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Todesurteil Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez 2 - Thriller von Gruber, Andreas (eBook)

  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Todesurteil

In Wien verschwindet die zehnjährige Clara. Ein Jahr später taucht sie völlig verstört am nahen Waldrand wieder auf. Ihr gesamter Rücken ist mit Motiven aus Dantes 'Inferno' tätowiert - und sie spricht kein Wort. Indessen nimmt der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder an der Akademie des BKA für hochbegabten Nachwuchs mit seinen Studenten ungelöste Mordfälle durch. Seine beste Schülerin Sabine Nemez entdeckt einen Zusammenhang zwischen mehreren Fällen - aber das Werk des raffinierten Killers ist noch lange nicht beendet. Seine Spur führt nach Wien - wo Clara die einzige ist, die den Mörder je zu Gesicht bekommen hat ... Andreas Gruber, 1968 in Wien geboren, lebt als freier Autor mit seiner Familie in Grillenberg in Niederösterreich. Mit seinen bereits mehrfach preisgekrönten Romanen steht er regelmäßig auf der Bestsellerliste.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 592
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641144661
    Verlag: Goldmann
    Größe: 3249 kBytes
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Todesurteil

1

An den meisten Tagen des Jahres wirkte Wiesbaden wie ein Ort, an dem einem wahrlich nichts Böses widerfahren konnte - eine beruhigende Mischung aus Schulen, Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Alleen und breiten Einkaufsstraßen.

Doch zu dieser nächtlichen Stunde war die Kurstadt mit all ihren Thermalbädern und Mineralquellen in einen dunklen Schlaf gefallen und zeigte sich von einer anderen Seite. Der Sturm peitschte Regen an die Windschutzscheibe von Sabines Wagen, und die Scheinwerfer rissen die Häuserfassaden nur ansatzweise aus der Dunkelheit.

So ein Scheißwetter! Sabines Haar war klitschnass und ihre Kleidung bis zum Slip durchnässt. Die nasale Stimme von Klaus Kinski, die sie für ihr Navi runtergeladen hatte, lotste sie durch die Stadt. Sie fuhr an exquisiten Läden vorbei, für deren Besuch sie wohl nie genug Geld haben würde. Aber im Moment fühlte sie sich ohnehin nicht in der Stimmung für eine Shoppingtour. Was sie hingegen dringend brauchte, waren ein heißes Bad und trockene Kleidung.

Vor fünf Stunden war sie in München losgefahren und hatte während der Fahrt Radio gehört. Wenige Kilometer vor der Autobahnabfahrt Wiesbaden war der linke Vorderreifen geplatzt, und sie hatte den Wagen gerade noch auf dem Seitenstreifen zum Stehen bringen können. Sie hatte mit dem Handy um Hilfe telefoniert, doch der Pannendienst hätte frühestens in zwei Stunden kommen können. Frühere Notfälle gingen vor. Also war sie im strömenden Regen selbst ausgestiegen, um ihre Warnweste aus dem Kofferraum zu kramen und mit dem Pannendreieck die Unfallstelle zu sichern.

Kein Wagen hatte gestoppt, um zu sehen, warum ihr Auto mit der Warnblinkanalage auf dem Haltestreifen stand. Mehrmals wurde sie vom Fahrbahnwasser angespritzt, während sie neben dem Wagen hockte und fluchend mit dem Wagenheber die Karre hochkurbelte, mit dem Kreuzschlüssel die Muttern löste und ihr Reserverad auf die Achse wuchtete.

Während sie wie ein Esel schuftete, kamen ihr heftige Zweifel, ob sie überhaupt das Richtige tat. Klitschnass, wie sie war, hätte sie auch gleich die paar Kilometer zu Fuß bis zur nächsten Abfahrt laufen können, um an einer Tankstelle einen Kaffee zu trinken und auf den Pannendienst zu warten. Aber so viel Zeit hatte sie nicht. Nicht an diesem Abend! Außerdem waren ihre Jeans ohnehin bereits dreckig, ihre Hände schmierig, und es stand so viel Wasser in ihren Schuhen, dass sie sich wie ein Frosch fühlte. Vermutlich würden ihr bald Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen.

Bisher hatte sie nie einen Gedanken daran verschwendet, ob in ihrem Reservereifen überhaupt genug Luft war. Das war natürlich nicht der Fall, aber mit dem Reifen, der wie ein angestochenes Schlauchboot aussah, würde sie den Wagen wenigstens von der Autobahn runterbringen können. Laut fluchend zog sie die Muttern an und hievte den kaputten Reifen in den Kofferraum. Insgesamt hatte sie mehr als eine Stunde verloren.

Als sie endlich wieder in ihrem Wagen saß, wischte sie sich das Wasser aus dem Gesicht. Ein kurzer Blick in den Rückspiegel versicherte ihr, dass sie wie die Verliererin eines Turniers beim Schlammcatchen aussah.

Verdammte Kuhscheiße!

Sie startete den Wagen. Sogleich drang ein Hip-Hop aus den Lautsprechern. Diesen Mist würde sie sich nicht anhören. Jetzt brauchte sie etwas Aufbauendes und entschied sich für ein Hörbuch von Nick Hornby, das sie aus dem Handschuhfach kramte und ins CD -Fach einlegte. Matthias Schweighöfers Stimme klang aus dem Lautsprecher, und für einen Moment war für sie die Welt wieder in Ordnung. Nach der Autobahnabfahrt fand sie sogar eine Tankstelle, an der sie ihren Reservereifen aufpumpen konnte.

Eine Viertelstunde später erreichte sie die Innenstadt, und nun zeigte ihr Navi an, dass sie die Hauptstraße, die durch Wiesbaden führte, verlassen musste, um auf den Geisberg hochzufahren. Dort lag ihr Ziel, dort würde sie die nächsten zwei

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