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Wenn das Eis bricht Psychothriller von Grebe, Camilla (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.04.2017
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)

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Wenn das Eis bricht

In der Wohnung des reichen Geschäftsmanns Jesper Orre wird die Leiche einer jungen Frau gefunden - auf brutale Art ermordet. Von ihm fehlt jede Spur. Vor zehn Jahren gab es einen ganz ähnlichen Fall - ungelöst. Hanne, die Kriminalpsychologin von damals, soll deshalb ermitteln. Sie muss in die Vergangenheit eintauchen, dabei verschwimmt gerade ihre Gegenwart - sie fürchtet, an beginnendem Alzheimer zu leiden. Ihre Existenz bekommt zunehmend Risse, und die beiden Fälle verbinden sich auf ungute Weise. Kann Hanne sich selbst und ihren Erinnerungen trauen? Ist sie auf der richtigen Spur? Wann bricht das Eis, und was kommt darunter zum Vorschein? Camilla Grebe und Åsa Träff sind Schwestern, aufgewachsen in Älvsjö in der Nähe von Stockholm. Der Roman 'Die Therapeutin' war ihr erstes Gemeinschaftsprojekt, fast zwangsläufig entstanden aus ihrer Liebe zur Kriminalliteratur. Camilla, geboren 1968, lebt in Stockholm mit ihrem Mann, zwei Kindern und einem Dalmatiner. Sie ist studierte Betriebswirtin, hat den Hörbuchverlag 'StorySide' gegründet und betreibt ein Beratungsunternehmen. Åsa, geboren 1970, lebt in Gnesta mit ihrem Mann und zwei Kindern. Sie arbeitet als Psychologin mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie und betreibt in Stockholm mit drei Kollegen eine Gemeinschaftspraxis, die sich auf Angststörungen und neuropsychologische Störungen spezialisiert hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 608
    Erscheinungsdatum: 10.04.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641196172
    Verlag: btb
    Originaltitel: Wenn das Eis bricht
    Größe: 3104 kBytes
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Wenn das Eis bricht

Ich stehe im Schnee vor Mamas Grabstein, als das Telefon klingelt. Es ist ein schlichter Grabstein, knapp kniehoch, aus grob zurechtgehauenem Granit. Wir haben eine Weile nachgedacht, meine Mutter und ich. Darüber, wie schwierig es ist, in einer Stadt Polizist zu sein, in der sich niemand für andere interessiert, nur noch für sich selbst. Und vielleicht noch wichtiger: über die Schwierigkeit, Mensch zu sein, in einer solchen Stadt, in einer solchen Zeit.

Ich trete den feuchten Schnee von den Turnschuhen und drehe mich weg. Es kommt mir nicht richtig vor, an einem Grab zu telefonieren. Vor mir breitet sich die wellige Friedhofslandschaft aus. Nebelschwaden liegen zwischen den Tannenwipfeln, unter ihnen ragen die dunklen Baumstämme aus dem Schnee wie Ausrufezeichen, die auf die Vergänglichkeit des Lebens hinweisen. Es tropft aus den Baumkronen und von den Grabsteinen. Überall Schmelzwasser. Es dringt durch meine dünnen Schuhe, es sammelt sich um meine Zehen wie eine feuchte Erinnerung daran, dass ich mir endlich Stiefel kaufen sollte. Weiter vorn auf dem Gelände ahne ich dunkle Gestalten, die sich durch den Wald entfernen. Vielleicht wollen sie Laternen aufstellen. Oder Tannenzweige auslegen.

Bald ist Weihnachten.

Ich mache einige Schritte auf den sorgfältig geräumten Weg zu und werfe einen Blick auf das Display, obwohl ich sowieso schon weiß, wer anruft. Das Gefühl in meinem Zwerchfell ist unverkennbar. Das bohrende, pochende Gefühl, das ich so gut kenne.

Ehe ich antworte, drehe ich mich ein letztes Mal zum Grabstein um. Winke unbeholfen und murmele etwas in der Art, dass ich bald wiederkommen werde. Das ist natürlich unnötig, sie weiß ja, dass ich immer zurückkomme.

Der Nynäsväg liegt schwarz und fast leer da, als ich auf die Stadt zufahre. Nur die roten Rücklichter einiger Autos glitzern vor mir auf der Fahrbahn, zeigen den Weg. Am Straßenrand türmen sich große Haufen aus schmutzigbraunem Schnee vor den niedrigen, deprimierend eintönig gebauten Häusern auf, die die Einfahrt nach Stockholm säumen. Einzelne Weihnachtssterne leuchten hinter den Fenstern, wie ein Flackern in der Nacht. Es schneit jetzt wieder. Ein Gemisch aus Regen und Matsch lagert sich an den Rändern der Windschutzscheibe ab und verwischt die scharfen Umrisse der Umgebung, macht die Landschaft weicher. Das Einzige, was ich höre, ist das Geräusch der arbeitenden Scheibenwischer, das sich mit dem sanften Schnurren des Motors vermählt.

Ein Mord.

Noch ein Mord.

Wenn ich früher, als relativ junger Polizist und frischgebackener Ermittler, an einen Tatort gerufen wurde, fand ich die Nachricht über einen Mord immer überaus anregend. Der Tod war für mich ein Synonym für ein Mysterium, das geklärt werden sollte, aufgerollt wie ein verwickeltes Wollknäuel. Denn alles konnte man klären, aufrollen. Wenn man nur Energie und Ausdauer besaß und zur richtigen Zeit am richtigen Faden zog. Die Wirklichkeit war einfach ein komplexes Gewebe aus solchen Fäden.

Kurz gesagt: Die Wirklichkeit konnte entwirrt werden, geklärt.

Jetzt bin ich mir da nicht mehr sicher. Vielleicht habe ich das Interesse an diesem Gewebe verloren, das Gespür dafür, an welchem Faden ich ziehen muss. Mit der Zeit hat auch der Tod eine andere Bedeutung bekommen. Mama, die im feuchten Boden des Waldfriedhofs schläft. Annika, meine Schwester, die auch hier liegt, ein kleines Stück weiter. Und Papa, der sich an der Sonnenküste nach und nach zu Tode säuft, wird wohl auch bald dort landen. Die Verbrechen, mit denen ich zu tun habe, kommen mir nicht mehr so wichtig vor. Natürlich kann ich dazu beitragen, sie aufzuklären. Kann das Unfassbare - jemand ist ums Leben gebracht worden - in Worte fassen und die Ereignisse beschreiben, die dazu geführt haben. Vielleicht kann ich auch feststellen, wer der Schuldige ist, und bestenfalls dazu beitragen, dass dieser Jemand vor Gericht gestellt wird. Aber die Toten sind doch weiterhin tot, oder?!

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