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Waldherz Jo Murmanns zweiter Fall von Pfannholz, Maria J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2015
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Waldherz

Der Journalist Jo Murmann soll eigentlich über eine winterliche Reise in den Spessart berichten, doch statt in ein Waldmärchen gerät er in eine heiße politische Auseinandersetzung: Umweltschützer haben zum Kampf gegen die Abholzung alter Wälder aufgerufen. Als eine Leiche im Main schwimmt, sieht es ganz so aus, als ob der Streit nicht nur mit Worten geführt wird. Oder gab es einen anderen Grund für den Mord? Denn die Tote hinterlässt ein ungelöstes Rätsel um einen kostbaren Stein. Im Dämmer der Wälder beginnt die Jagd auf den Schatz. Maria J. Pfannholz wurde in München geboren. Sie studierte dort Forstwissenschaften und widmete sich nach dem Staatsexamen der Schriftstellerei. Neben Fachliteratur erschien 1989 ihr Science-Fiction-Roman "Den Überlebenden", für den sie den Preis für den besten deutschen SF-Roman des Jahres sowie den Europäischen-Science-Fiction-Encouragement Award erhielt. Mit ihrem Mann und drei Kindern siedelte sie für zwei Jahre nach Bhutan über, wo ihr Mann im Entwicklungsdienst tätig war. Nach ihrer Rückkehr nach Bayern promovierte sie in Forstpolitik über das Symbol des Waldes in Märchen und Mythen und begann ein Gaststudium der Ethnologie. Mit dem Krimi "Heimatkrimi" eroberte sie sich erneut ihren Platz in der Belletristik. Sie lebt heute in Oberbayern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 338
    Erscheinungsdatum: 01.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839247549
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 3186kBytes
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Waldherz

Das Rätselmärchen

Jo saß beim Frühstück, als die Polizeisirenen heulten. Er nahm seine Tasse, trat ans Fenster und schob die Stores zurück. Er war nicht der Einzige, stellte er fest, ganz Rothenbuch klebte an den Scheiben. Zwei Streifenwagen kamen die Hauptstraße entlang, bogen in das Tälchen der Wärterstraße und beschleunigten hoch in Richtung der Brennholzlager am Waldrand. Als Lokalredakteur wäre Jo wohl hinterhergefahren, aber die Zeiten waren vorbei. Er hatte den Termin in Gemünden, ein Naturparkführer erwartete ihn. Er ließ die Stores zurückfallen, schluckte mit dem Rest des Kaffees ein Aspirin und stellte seine Tasse in den Ausguss. Dann öffnete er leise die Tür zum Schlafzimmer. Birgit schlief immer noch, selbst die Sirenen hatten sie nicht aufgeweckt, wahrscheinlich hatte sie nachts noch ewig lang gelesen. Über dem Bett hing ein Bild von einer Alpenlandschaft mit Kapelle und Bergbach, dahinter Felsgipfel. "Ja, was wolle Se denn im Spessart", sagte Jo zu sich selbst und ging seine Schuhe anziehen.

Am Fuß der Treppe erwartete ihn seine Zimmerwirtin, Frau Gern. "Des is bestimmd weche die junge Loit", erklärte sie eifrig und ungefragt. "Wisse Se, die von Plännetgad am Campingplatz. Die sinn de ganze Tach im Wald unnerwechs und wolle die Buche schütze. Da werds en Ärcher gebbe mit de Waldabeiter oder so. Meine Güdde, wird doch nix Ernstes passiert sei."

"Was für Buchen schützen?" Jo war verwirrt. "Am Campingplatz? Im Winter?"

"Ja gell, i habs garnet mit aaschaue gekönnt, in die Zelde, bei der Kält. Ich hab dene scho mei Feriewohnung aabodde. Das war bevor Se aagrufe habbe", fügte sie verlegen hinzu, "aber stelle Se sich vor, die dürfe ned. Die Woch sin zwaa von denne am Montach zum Fersehgucke bei mir bliebe. Lustische Kerlsche. De anner Tach sin se rausgfloche ausm Cämp. Na ja. Jetz bring ich d' jung Leut wenichstens en Kuche vorbei."

Sie seufzte. Ihre ganze Gestalt von den warmen Filzhausschuhen über die dicken Strümpfe, die Kittelschürze bis hinauf zu den grauen Dauerwellen war ein Monument hausfraulicher Sorge.

"Bring du denne nur en Kuche. Wenn die dann en Nationalpark hier mache, dann kannst schaun, mit was du dein Herd eischürst", ließ sich plötzlich die grantige Stimme des Ehemanns durch die offene Wohnungstür vernehmen.

Die Wirtin machte kehrt. "Ach was", gab sie zurück. "Die habbe si wenichstens für mein Kuche bedankt, bei dir haaßt's: Nix gsacht, ist gnuch globt." Frau Gern machte die Tür zu und Jo stand allein im Flur, in der Gesellschaft eines holzgeschnitzten Mönches mit Weinfass und eines schlafenden Gipsengelchens zwischen den Kakteen auf dem Fensterbrett.

PlanetGuard war Jo natürlich ein Begriff. Er assoziierte mit dem Namen Helden, die mit dem Schlauchboot unter Walfangschiffen einherjagten und sich im Regenwald den Bulldozern der Minengesellschaften in den Weg stellten. Letztes Jahr war bei Auseinandersetzungen in Kolumbien eine europäische Aktivistin ums Leben gekommen, erschossen oder von einem Bulldozer überrollt, ziemlich scheußlich jedenfalls. Es hatte einen solchen Medienaufstand gegeben, dass die Regierung ein Moratorium verkündete, zumindest bis zur nächsten Wahl. Und nun saßen die hier im Winter am Campingplatz, durften in keine Ferienwohnung und prügelten sich im deutschen Wald mit der Polizei herum? "Ja was wolle se denn im Spessart", murmelte Jo schon zum zweiten Mal an diesem Tag.

Marion kam vom Hotel gefahren, und Jo faltete sich auf ihren Beifahrersitz.

"Hast du die Polizei gehört? Zugehen tut's hier!" Jo schaute auf die Uhr. "Wir hätten noch eine Minute. Weißt du, wo der Campingplatz ist?"

Marion wusste es nicht, aber auf dem Weg zur Staatsstraße sahen sie rechtzeitig das Schild, das in den Heigenbrücker Weg zum westlichen Dorfrand wies. Nach 300 Metern standen sie vor dem Maschendrahtzaun. Ein großes Transparent war daran befestigt mit der Aufschrift 'PlanetGuard' und dem Logo der Organ

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