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Totenkind Psychothriller von Bauer, Belinda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.08.2016
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Totenkind

Fünf Fußspuren im Beton - das ist alles, was Anna Buck von ihrem kleinen Sohn Daniel geblieben ist. Vor ein paar Monaten stahl sich der Junge unbemerkt über den noch feuchten Zement davon, weil sein Vater die Haustür offen stehen ließ. Seitdem ist Daniel wie vom Erdboden verschluckt. Tagtäglich putzt Anna die kleinen Abdrücke, poliert den Boden unter ihren Füßen, den sie längst verloren hat. Als eines Tages ein Hellseher Hilfe verspricht, ergreift die verzweifelte Mutter ihre letzte Chance. Doch ist der Mann der, der er zu sein vorgibt? Anna lässt sich auf das angebliche Medium ein und erlebt einen Albtraum ...

Belinda Bauer wuchs in England und Südafrika auf. Sie arbeitete als Journalistin und Drehbuchautorin und wurde mit dem renommierten Bafta Award for Young British Screenwriters ausgezeichnet. Ihr Romandebüt legte sie mit dem von Kritikern wie Lesern gefeierten Werk "Das Grab im Moor" vor, das als bester Spannungsroman des Jahres mit dem Gold Dagger ausgezeichnet wurde. Auch mit ihren weiteren Romanen wurde Belinda Bauer ihrem Ruf als Ausnahmetalent immer wieder aufs Neue gerecht. Die Autorin lebt in Wales.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 15.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641187330
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: The Shut Eye
    Größe: 835kBytes
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Totenkind

2

"James!"

James Buck stand da und balancierte einen Golf GTI auf einer ölverschmierten Hand wie ein Kellner, der einer Schrottpresse den Hauptgang serviert. Jetzt drehte er sich zu seinem Boss um. Er hatte ihn nicht kommen hören, weil es in der Werkstatt immer laut war, wegen der Motoren und der Echos und des ständig laufenden Radios. Und weil er in Gedanken gewesen war. Immer in Gedanken. An Daniel natürlich.

"Was ist?", fragte er.

"James!", brüllte Brian Pigeon noch einmal. "Ang! Mach das verdammte Ding leiser!"

Ang latschte zum Radio hinüber und schleifte dabei mürrisch seinen Besen hinter sich her, und James ließ den Arm sinken. Der Wagen blieb auch ohne seine Hilfe oben - auf der Hebebühne; die Räder hingen aus den Radkästen wie die Beine eines Welpen, der gerade hochgehoben worden war.

Die Musik dröhnte ein ganz kleines bisschen weniger laut.

"Du hast bei Mr Knights Wagen die Zündung eingestellt!"

Mr Knight besaß einen Audi TT mit einem verchromten Billy Boat-Sportauspuff. Der Wagen war top in Schuss. Als sie ihn das letzte Mal hier gehabt hatten, hatte irgendwer einen Kotflügel angekratzt, wenn jetzt also wieder irgendwas mit dem Audi war, dann war das ein ernstes Scheißproblem. James hatte ihn beide Male nicht angerührt.

Nicht dass das einen Unterschied machte.

"An welchem Wagen?", fragte er mit ausdrucksloser Miene.

"An dem da!", brüllte Brian und rammte den Finger in Richtung Vorplatz. "Der, der mir da meinen neuen Beton mit Öl volltropft."

James schaute nicht zum Vorplatz, er sah wieder zum Fahrgestell des Golfs hinauf und schluckte heftig. Er traute sich noch nicht zu antworten. So neu war der Beton gar nicht. Er war vor genau vier Monaten gegossen worden, am 5. November.

Am Morgen vor der Guy Fawkes Night.

An dem Morgen, an dem Daniel verschwunden war.

Er erwartete nicht, dass das Brian Pigeon auf dieselbe Weise bewusst war, wie es ihm bewusst war, doch er hasste ihn trotzdem dafür, dass er aus einem anderen Grund an diesen Tag dachte.

Brian brüllte wieder. "Als du den Deckel wieder auf die Kipphebel montiert hast, hast du bestimmt die Dichtung angequetscht. Überall Öl! Auf Mr Knights Auffahrt auch!"

So etwas Achtloses hätte James nicht getan. Wahrscheinlich war es Mikey gewesen, der die Dichtung ramponiert hatte. Er war unachtsam und eilig, und wenn ein Wagen nicht an den Computer angeschlossen war, kam er oft nicht klar. Doch das alles sagte James nicht. Er stand einfach nur da; die eine Hand hing mit dem Schraubenschlüssel darin herab, die andere hatte er über dem Kopf und drehte die Mutter mit den Fingern heraus, mittlerweile auf Autopilot.

"Also, was hast du dazu zu sagen? Jetzt muss das alles noch mal gemacht werden."

"Aber nicht von Ihnen!", brüllte Mr Knight aus dem nahe gelegenen Büro herüber. "Sie zahlen dafür, dass jemand anders das erledigt, sonst verklage ich Sie dumm und dämlich!"

Brian achtete nicht darauf. "Was hast du dazu zu sagen?", fuhr er James abermals an.

"Entschuldigung?", meinte James.

"Entschuldigung, was für ein Schwachsinn !", schrie Brian. "Mr Knight ist unser bester Kunde! Jetzt müssen wir das alles noch mal machen!"

"Sie rühren meinen Wagen nicht an", beharrte Mr Knight.

"Und zwar umsonst!", fuhr Brian fort.

"Auch nicht umsonst", wehrte Mr Knight ab. "Ich verklage Sie!"

Brian achtete nicht darauf und brüllte James an: "Mir reicht's! Raus."

James ließ den Golf los und wischte sich mit der Ellenbogenbeuge die Stirn ab. "Was?"

Der Schraubenschlüssel in seiner rechten Hand fühlte sich plötzlich sehr schwer an.

"Nimm deine Sachen und hau ab." Brian ruckte mit dem Daumen über die Schulter. "Du bist gefeuert."

Ganz kurz herrschte Stille - oder das, was in der Werkstatt als Stille durchging, während das

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