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Unbarmherzig von Löhnig, Inge (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.05.2019
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Unbarmherzig

Gina Angelucci, die Spezialistin für ungeklärte Mordfälle, klärt auf, was seit dem 2. Weltkrieg im Verborgenen lag Gina Angelucci, Spezialistin für Cold Cases bei der Münchner Kripo, ist aus der Elternzeit in den Dienst zurückgekehrt. Ihr Ehemann und Kollege Tino Dühnfort betreut die kleine Tochter. Als in dem idyllischen Dorf Altbruck zwei Leichen gefunden werden, die mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren, übernimmt Gina die Ermittlungen. Die Identität der Toten nach so langer Zeit zu klären, erscheint zunächst als unlösbare Aufgabe. Dann wird klar, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt. War sie eine Zwangsarbeiterin? Während Gina einen Mörder sucht, der vielleicht selbst nicht mehr am Leben ist, bemerken sie und Tino nicht, dass ihnen jemand ihr privates Glück missgönnt und es zerstören will. Spannung auf höchstem Niveau: abgründig, scharfsinnig, düster Schon als Kind verfügte Inge Löhnig über so viel Fantasie, dass ihre Geschichten noch heute in der Familie legendär sind. Neben dem Beruf als Grafik-Designerin war Schreiben lange ein Hobby. Erst mit dem Erscheinen der Reihe um den Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort wurde daraus die neue Profession. Die Kriminal-Romane von Inge Löhnig sind ebenso regelmäßig auf der Bestsellerliste zu finden, wie die spannenden Familien-Romane, die sie unter dem Pseudonym Ellen Sandberg veröffentlicht. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in der Nähe von München.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Erscheinungsdatum: 31.05.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843720854
    Verlag: Ullstein
    Serie: Gina Angelucci .2
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Unbarmherzig

1

Obwohl Ella Loibl noch immer zornig auf ihren Mann Frank war, und doch auch voller Sehnsucht nach ihm, tat sie endlich, was sie seit Langem tun wollte. Sie musste das selbst erledigen. Das war sie ihm und ihrer Liebe schuldig.

Schlag um Schlag, Hieb für Hieb meißelte sie seinen Namen in den Stein. Metall schlug klirrend gegen Metall. Splitter spritzten gegen die Schutzbrille. Feiner Marmorstaub stieg in die Luft. Zentimeter für Zentimeter rückte sie das Spitzeisen weiter. Schweiß perlte auf ihrer Stirn, sammelte sich in den Brauen, lief in einem feinen Rinnsal zwischen den Schulterblättern hinab. Es war Schwerstarbeit, und sie dachte an die Geburten ihrer Kinder. Doch nicht neues Leben war entstanden, sondern eines erloschen. Seines. Vor acht Monaten hatte der Tod zugeschlagen und ihr den Mann genommen, mit dem sie dreiundzwanzig Jahre verheiratet gewesen war.

Buchstabe für Buchstabe arbeitete sie sich voran. Bis sein Name dort stand, in einer zeitlosen Groteskschrift, die ihm gefallen hätte. Nach acht Monaten Trauer, Wut und Fassungslosigkeit hatte sie endlich den Grabstein für ihn entworfen und seinen Namen hineingeschlagen. Nun war Frank wirklich tot. Gelebt hatte er neunundvierzig Jahre. Im Angesicht der Unendlichkeit seines Nichtseins war das ein Wimpernschlag, eine Lappalie, und Ella hätte alles dafür gegeben, seine Stimme noch einmal zu hören, noch einmal mit ihm zu lachen und zu reden, ihn zu küssen. Und ihn zur Rede zu stellen, warum er Sepps Rat gefolgt war. Wobei sie das noch am ehesten verstand. Dass er ihr von der Misere, in der sein Tonstudio steckte, kein Wort gesagt hatte, das nahm sie ihm allerdings übel.

Ella warf Meißel und Hammer auf die Werkbank, setzte Brille und Mundschutz ab und klopfte sich den Staub von der Arbeitshose. Es war, wie es war. Mit den finanziellen Folgen seines Unternehmertums musste sie nun leben. Ebenso wie mit seinem Tod. Auch wenn sie nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Es gab nur zwei Möglichkeiten. Entweder würde sie alles verlieren oder doch noch irgendwo Geld auftreiben, um seine Schulden zu begleichen.

Ella sah sich in ihrer Werkstatt um, die ihr von Kindesbeinen an vertraut war. An einer Wand hingen die Stemm- und Spitzeisen, die Sägen und Meißel. Davor standen Stapler und Winde. Unter dem Fenster befand sich ihr Arbeitstisch und daneben das Regal mit Farben, Pinseln, Stiften und Blöcken mit Blattgold. Sie durfte den Steinmetzbetrieb nicht verlieren, den ihr Vater aufgebaut hatte. Er würde sich im Grab umdrehen, wenn sie in Konkurs ging, und Mama würde es das Herz brechen.

Wovon sollte sie dann leben? Sollte sie sich etwa an die Kasse des Supermarkts setzen? Sie musste einen Weg finden, den Betrieb zu halten, wobei es nur zwei Möglichkeiten gab: Entweder schenkte sie ihrer Mutter reinen Wein ein. Was eine Tirade gegen Frank zur Folge haben würde. "Ich habe dir ja immer gesagt, dass er ein Luftikus ist, ein Windei, kein Mann, den man heiratet. Er hat sich ins gemachte Nest gesetzt und auf deine Kosten gelebt. Ausgenommen hat er dich." Ella wusste, dass sie das nicht ertragen würde. Sie ließ sich auf den von Steinstaub überzogenen Bürostuhl sinken. Blieb also nur die zweite Möglichkeit. Sie musste Sepp und Franzi um Geld bitten, und das erschien ihr ebenso unmöglich.

Ein erfolgreicher Unternehmer zu sein, das hatte Frank vorgeschwebt, seit Sepp erklärt hatte, er habe das Zeug dazu. Beim Maibaumaufstellen vor zwei Jahren war das gewesen. Unversehens hatten sie sich mit Sepp und seiner Frau Franzi am selben Tisch befunden. Nach zwei Bier hatte ihr Mann angefangen, von seinem Tonstudio zu schwadronieren, wie er das gelegentlich tat. Ein Jugendtraum. Sein Wolkenkuckucksheim, denn Frank war Musiker und kein Geschäftsmann. Sepp war darauf eingegangen. Sein eigner Herr zu sein, das wäre das Beste. Jeder könne ein Unternehmen aufbauen. Man brauche nur den Willen dazu, ein fundiertes Konzept und Durchhaltevermögen. Und

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