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Totenfest Haugesund 2 - Thriller von Tangen, Geir (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.11.2018
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Totenfest

Der Journalist Viljar Gudmundsson und die Polizeiermittlerin Lotte Skeisvoll kämpfen noch mit den dramatischen Folgen ihres letzten Falls, als ein weiterer Mord die norwegische Stadt Haugesund erschüttert: Ein junges Mädchen wird nach einer Party erstickt im Haus der Gastgeber aufgefunden. Tatverdächtiger Nummer eins ist ausgerechnet Viljars eigener Sohn. Der 17-Jährige ist am Morgen nach der Party neben seiner Freundin aufgewacht, konnte aber nur noch ihren Tod feststellen. Und fatalerweise kann Alex sich nicht an die Ereignisse der vorherigen Nacht erinnern ...

Geir Tangen betreibt Norwegens größten Krimiblog, Bokbloggeir.com, auf dem er seit 2012 Thriller und Spannungsromane rezensiert. Er lebt im norwegischen Haugesund, wo ihm auch die Idee zu seiner Trilogie über die Polizeiermittlerin Lotte Skeisvoll und den Journalisten Viljar Ravn Gudmundsson kam.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 544
    Erscheinungsdatum: 19.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641203337
    Verlag: Goldmann
    Serie: Haugesund .2
    Originaltitel: Hjerteknuser
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Totenfest

Haugaleite, Haugesund
Sonntagvormittag, 1. März

Oberkommissarin Lotte Skeisvoll merkte, in welch schlechter Verfassung sie war, als sie in die kleine Stichstraße zum Haus Vestevegen 53 einbog und die Polizeiabsperrungen im Wind flattern sah. Sie nahm den Fuß vom Gaspedal. Ihre Finger umklammerten das Lenkrad so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. Sie rang nach Luft. Das Auto blieb auf der ansteigenden Straße stehen und begann, langsam rückwärtszurollen.

Die Leiterin der Kriminaltechnik in Haugesund, Åse Frugård, erkannte mit einem schnellen Blick, dass Lotte offenbar vorübergehend handlungsunfähig war, und zog resolut die Handbremse an. Die Reifen rutschten über den Splitt, dann kam der Wagen zum Stehen.

Lotte senkte den Kopf und holte tief Luft. Sie rieb sich das Gesicht mit beiden Händen und murmelte eine kaum hörbare Entschuldigung. Sie spürte, wie Åse Frugård ihre rechte Schulter umfasste und sie freundlich drückte.

Die Monate seit der Ermordung ihrer Schwester waren eine einzige Abwärtsspirale gewesen. Wie bei Dantes Inferno führten alle Wege sie immer näher an einen Abgrund aus Schuld, Selbstvorwürfen und Gewissensqualen. Seit sie ihre Arbeit als Ermittlerin wieder aufgenommen hatte, fühlte sie sich wie eine Ertrinkende, die verzweifelt Wasser trat. Es lief nicht gut, und die Polizeiführung hatte bereits ihre Belastbarkeit infrage gestellt. Oft saß sie stundenlang in ihrem Büro, unfähig, die einfachsten Dinge zu erledigen.

An einen neuen Tatort zu kommen wühlte alle schlimmen Gefühle auf. Die erste Einheit hatte um 09.30 Uhr mündlich Bericht erstattet und die Kriminaltechnik angefordert. Verdächtiger Todesfall. Zwanzigjährige Mädchen starben selten eines natürlichen Todes. Ein Knacken im Sprechfunkgerät riss Lotte aus ihren Gedanken. Der Polizeidistrikt hatte das neue digitale Kommunikationssystem noch nicht eingeführt. Bis auf Weiteres benutzten sie den analogen Polizeifunk.

"Wieso habt ihr unten auf der Straße angehalten? Stimmt was nicht?"

Lotte schüttelte ihre Dämonen ab. Hob den Kopf, richtete sich auf und nahm das Mikrofon aus der Halterung.

"Alles in Ordnung, Knut. Wir dachten, wir parken besser hier unten. Wollen lieber nicht mit dem Wagen zu dicht an den Tatort heranfahren."

Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie Åse Frugård sie vom Beifahrersitz verwundert anblickte.

"Verstanden. Wir erwarten euch dann hier."

Lotte setzte zurück und parkte auf einem kleinen Wendeplatz neben einem Trafohäuschen. Sie stellte den Motor ab, knöpfte die Uniformjacke zu und stieg aus. Schwere graue Wolken hingen über dem Meer, und die Wogen schlugen hoch an die Kaimauer von Killingøy. Schaumgekrönte Wellen brandeten gegen Sørhaugøy, wo an der Spitze der einsame Leuchtturm Tonjer Fyr auf sommerliche Museumsbesucher wartete. Alles war in Grau gehüllt, wie so oft im März. Lotte konnte sich dunkel erinnern, dass die Sonne irgendwann im Januar ein Mal kurz vorbeigeschaut hatte.

Hinter ihr wurde eine Kofferraumklappe zugeknallt. Sie drehte sich um. Die schmächtige Gestalt von Åse Frugård ertrank in einem knöchellangen gelben Regenmantel. Ein großer grauer Tatortkoffer aus Metall stand neben ihr, und Lotte musste unwillkürlich an eine verlorene Einwanderin auf Ellis Island denken. Der Metallkoffer reichte der zierlichen Frau bis zur Taille. Sie bot sich an, ihn zu tragen, erhielt aber nur ein ärgerliches Schnauben als Antwort.

Åse Frugård ertrug viel, nur eins nicht: behandelt zu werden wie eine zerbrechliche Frau. Sie fischte eine Zigarette aus der Manteltasche, stellte sich gegen den Wind und zündete sie an. Mit bissiger Miene und der Kippe im Mundwinkel griff sie nach dem Koffer und machte sich auf den Weg den steilen Hügel hinauf. Ab und zu umwehte sie eine Rauchwolke. Vermutlich, wenn sie Luft holte, dachte Lotte.

Vor der Polizeiabsperrung blieben sie stehen, und Lotte hob das Band an, um Åse durchschlüpfen zu lasse

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