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Vermisst Monika Trautners erster Fall von Braun, Irmgard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.03.2016
  • Verlag: Bergverlag Rother
eBook (ePUB)
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Vermisst

Liam Pratzke ist verliebt, aber seine Angebetete ist nach einem Kletterkurs spurlos verschwunden. Ein Unfall? Selbstmord? Hat der Bergführer etwas damit zu tun? Die Polizei hat die Suche aufgegeben, aber Liam verfolgt weiter Susis Spuren in den Tannheimer und Ammergauer Bergen und macht sogar einen Kletterkurs für Fortgeschrittene, obwohl er vom Klettern keine Ahnung hat. Seine Großmutter Monika Trautner lehrt ihn die Grundlagen - und zeigt dabei Eigenschaften, die man kaum von einer älteren Dame erwartet hätte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 30.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783763301157
    Verlag: Bergverlag Rother
    Serie: Rother Bergkrimi Bd.1
    Größe: 622 kBytes
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Vermisst

2. KAPITEL

"In den Alpen gibt es zu viele Berge", sagte Liam. "Ich bin das nicht gewohnt."

Moni lachte. "Meinetwegen könnte die ganze Welt aus Bergen bestehen. Du müsstest dann eben vom Trekkingrad aufs Mountainbike umsteigen und dich mal richtig anstrengen."

Ihr Enkel wickelte eine Strähne seiner schulterlangen braunen Locken um den Finger. "Radfahren ist für mich - äh - mehr als nur Sport. Ich genieße die Landschaft und bin draußen, und das kann ich auch ohne Schwitzen und Keuchen und brennende Oberschenkel. Also ich würde nie klettern, ich verstehe irgendwie nicht, was dich dazu treibt, dich so zu plagen."

Moni stand auf und ging zum Herd. In der Pfanne blubberte es, Tomatensauce spritzte gegen die Wandfliesen. Sie schaltete die Platte aus und setzte sich wieder. "Beim Klettern bin ich so konzentriert, dass ich nicht einmal merke, ob es anstrengend ist oder nicht."

Sie musterte Liams längliches Gesicht mit der großen Nase. Seine dunkelbraunen Augen waren die eines verwundeten Teddybären.

Er wirkte oft träumerisch und weltfremd, aber diesen Ausdruck kannte Moni nicht an ihm. Und warum war er heute plötzlich bei ihr aufgetaucht, nur drei Tage, bevor sie einander beim Familienfest sowieso sehen würden?

"Wie war es auf deiner Weltreise, Oma?"

"Nicht so gut, wie ich es mir vorgestellt habe, als ich in Rente gegangen bin. Die Käfighaltung in Büros hinterlässt Spuren. Es ist ein seltsames Gefühl, wenn man plötzlich in die Freiheit entlassen wird."

Sie ergriff die Pfanne und stellte sie auf einen unkonventionell geformten Untersetzer aus Ton. Moni lächelte. Anjas kleine Finger, ihr eifriges, mit Lehm verschmiertes Gesicht ...

Die Spaghetti standen schon auf dem Tisch, aus einem Schüsselchen stieg der Geruch von frisch gehobeltem Parmesan. "Guten Appetit, Liam."

Davon konnte bei ihrem Enkel keine Rede sein. Er schob seine Nudeln auf dem Teller hin und her, fragte Moni nach ihren Reiseerlebnissen in Thailand, Laos, Australien, dem Yosemite, Kanada und Norwegen.

Er hörte ihr nicht wirklich zu und starrte zu der verglasten Türe hinaus, die in den Garten führte.

Rosen glühten vor dem Grün des Rasens, Phlox und Chrysanthemen leuchteten, als gäbe es keine Schnecken. Seit Moni vor einem Dreivierteljahr auf Reisen gegangen war, war ihr Garten buchstäblich aufgeblüht, ihr Nachbar hatte gute Arbeit geleistet.

Sie leckte ihren Löffel ab und legte ihn auf den blanken Holztisch. "Schluss mit dem Smalltalk. Du siehst unglücklich aus, Liam. Magst du mir erzählen warum?"

Seine Lippen zitterten, seine Stimme war leise. "Sie ist weg. Susi ist weg."

Er wandte sich von Moni ab und wischte über seine Augenwinkel.

Susi - das war wohl ein Mädchen, das ihn verlassen hatte. Aber warum kam er damit ausgerechnet zu seiner Großmutter? Sicher, Liam mochte sie, weil sie immer seine Partei ergriff, wenn sein Vater ihn als Taugenichts herunterputzte. Aber seine Vertraute war sie nie gewesen, dazu kannten sie einander zu wenig; Liam war erst im letzten Semester nach München gezogen.

Moni stand auf und machte sich daran, den Tisch abzuräumen und das Geschirr in die Spülmaschine einzuordnen. So hatte der junge Mann etwas Zeit, sich zu fassen.

Hinter ihr quietschte ein Stuhl. Ihr Enkel war aufgestanden und marschierte in der kleinen Küche auf und ab, immer knapp daran, Gewürzdosen, Müslipackungen oder Marmeladengläser aus den offenen Regalen zu wischen. "Susi ist verschwunden. Hast ... hast du nichts darüber in der Zeitung gelesen? Blödsinn, natürlich nicht, ich habe ganz vergessen, dass du erst seit Kurzem zurück in Deutschland bist."

"Was ist denn passiert?"

"Ich weiß es nicht! Zuerst habe ich gedacht, Susi hätte das Interesse an mir verloren, sie hat sich nicht mehr am Handy gemeldet und meine SMS nicht beantwortet, aber dann ..."

Er warf sich auf den Stuhl und schlug die Hände vors Gesicht.

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