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Todesschweigen Kriminalroman von Askew, Claire (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.11.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Todesschweigen

In Edinburgh ist Detective Helen Birch auf dem Weg zu ihrer neuen Dienststelle, als sie zu einem Einsatz gerufen wird, der sie zutiefst erschüttert: ein Amoklauf am Three Rivers College. Der junge Ryan Summers hat dreizehn Studentinnen erschossen, dann die Waffe gegen sich selbst gerichtet. Was bleibt, ist die quälende Frage nach dem Warum. Während sich die Medien mit Spekulationen überschlagen, führen ihre Ermittlungen Helen Birch zu Ryans Mutter Moira sowie zu den verzweifelten Angehörigen der Opfer. Doch beide Seiten verbergen Geheimnisse, und die Wahrheit scheint Helen immer mehr zu entgleiten ...

Claire Askew studierte an der University of Edinburgh Kreatives Schreiben und arbeitet neben der Schriftstellerei im Bildungsbereich. Sie wurde u.a. mit dem New Writers Award des Scottish Book Trust ausgezeichnet und für ihren Debütroman "Todesschweigen" mit dem Lucy Cavendish Prize. Claire Askew lebt in Edinburgh.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 528
    Erscheinungsdatum: 19.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641229269
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: All the Hidden Truths
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Todesschweigen

13. Mai, 12:30 Uhr

Das Gesicht in die Sonne gestreckt wie eine Katze, saß Moira Summers auf dem Oberdeck des Dreiundzwanziger-Busses - es war der erste richtig warme Tag im Jahr. Sie spürte, wie der Bus ruckelte, als er sich den Mound hinaufquälte. Den Blick aus dem Dreiundzwanziger hatte sie immer schon besonders gemocht: rechts das Castle, schwarz und aus Stein gehauen, wobei es schien, als würde es aus den ausschlagenden Bäumen in den Princes Street Gardens emporwachsen. Links die New Town mit ihrem klug angelegten Straßennetz. Im Sonnenschein sahen das Kaufhaus Jenners und das Balmoral Hotel aus wie vergoldete Pralinenschachteln, und das Scott Monument wirkte wie aus einem Modellbaukasten zusammengesetzt. Alles unwirklich.

Widerwillig drückte Moira die Klingel, erhob sich von ihrem Sitz, ging den Mittelgang entlang, kletterte im schaukelnden Bus die Treppenstufen hinunter und stieg an der National Library of Scotland aus. Die doppelflügelige Eingangstür des Bibliotheksgebäudes wurde von einer Gruppe Schulkinder belagert. Moira war angespannt. Sie war hergekommen, um in der Bibliothek in Ruhe für ihr Open-University-Examen zu lernen. Doch schon bei dem Gedanken, an einem so schönen Tag im dunklen, bedrückenden Lesesaal zu sitzen, machte sich ein düsteres Gefühl in ihr breit. Und wenn auch noch eine ganze Schulklasse im Lesesaal herumlief, würde sie so gut wie nichts schaffen.

"Stellt euch zu zweit auf!" Die junge blonde Lehrerin stand oben an der Eingangstreppe. "Zu zweit, zu zweit!", rief sie den Teenagern zu, die sie nicht beachteten. Die Schülerinnen und Schüler waren um die dreizehn Jahre alt; allerdings konnte Moira in letzter Zeit das Alter von Kindern immer schlechter schätzen. Sie hielt sie stets für jünger - ihr eigener Sohn, Ryan, war zwanzig, und obwohl er wie ein Mann aussah, war er in ihren Augen zehn. Höchstens. War die Zeit so schnell vergangen?

"Zu zweit!", rief die Lehrerin wieder. Auch sie sah jung aus. Moira dachte an ihren Ehemann, Jackie: Er war Lehrer gewesen, als sie sich zum ersten Mal begegneten. Jahrzehntelang hatte er Kinder in diesem Alter in Sport unterrichtet, und sie malte sich aus, dass er dabei ähnlich geklungen hatte wie die Lehrerin. Sie versuchte, ihn sich vorzustellen: den jungen Mann, der er gewesen war, als sie sich kennenlernten - aber vergebens. Es ist noch nicht so lange her, dachte sie. Ich will ihn noch nicht verlieren.

Moira blinzelte die aufsteigenden Tränen weg, und da wurde ihr plötzlich bewusst, dass die junge blonde Lehrerin über sie redete. Sie zeigte - einen schweren türkisfarbenen Ring an einem Finger ihrer Hand - die Treppe hinunter auf Moira. "Kinder, die Frau will in die Bibliothek."

Moira schrak zusammen. "O nein, nicht doch!", rief sie über die Köpfe der Kinder hinweg. Dann lachte sie - denn es stimmte ja. Sie wollte nicht. Immerhin stellten die Kids sich auf eine Seite der Treppe.

Moira zauderte. Der Ring an der Hand der Lehrerin sah aus wie diese bunten, zuckersüßen Dauerlutscher, nach denen Ryan im Eckladen gebettelt hatte, damals, als er wirklich zehn gewesen war. Die Kinder vor ihr schienen keine Ähnlichkeit mit ihm zu haben - auch nicht mit den Kindern, mit denen er zur Schule gegangen war. Vor allem die älteren wirkten heutzutage viel tougher, irgendwie schlauer. Die Mädchen, die auf den Stufen vor ihr warteten, trugen alle die gleichen schwarzen, elastischen Leggings, die kurzen Röcke darüber saßen so eng, dass Moira sehen konnte, welches Mädchen Spitzen- und welches Feinrippunterwäsche trug. Sie kam sich gleichzeitig vor wie eine Voyeurin und prinzipienfeste Oma.

"Wir gehen jetzt rein!", rief die Lehrerin über die Köpfe der durcheinanderredenden Kinder hinweg.

Die Jungen oben auf der Treppe aus falschem Marmor schubsten einander und drängelten. Moira sah, dass einer einen langsamen, kalkulierten Blick über die Schulter wa

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