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Wer auf Rache sinnt Historischer Kriminalroman - William Monk 22 von Perry, Anne (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.03.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Wer auf Rache sinnt

London, 1879: In der Themse treibt die Leiche eines Mannes, eine Pistolenkugel steckt in seinem Rücken. Die Identität des Toten ist rasch geklärt: Es handelt sich um einen kürzlich aus dem Gefängnis entflohenen Kriminellen. Wie Inspector William Monk jedoch bald feststellt, starb das Opfer nicht durch das Projektil, sondern muss bereits Stunden zuvor ertrunken sein. Warum also der postmortale Schuss? Fast zu spät erkennt Monk, dass der Schlüssel zu dem Fall in seiner eigenen Vergangenheit liegt - und dass ein alter Feind zurückgekehrt ist, um mörderische Rache zu üben ... Die Engländerin Anne Perry, 1938 in London geboren, verbrachte einen Teil ihrer Jugend in Neuseeland und auf den Bahamas. Schon früh begann sie zu schreiben. Ihre historischen Kriminalromane zeichnen ein lebendiges Bild des spätviktorianischen Englands und begeistern ein Millionenpublikum. Anne Perry lebt und schreibt in Schottland.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 20.03.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641197292
    Verlag: Goldmann
    Serie: William Monk Bd.22
    Originaltitel: Revenge in a Cold River / 22 MONK
    Größe: 1043 kBytes
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Wer auf Rache sinnt

1

Monk stieg aus dem Boot und erklomm die Steinstufen zum Kai. Das Vertäuen überließ er Hooper, der ihm gleich darauf folgte. Obwohl es ein klarer, sonniger Tag war, schlug Monk ein eisiger Novemberwind entgegen. Oder war er sich der Kälte deshalb so eindringlich bewusst, weil der Zollpolizist McNab mit einem seiner Untergebenen oben auf ihn wartete?

Wie lange kannten sie einander schon? Monk hatte nicht die leiseste Ahnung. Bei seinem Unfall vor dreizehn Jahren, als er 1856 von einer Kutsche überfahren worden war, hatte sich sein ganzes Leben bis zu jenem Zeitpunkt schlagartig in Nichts aufgelöst. Was er später darüber in Erfahrung gebracht hatte, verdankte er einzig seinen eigenen Schlussfolgerungen und den Erinnerungen anderer. Seine Gedächtnislücken hatte er immer meisterhaft überspielt, und nur eine Handvoll enger Vertrauter wusste Bescheid. Von diesen wenigen hielt also gewissermaßen jeder Einzelne sein Leben in Händen.

McNab hasste ihn. Warum, das war Monk nicht klar. Sehr wohl wusste er dagegen, weshalb er diesen Mann verabscheute. McNab steckte hinter dem Fehlschlag der Razzia gegen die Gewehrschmuggler, die zu einem Kampf an Deck des Schiffs der Bande ausgeartet war und Orme das Leben gekostet hatte. Leider wusste er nicht genug darüber, wie weit McNab sich mit den Schmugglern eingelassen hatte, um irgendetwas zu beweisen. Das Ganze lag nun schon Monate zurück, doch er trauerte immer noch um Orme, der seit dem Tag, da Monk zum Kommandanten der Thames River Police ernannt worden war, ihm als sein Mentor, seine rechte Hand und vor allem als Freund zur Seite gestanden hatte.

Und jetzt wartete McNab hier auf ihn, ein schwerer Mann, der breitbeinig dastand, während der Wind an seinem schweren Mantel zerrte. Sobald er Monk bemerkte, wandte er sich ihm zu, und sein stumpfes Gesicht nahm einen gespannten Ausdruck an.

"Morgen, Mr Monk", sagte er laut genug, um das Rasseln von Ketten, die eingeholt wurden, das Klatschen der gegen die Stufen schwappenden Wellen sowie die Rufe der Lastkahnführer und Leichterschiffer auf dem Fluss draußen zu übertönen. "Ich hab einen für Sie!"

"Guten Morgen, Mr McNab." Monk stellte sich neben ihn und senkte den Blick auf einen von einer Plane bedeckten Klumpen zu seinen Füßen. Das war der Grund, warum er gekommen war. Ihn hatte die Nachricht erreicht, dass die hereinströmende Flut einen Toten angespült hatte.

Monk schlug die Plane über dem Oberkörper der Leiche zurück. Es handelte sich um einen Mann mittleren Alters in abgetragener Arbeitskleidung. Er war nur wenig vom Wasser aufgebläht und hatte nach Monks Schätzung höchstens ein paar Stunden im Fluss gelegen. Sein Gesicht wirkte leer, war aber - abgesehen von ein, zwei Blutergüssen und geringfügigen Schwellungen - nicht weiter entstellt. Offenbar waren ihm diese Verletzungen vor seinem Tod zugefügt worden. Um das zu erkennen, brauchte Monk keinen Polizeiarzt. Wenn das Herz aufhörte zu schlagen, floss kein Blut mehr, auch nicht in die Prellungen.

Monk beugte sich über den Toten und befühlte das triefend nasse, dichte Haar. Langsam tasteten sich seine Finger über den Kopf, auf der Suche nach einer Wunde, die sich als Beule oder als weiche Vertiefung bemerkbar machen konnte, falls der Schädelknochen gebrochen war. Ohne Erfolg. Dann öffnete er eines der Lider. Der weiße Augapfel wies winzige rote Punkte auf, ein Hinweis auf Ersticken.

Schließlich blickte Monk zu McNab auf. Hatte dieser die Einblutungen ebenfalls bemerkt? Einen Moment lang verriet ihm McNabs Miene unverhüllte Genugtuung, bevor sie wieder glatt und ausdruckslos wurde.

Erdrosselt also? An der Kehle fehlten jegliche Würgemale. Der Kehlkopf war weder gebrochen noch gequetscht. Ertrunken? Das war in der Themse nichts Ungewöhnliches. Das Wasser war tief, schmutzig und eiskalt, die Strömung schnell und tückisch.

"Warum bin ich hergerufen worden, Mr McNab?", fragte Monk.

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