafverfahren beteiligt, kennt die Fallstricke der deutschen Justiz nur allzu gut. Mit seinem Expertenwissen und anhand von Originalakten rekapituliert er dramatische Justizirrtümer. Wird der wahre Täter am Ende gefunden?

Gerhard Bundschuh, geboren 1933, wurde 1960 am Institut für Gerichtliche Medizin der Charité promoviert und war bis 1968 als Gerichtsarzt tätig. Anschließend baute er die immunologische Abteilung der Charité auf , der er bis 1998 angehörte. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen, zuletzt erschien "Klage und Urteil. Zur Biologie des Verbrechens" (2012).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 24.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360500779
    Verlag: Das Neue Berlin
    Größe: 3456 kBytes
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Tod in den Flammen

Erster Report

Die Verleumdung

I.

30. April 2004:

Die Sitzung des Landgerichts am letzten Verhandlungstag des spektakulären Gerichtsprozesses gegen den geistig schwer behinderten Angeklagten Akif Sener dauerte nicht lange. Es wurde nur noch das Urteil verlesen:

"Im Namen der Volkes ... lebenslänglich!"

N ach B ekanntgabe des R ichterspruches war bei einigen Z uhörern das V ertrauen in die G erechtigkeit der J ustiz nachhaltig erschüttert. Z u ihnen gehörten vor allem die E ltern des V erurteilten - seine deutsche M utter und ihr türkischer E hemann.

Ihr Sohn, der 27 Jahre alte Akif Sener, hatte als Kleinkind eine Hirnhautentzündung erlitten und bleibende Schäden davongetragen. Seine geistige Entwicklung war weit zurückgeblieben.

Im Verlauf des Prozesses wurde ihm aufgrund seiner geistigen Behinderung von einem psychiatrischen Gutachter ein IQ -Wert von nur 68 Prozent bescheinigt. Auf seinem Ausweis für Schwerstbeschädigte war durch einen anderen Gutachter sogar ein IQ -Wert von nur 54 Prozent vermerkt worden. Derselbe Gutachter, der 1987 zu diesem Ergebnis gekommen war, attestierte dem Angeklagten in der Gerichtsverhandlung siebzehn Jahre später jedoch im Widerspruch dazu volle Schuldfähigkeit. Das bedeutet: Ein Beschuldigter ist sich über das Unerlaubte einer Tat während ihres Begehens völlig im Klaren - dabei gilt ein Intelligenzquotient unterhalb von 62 Prozent landläufig bereits als schwachsinnig. Auch die offensichtlich fehlende geistige Reife des Angeklagten sprach gegen die Einschätzung des Gutachters. Kinder bis zum vollendeten vierzehnten Lebensjahr gelten generell als schuldunfähig. Die geistige Entwicklung des Angeklagten war über den fraglichen Bereich wahrscheinlich nie hinausgelangt. Doch der Gutachter war anderer Ansicht.

Mit Genugtuung nahm hingegen die Mutter des kleinen Mädchens, deren spurloses Verschwinden einige Jahre zuvor dem Verurteilten als Hauptanklagepunkt zur Last gelegt wurde, das ausgesprochene Strafmaß zur Kenntnis. Was mit ihrer erst neunjährigen Tochter wirklich geschehen war, hatte in den vergangenen, sich über ein Jahr erstreckenden Verhandlungstagen des Landgerichtes jedoch aus Sicht unbeteiligter Beobachter nicht zweifelsfrei geklärt werden können. Es gab keine eindeutigen Beweise für ein Kapitalverbrechen, geschweige denn einen Leichenfund. Dennoch wurde dem Angeklagten aufgrund von Indizien vorgeworfen, das Mädchen nach einem Sexualverbrechen ermordet zu haben.

W ar hier R echt geschehen? N icht nur die E inwohner der T ausend- S eelen- G emeinde, aus der das M ädchen spurlos verschwunden war, auch viele U nbeteiligte schlossen sich der einen oder der anderen F ront an. E in gefundenes F ressen auch für die zahlreich angereisten M edienvertreter, die nach dem fieberhaft erwarteten U rteilsspruch je nach G usto verkündeten, der K inderschänder sei endlich weggesperrt oder es handle sich um einen tragischen F all juristischer W illkür.

Es herrschten so viele Meinungen, dass es kaum möglich war, sich Klarheit zu verschaffen. Zumal noch ein weiterer Täter in Betracht kam: der Stiefvater des Mädchens. Nicht wenige mutmaßten, der als gewalttätig verschrieene Mann, der mit Claudias Mutter in lockerer Partnerschaft gelebt hatte, habe das Mädchen geschändet, dann entführt und wer weiß wohin verschleppt. Vielleicht in die Ukraine, vielleicht zu seiner Großfamilie in den Iran. Wo viele Möglichkeiten existieren, treibt die Fantasie wilde Blüten. Fest stand nur: Akif Seners Schuld war keinesfalls zweifelsfrei belegt - anders als das Geri

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