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Was tot ist Psychothriller von Bauer, Belinda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.07.2014
  • Verlag: Manhattan
eBook (ePUB)
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Was tot ist

Das Leben interessiert den autistischen Medizinstudenten Patrick nicht. Ihn fasziniert der Tod. Für einen Mörder wird er damit zur größten Gefahr...
"Die Toten können nicht zu uns sprechen", hatte Professor Madoc gesagt. Eine glatte Lüge. Denn der Leichnam, den Patrick Fort im Anatomie-Kurs vor sich auf dem Tisch liegen hat, versucht ihm eine ganze Menge mitzuteilen. Dabei ist das Leben für den autistischen Patrick schon rätselhaft genug - auch ohne einen möglichen Mordfall aufklären zu müssen. Ein Verbrechen, an das sonst niemand glaubt. Und während Patrick akribisch versucht, hinter das Geheimnis des Toten zu kommen, gerät er selbst ins Fadenkreuz und in ein Netz aus Lügen in seinem engsten Umfeld ...

Belinda Bauer wuchs in England und Südafrika auf. Sie arbeitete als Journalistin und Drehbuchautorin und wurde mit dem renommierten Bafta Award for Young British Screenwriters ausgezeichnet. Ihr Romandebüt legte sie mit dem von Kritikern wie Lesern gefeierten Werk "Das Grab im Moor" vor, das als bester Spannungsroman des Jahres mit dem Gold Dagger ausgezeichnet wurde. Auch mit ihren weiteren Romanen wurde Belinda Bauer ihrem Ruf als Ausnahmetalent immer wieder aufs Neue gerecht. Die Autorin lebt in Wales.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 28.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641143374
    Verlag: Manhattan
    Originaltitel: Rubbernecker
    Größe: 956kBytes
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Was tot ist

8

Patrick betrat einen riesigen Raum voller Toter und dachte an eine Kunstgalerie.

Der Sektionssaal der Cardiff University war heller, weißer und leichter, als er es sich je vorgestellt hatte; Filme wie Flatliners und Frankenstein hatten ihn anscheinend irregeleitet. Dies hier war mehr ein Hangar als ein Labor, weiß und luftig unter einer hohen Decke voller Oberlichter, aber ohne Fenster in den Wänden. Man konnte nicht auf die baumgesäumte Geschäftigkeit des Park Place draußen blicken, und man konnte definitiv nicht von außen hereinsehen.

Erst nachdem seine Augen eine Weile auf dem blassblauen Oktoberhimmel verweilt waren, sah Patrick die Toten an.

Leichname. Er würde sich daran gewöhnen müssen, sie so zu nennen.

Sie waren die Kunstwerke dieser Ausstellung. Dreißig Stillleben – aufgebläht von der Balsamierungsflüssigkeit und merkwürdig orange verfärbt – lagen auf Tischen und warteten darauf, gründlicher dekonstruiert und analysiert zu werden als jede Mona Lisa und jedes Turiner Grabtuch .

Jeder Leichnam lag in einem eigenen Baumwollstoffkokon da wie eine zarte Insektenpuppe. Jeder Kopf war mit ungebleichtem Stoff umwickelt. Um die Feuchtigkeit zu bewahren, das wusste Patrick aus dem Vorbereitungsunterricht für Anatomiestudenten – um zu verhindern, dass das Gesicht austrocknete, die Augen zu Rosinen verschrumpelten und die Studenten Fracksausen kriegten.

Es war warm, und der Geruch war ... sonderbar. Patrick hatte mit Formalin gerechnet, dies hier jedoch war süßer, allerdings mit einem eigenartigen Unterton, der nicht ganz angenehm war.

"Mir wird schlecht", flüsterte jemand leise hinter ihm.

"Nein, dir wird nicht schlecht", widersprach ein zweiter Student aufmunternd.

Ein dunkelhaariges Mädchen neben Patrick stupste ihm gegen den Arm. "Alles klar?", fragte es. "Du bist voll blass."

Patrick nickte und zog seinen Arm aus ihrer Umlaufbahn. Er hätte erwidern können, dass die Blässe von freudiger Erregung herrührte, nicht von Übelkeit. Er hätte sagen können, dass hier in diesem Sektionssaal seine Suche Erfolg haben oder scheitern würde. Eine Suche nach Antworten, nach denen er seit seinem achten Lebensjahr gesucht hatte und die ihm anscheinend niemand geben wollte oder konnte, sodass er schließlich aufgehört hatte, laut zu fragen.

Das erzählte Patrick dem Mädchen nicht, weil es nicht seine Natur war, irgendjemandem irgendetwas zu erzählen.

Jeder hatte eine Ausgabe von Essential Clinical Anatomy dabei und trug einen der zwanzig weißen Papierkittel, die man ihnen in einer Tüte ausgehändigt hatte, die wie eine Geschenkverpackung aussah. Dürftige Imitationen der festen weißen Baumwollkittel, die Ärzte immer anhatten. Jeder hatte einen vierstelligen Zahlencode bekommen, der ihm mittels einer Tastatur an der Tür Zugang zum Sektionssaal gewährte. Patricks Code lautete 4017, und er konnte ihn vom ersten Moment an nicht ausstehen. Keinerlei Muster, keinerlei mathematische Fortschreibung, und die Zahl hatte nur eine einzige Form, sie war zackig. Er überlegte, ob es die Sache wert war, mit einem anderen Studenten in näheren Kontakt zu treten, um zu sehen, ob er vielleicht tauschen konnte.

Gleich neben dem Eingang standen drei große Kübel voller leuchtend blauer Latexhandschuhe. Small, Medium und Large. Patrick nahm sich einen linken in Large und musste dann sechs weitere ausprobieren, ehe er einen passenden rechten fand. Im Geist spielte er mit der Idee, die Wahrscheinlichkeit auszurechnen, doch der Kübel enthielt eine unbekannt

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